EU
12/06/2010

Roaming-Gebühren könnten ab 2015 fallen

EU will Mobilfunkmarkt schrittweise harmonisieren

Der europäische Markt für Telekommunikation und Mobilfunk wird ab 2011 verstärkt harmonisiert. Das Arbeitsprogramm der EU-Koordinierungsstelle Berec (Body of European Regulators for Eletronic Communications) forciert vor allem einheitliche Regeln für Terminierungskosten, Roaming sowie höhere Netzsicherheit für die Kunden. Darüber informierte Georg Serentschy, Chef des heimischen Regulierers RTR und Berec-Chairman 2012 am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Roaming-Kosten könnten bis 2015 fallen

Schon bald könnten Mobilfunkanbieter ihre nationalen Tarife EU-weit anbieten. Denn beim Roaming sollen nach EU-Fahrplan bis 2015 alle Kosten fallen, laut Serentschy ein "sinnvoller" Vorschlag. Er gehe davon aus, dass Sprach- und Datenroaming betroffen seien und wünsche eine "Roadmap" für die Umsetzung. Eine Kostenstreichung ab 2012, wie von EU-Parlamentariern vorgeschlagen, sei zu kurzfristig. Dies würde Chaos auslösen, schließlich müsse sich die Industrie vorbereiten. Kleine Nischenanbieter würden durch den Entfall der Roamingkosten "ein Problem" bekommen, verstärkte Konzentration auf der Angebotsseite könne die Folge sein.

Regelung der Terminierungsentgelte

Ein "Millionenthema" ist laut Serentschy die bessere Regelung der Terminierungsentgelte, also der anfallenden Kosten für Mobilfunkbetreiber bei Telefonaten zwischen zwei Anbietern. In Österreich wurde die Terminierung vereinheitlicht, ab 1. Jänner 2011 dürfen nicht mehr als 2,01 Cent pro Minute verrechnet werden. In anderen Mitgliedsstaaten seien die Entgelte mitunter höher, wodurch österreichische Mobilfunker einen Verlust erleiden würden. "Das führt zu Wettbewerbsverzerrung und soll geändert werden", so Serentschy.

==Schutz bei Verletzungen der Netzneutralität

Kundeninteressen sollen bei Verletzungen der Netzneutralität, also der neutralen Datenübertragung im Internet durch Mobilfunker, geschützt werden. "Das Minimalprogramm ist volle Transparenz", erläuterte Serentschy. Tools für Kunden und Info-Kampagnen über die Angebote seien notwendig, die Konsumenten "müssen informiert werden, was sie für ihr Geld bekommen". Das entstandene Bewusstsein, dass alle Internetangebote gratis seien, gelte es zu ändern. Mögliche Erschwernisse für Internet-Startups würden bestehen, jedoch würden die Mobilfunkbetreiber auch Zugang zu ihren Kunden gewähren.

Für 2011 erwartet Serentschy in Österreich "ein neues Telekomgesetz oder zumindest eine Novelle" mit Verbesserungen bei Netzneutralität und -sicherheit. Er selbst wurde beim 4. Plenum der Berec Anfang Dezember zum Berec-Chairman für 2012 bestellt, wodurch er automatisch 2011 und 2013 Vice Chairman ist. Berec koordiniert die nationalen Regulierungsbehörden der 27 EU-Mitgliedsstaaten. Die EU-Kommission sei verpflichtet die Vorschläge von Berec zu unterstützen oder zumindest zu berücksichtigen, erklärte Serentschy.

(APA)