Netzpolitik
30.03.2017

Protest: Aktivist will Browserverlauf von US-Politikern kaufen

Nachdem ein neues US-Gesetz den Verkauf sensibler Nutzerdaten, wie dem Browserverlauf, erlaubt, wollen Aktivisten nun zurückschlagen. Dafür sammeln sie online Spenden.

Ein neues US-Gesetz erlaubt es künftig Internet- und Mobilfunkanbietern, sensible Nutzerdaten und das Surfverhalten ihrer Kunden ohne deren Zustimmung zu Werbezwecken zu verkaufen. Die Abstimmung sorgte für einen heftigen Aufschrei unter US-Internetnutzern, die ihren Unmut auf den sozialen Netzwerken hörbar machten. Doch einige Aktivisten hatten eine andere Idee. Mittlerweile gibt es zahlreiche Crowdfunding-Kampagnen, im Zuge derer Geld gesammelt wird, um den Browserverlauf jener US-Abgeordneten zu kaufen, die für das neue Gesetz gestimmt haben.

Damit sollen die US-Politiker mit ihren eigenen Waffen geschlagen und öffentlich vorgeführt werden. So schreibt etwa der selbsternannte Datenschutz- und Netzneutralitäts-Aktivist Adam McElhaney: „Ich will den Browserverlauf aller Abgeordneter, Kongressmitglieder, Manager und ihrer Familien kaufen und online auf searchinternethistory.com durchsuchbar machen. Alles, von ihren medizinischen Daten, über Pornografie hin zu ihren Finanzen und Untreue.“

Abstimmung über erste Ziele

McElhaney bietet sogar eine Abstimmung an, in der die Öffentlichkeit bestimmen kann, wessen Browserverlauf zuerst gekauft werden soll. Mit Abstand weit vorne: Paul Ryan, republikanischer Abgeordneter und Sprecher des Repräsentantenhauses, der sich durch seinen kürzlich gescheiterten Versuch einer Gesundheitsreform vor allem in der Bevölkerung wenig Freunde gemacht hat. Die Kampagne konnte bisher (Stand 9 Uhr) mehr als 145.000 US-Dollar auf GoFundMe einsammeln.

Eine weitere Kampagne, die von US-Schauspieler Misha Collins („Supernatural“) gestartet wurde,sammelte bereits mehr als 61.000 US-Dollar. Diese dürfte aber eher nur symbolischen Charakter haben, da diese sich 500 Millionen US-Dollar als Ziel gesetzt hat. Eine dritte Kampagnehat bisher kaum die 1000-Dollar-Marke geknackt.

Heiße Luft

Wie The Verge anmerkt, dürfte die Flut an Protestaktionen aber weitestgehend ergebnislos bleiben. Das Gesetz erlaubt zwar den Verkauf von Nutzerdaten, diese dürfen aber nicht eindeutig identifizierbar sein und müssen anonymisiert werden. Dementsprechend werden diese meist als große aggregierte Datenbanken verkauft.

Zudem verbietet ein weiteres Gesetz das Veröffentlichen von elektronischer Kommunikation ohne Zustimmung der betroffenen Parteien. Ob sich die betroffenen Unternehmen überhaupt an der Aktion beteiligen würden, ist ebenfalls zweifelhaft - schließlich würden sie mit dem Verkauf der Daten gegen ihr eigenes Geschäftsmodell protestieren.