Netzpolitik
08.06.2018

Neues Urheberrecht könnte Aus für Memes bedeuten

Bürgerrechtsorganisationen fürchten, dass die geplante EU-Urheberrechtsrichtlinie die Internetkultur zerstören wird.

"Lass die EU nicht unser Internet kaputt machen" - mit diesem Slogan macht eine Initiative gegen die geplante EU-Urheberrechtsverordnung Stimmung und fordert dazu auf, die europäischen Parlamentsvertreter auf die potenzielle Gefahr aufmerksam zu machen. Die Kritiker der geplanten Richtlinie fürchten, dass im Bemühen Urheberrechte besser abzusichern, die Internetkultur, wie wir sie jetzt kennen, zerstört werden könnte. Die Abstimmung ist noch für Juni geplant.

Filter und Zensur

Statt der spielerischen Verwendung von Bildern, Videos und anderen digitalen Dateien könnten Plattformen künftig gezwungen sein, sämtliche Inhalte auszufiltern, die von einem User ohne rechtmäßiges Copyright verwendet und verbreitet wurden. Da das Filtern derartiger Inhalte wohl Computerprogramme und Algorithmen übernehmen, ist es denkbar, dass etwa Bilder und Videos, die etwa für Memes oder Parodien verwendet werden, ebenfalls als Urheberrechtsverstoß ausgefiltert werden, fürchten Kritiker der Richtlinie.

Bei YouTube, wo ein striktes Löschen von urheberrechtlich geschütztem Material mittlerweile Gang und Gäbe ist, könne man diese Entwicklung, die jegliche Kreativität zerstöre, bereits beobachten. Ein Nebeneffekt der Regelung sei, dass die Kommunikation von Usern praktisch flächendeckend und durchgehend überwacht und analysiert werden müsse, wolle man die Vorgaben tatsächlich erfüllen. Das sei auch datenschutzrechtlich sehr bedenklich, argumentieren die Bürgerrechtsorganisationen.