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Zensur
01/06/2013

Iran plant kontrollierten Zugang zu Facebook

Über eine Filter-Software soll der iranischen Bevölkerung der Zugang zu sozialen Netzwerken erlaubt werden. „Eine intelligente Kontrolle sozialer Netzwerke ist besser als eine komplette Sperre", meint der Polizeichef des Landes.

Die iranischen Behörden wollen mithilfe einer speziellen Software einen eingeschränkten und kontrollierten Zugang zu Internet-Plattformen wie Facebook und Twitter einführen. „Eine intelligente Kontrolle sozialer Netzwerke ist besser als eine komplette Sperre", sagte der Polizeichef des Landes, Ezmail Ahmadi Moghadam, der Tageszeitung „7sobh" vom Sonntag.

Mit einer „intelligenten Software" könnten die Nachteile der Netzwerke vermieden und die Vorteile genutzt werden, sagte Moghadam. Das soziale Netzwerk Facebook, der Kurznachrichtendienst Twitter und die Videoplattform YouTube fallen im Iran wie zehntausende andere Webseiten unter die staatliche Zensur.

Organisation von Protesten verhindern
Besonders stark wird das Internet seit den Massendemonstrationen gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad im Juni 2009 überwacht, weil Facebook und Twitter bei der Organisation der Proteste eine zentrale Rolle gespielt hatten. Eine eigens eingerichtete Internetpolizei kontrolliert seitdem etwa regierungskritische Blogs. In den vergangenen drei Jahren wurden mehrere Blogger inhaftiert.

Viele Iraner umgehen die Zensur durch die Nutzung illegal gehandelter Software, die einen freien Zugang ins Netz ermöglicht, oder durch die Nutzung verschlüsselter Systeme wie VPN. Ein von der Regierung eingerichtetes iranisches Internet wird dagegen vor allem von den Behörden genutzt. 36 Millionen der 75 Millionen Einwohner der islamischen Republik nutzen das Internet.

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