Netzpolitik
13.01.2013

Nach Tod von Swartz: Heftige Kritik an Justiz

Der Selbstmord des 26-jährigen Netzaktivisten und Programmierer Aaron Swartz hat große Bestürzung in der Web-Community ausgelöst. Neben zahlreichen berührenden Stellungnahmen und Blogeinträgen - unter anderem von Tim Berners-Lee und Swartz' Eltern - wurden auch schwere Vorwürfe gegen die Behörden und gegen das MIT erhoben.

"Barons Tod ist nicht nur eine persönliche Tragödie. Er ist ein Produkt eines Justizsystems, das voll von Einschüchterung und überzogener Strafverfolgung ist", kritisierte die Familie in einer offiziellen Stellungnahme. Die Staatsanwaltschaft und das MIT hätten zu Aarons Tod beigetragen, indem sie eine Strafe von bis zu 30 Jahren Gefängnis für eine Tat angestrebt hätten, die keine Opfer verursachte.

Elite-Uni MIT unter Kritik
Besonders enttäuscht zeigte sich die Familie vom MIT, das im Gegensatz zur Online-Plattform JSTOR, über die Swartz 4,8 Millionen wissenschaftliche Artikel heruntergeladen hatte, sich nicht für ihren Sohn eingesetzt habe. Auch der mit Swartz befreundete Harvard-Professor und Anwalt Lawrence Lessig bezeichnete es in einem emotionalen Blog-Eintrag als große Schande, dass das MIT eine derart unklare Position im Verfahren gegen Swartz bezogen habe. Laut den Vorwürfen des Staatsanwalts hatte Swartz einen Computer am MIT gehackt, um die Dokumente herunterzuladen.

Auch Lessig gibt den Behörden Mitschuld am

. In seinem Blogeintrag mit dem Titel "Der Staatsanwalt als Tyrann" ("Prosecutor as bully") kritisiert er die völlige Unverhältnismäßigkeit der Strafverfolgung, die Swartz wie einen 9/11-Terrorist behandelt und absurde Vorwürfe verwendet habe, die von "gestohlenen Eigentum im Wert von Millionen Dollar" sprachen. Jeder, der behaupte, man könne mit einem Stapel von akademischen Artikeln Geld machen, sei entweder ein Idiot oder ein Lügner, so Lessig.

Non-Profit-Plattform JSTOR würdigt Swartz
Bei der Non-Profit-Organisation JSTOR, die Stein des Anstoßes war, zeigte man sich über die Nachricht vom Ableben des jungen Netzaktivisten ebenfalls bestürzt. In einer Stellungnahme hieß es, dass Swartz eine ausgesprochen talentierte Person gewesen sei, die einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Internets und Webs geleistet habe, von dem alle profitieren. Des Weiteren wies JSTOR noch einmal darauf hin, dass man kein Interesse an der Strafverfolgung von Swartz gehabt habe und die Sache schon im Juni 2011 mit ihm ausgeräumt habe.

Weitere berührende Stellungnahmen, in denen die große Belastung durch den Strafprozess, aber auch Swartz` jahrelanger Kampf gegen Depressionen thematisiert werden, stammen von seiner Freundin Quinn Norton ("My Aaron Swartz, whom I loved.") und seinem langjährigen Freund Cory Doctorow ("RIP, Aaron Swartz"). Seit einigen Stunden ist auch eine Gedenkseite eingerichtet. Tim Berners-Lee würdigte Swartz mit einem Gedicht:

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