Netzpolitik
21.05.2015

Russland will Demos mithilfe von Software vorhersagen

Der „Laplacesche Dämon“ soll soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter überwachen und erkennen, ob eine illegale Demonstration geplant ist.

Unangemeldete Proteste werden in Russland nicht gerne gesehen. Wer auf einer illegalen Demonstrationen erwischt wird, kann mit bis zu 5.400 Euro Geldstrafe sowie 50 Stunden gemeinnützigen Dienst bestraft werden. Doch das scheint die Menschen nicht davon abzuhalten, auf die Straße zu gehen. Nun wollen die russischen Behörden gegen illegale Demonstrationen vorgehen, noch bevor diese stattgefunden haben. Das von der russischen Regierung geförderte „Forschungszentrum für Rechtmäßigkeit und politischen Protest“ hat eine Software entwickelt, die über die Sozialen Netzwerke derartige Proteste vorzeitig erkennen kann.

"Gegen Massenunruhen"

Bereits seit Montag läuft der Testbetrieb des „Laplaceschen Dämons“, benannt nach der Auffassung, dass sich alles mit einer Formel berechnen lässt. Diese Software soll nach Ansicht des Forschungszentrums „Massenunruhen verhindern“ und durch Überwachung der Sozialen Netzwerke erkennen, ob ein illegaler Protest geplant wird. Derzeit werden Facebook und das in Russland populäre VKontakte durchforstet, in Zukunft sollen auch Twitter und LiveJournal überwacht werden.

Das System soll gezielt Gruppen und Seiten von politischen Aktivisten überwachen. Bekommt ein Beitrag besonders viele Likes oder wird stark damit interagiert, gerät er in das Visier des Programms. Freiwillige können Gruppen und Seiten von „Extremisten“ melden. Diese Einträge sollen von Soziologen und Politikwissenschaftlern geprüft werden, bevor sie auf der Watchlist der Software landen. Die Ergebnisse werden automatisch an Polizei und Justiz geschickt, die dann weitere Schritte setzen sollen. Aber auch die Bevölkerung kann per Smartphone-App Warnungen erhalten, wenn eine Demonstration in der Nähe stattfinden soll.

Minority Report light

Derartige Prognosen sind im Zeitalter von „Big Data“ keine Seltenheit mehr. Das sogenannte „Predictive Policing“ soll Straftaten voraussagen, noch bevor sie begangen werden. Was wie ein Science-Fiction-Film anmutet, ist in den USA, Deutschland, Großbritannien und auch in Österreich bereits im Einsatz. Diese Programme sollen anhand verschiedener Parameter berechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für Straftaten an einem bestimmten Tag oder Ort ist. Die Polizei kann anhand dieser Prognosen besser planen, wie viele Einsatzkräfte benötigt werden. Wann eine bestimmte Straftat wo begangen werden soll, können aber auch diese Systeme nicht voraussagen.