© Foto: Futurezone

RELAUNCH
12/15/2010

ORF TVthek für iPhone und iPad verfügbar

Beim technischen Relaunch seines On-demand-Dienstes setzt der ORF auf die Unterstützung mehrerer Plattformen. Neben den Apple-Geräten soll die TVthek bald auch für Android-Phones bereitgestellt werden. Die FUTUREZONE hat die neue TVthek am iPhone und iPad bereits getestet.

von Martin Stepanek

Gut ein Jahr nach dem Start der ORF TVthek ist der On-demand- und Live-Streamingservice des ORF erstmals auch über das iPhone und iPad nutzbar. Das Aufrufen der TVthek funktioniert direkt im Browser über die bereits bekannte Webadresse tvthek.orf.at. Zwei Auflösungen sind verfügbar. Beim iPad ist die höhere Übertragungsrate von rund 800 kBit/s voreingestellt. Beim iPhone greift der Browser auf den datenschonenden Stream mit 170 kBit/s zurück.

Bandbreite

Zwischen den Übertragungsvarianten kann jederzeit gewechselt werden. Fürs iPad empfiehlt sich aufgrund des größeren Videofensters in jedem Fall die bessere Auflösung. Im Test funktionierte die Übertragung sowohl mit WLAN als auch mit stabiler 3G-Datenverbindung einwandfrei. Bei schlechtem Empfang oder kurzen 3G-Aussetzern reicht der Datenpuffer allerdings nicht aus. Die Ton- und Bildunterschiede der geringeren Bandbreite sind vor allem am iPad deutlich spürbar. Hier empfiehlt sich die Nutzung über WLAN. Auf dem iPhone fällt die schlechtere Qualität nicht so stark ins Gewicht.

Zu bemängeln gibt es lediglich, dass das Video nach dem Wechsel der Bandbreite wieder von vorne startet und man erst wieder manuell zur zuletzt angesehenen Stelle vorrücken muss. Der Einstellungen-Reiter zum Verändern der Übertragungsqualität hätte darüber hinaus prominenter platziert werden können, zumal diese Funktion gerade auf dem iPhone oft benötigt wird.

H.264 statt Windows Media

Um die TVthek-Inhalte auf dem iPhone und iPad darstellen zu können, setzt der ORF auf den kommenden Webstandard HTML5 und den etwa von iTunes bekannten H.264-Videocodec, der im Gegensatz zum bisher verwendeten Windows-Media-Format von Apple und seiner Quicktime-Abspielsoftware unterstützt wird. Die Apple-Plattform ist aber nur als Startschuss gedacht, wie Christian Eder, technischer Leiter der ORF-Onlinedirektion, im Gespräch mit der FUTUREZONE versichert.

Bis zum Ende des ersten Quartals 2011 soll die TVthek auch Android-fit gemacht werden und als Flash- und HTML5-Variante für verschiedene Browser und Geräte ausgeliefert werden. Neben Android-Phones wird auch das neue Nokia-Smartphone N8 auf die TVthek zugreifen können, da der darauf integrierte Browser ebenfalls HTML5-fähig ist. Je nach Gerät und Browserumgebung wird die TVthek zukünftig automatisch die technisch beste Codierung- und Übertragungsform wählen.

Aus für DRM-Schutz

Dass der ORF beim ursprünglichen Launch der TVthek und seinen Live-Streaming-Angeboten ausschließlich auf Windows Media setzte, hat diesem viel Kritik eingebracht. "Wichtige Verbände wie die UEFA oder das IOC haben uns bei Übertragungen von Großevents aufgefordert, unsere Online-Streams mit DRM-Schutz (Digital Rights Management) zu versehen. Dies war mit Flash damals aber nicht möglich, daher die Wahl von Windows Media", so Eder.

Laut Eder sind die Streams nun DRM-frei. Darüber hinaus werden durch die HTML5-Unterstützung der neuesten Browsergeneration zukünftig auch Video-Plug-ins wie Silverlight (Windows Media) sowie Flash überflüssig. Anstelle von Plug-ins, die zusätzlich installiert werden müssen und sozusagen eine Programmumgebung innerhalb des Browsers schaffen, können die Videoinhalte in Zukunft nativ vom Browser wiedergegeben werden.

An der HTML5-Umsetzung für Desktopbrowser wird laut Eder derzeit ebenfalls noch gearbeitet. Als mögliches Hindernis für Browser wie Firefox oder Opera gilt jedoch, dass diese derzeit HTML5 nicht in Verbindung mit dem patentpflichtigen H.264-Codec unterstützen. Laut ORF sollen jedoch möglichst viele Plattformen und Streamingtechnologien unterstützt werden.

(Martin Stepanek)


HTML5 ist die Weiterentwicklung der HTML-Websprache und erlaubt das direkte Einbinden und Anzeigen von Videoinhalten, aber auch Animationen und 3D-Effekten auf Webseiten ohne Zusatzplugins. Alle großen Browserhersteller arbeiten an HTML5-fähigen Browsern und haben diverse Funktionalitäten schon umgesetzt. Der vollständige Standardisierungsprozess ist aber noch nicht abgeschlossen.