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INTERNET
12/12/2010

Pornodomain .xxx lässt weiter auf sich warten

Die Entscheidung über die Einführung der geplanten Top-Level-Domain wurde auf Februar 2011 verschoben. Neben Regierungsvertretern läuft vor allem die Pornoindustrie selbst gegen die neue Domainendung Sturm.

Das Gezerre um die vor Jahren angeregte .xxx-Einführung geht in die nächste Runde. Die Domainverwaltungsorganisation ICANN ließ nach ihrem 39. Meeting in Cartagena, Kolumbien, vergangene Woche zwar durchblicken, dass man die neue Top-Level-Domain einführen werde, vertagte eine definitive Entscheidung aber auf Februar 2011.

Pornoindustrie befürchtet Zensur

Bis dahin sollen Vorbehalte des "Governmental Advisory Committee" (GAC), einem aus weltweiten Regierungsvertretern bestehenden Beraterkomitees, aus der Welt geschaffen werden. Vehement gegen eine neue xxx.-Domain, die alle Seiten mit pornografischen Inhalten unter sich vereinen könnte, hat sich aber auch die stark US-geprägte Pornoindustrie ausgesprochen.


In einer ersten Reaktion begrüßte die Branchenorganisation "The Free Speech Coalition" (FSC) die ICANN-Entscheidung, noch einmal mit GAC-Mitgliedern über die Einführung zu sprechen. Gleichzeitig unterstrich die Organisation ihre Ablehnung. Sie befürchtet Kosten in Millionenhöhe und warnt davon, dass Regierungen die Pornoindustrie gesetzlich zwingen werden, ihre Webauftritte in den .xxx-Webspace zu verlegen. Damit werde es für Regierungen aber auch leichter, Erwachsenen-Content zu kontrollieren und gegebenenfalls die gesamte Domain zu blockieren, so die FSC.

Privater Registrar kämpft um Einführung

Die erwarteten Mehrkosten erklären sich dadurch, dass eine .xxx-Domain mit erwarteten 60 Dollar pro Jahr ein Mehrfaches von .com-Domains kosten werden. Hinter dem Vorhaben steckt der private Registrar ICM Registry , der die Top-Level-Domain betreiben will und bereits seit mehreren Jahren für die Einführung kämpft.

ICM Registry argumentiert, dass eine .xxx-Endung und die dadurch erreichte klare Zuschreibung sowohl für Konsumenten von Erwachseneninhalten als auch für solche, die diese Inhalte meiden wollen, eine Verbesserung darstellt. Eltern könnten entsprechende Inhalte mittels einfachem Filter für ihre Kinder sperren, so die Argumentation. Alle Unternehmen, die eine .xxx-Domain registrieren wollen, werden genau auf ihre Angebote geprüft. Ein Teil des Beitrags - kolportierte zehn Dollar - soll in einen verbesserten Schutz von Kindern fließen.

(futurezone)