Netzpolitik
04/04/2016

Telekom drosselt Spotify: "Kunden für dumm verkauft"

Die Deutsche Telekom steht wegen der eingeführten Drosselung des Spotify-Datenverkehrs unter Beschuss. "Die Kunden werden für dumm verkauft", kritisieren Verbraucherschützer.

Die von der Deutschen Telekom angekündigte Limitierung des Spotify-Datenverkehrs (die futurezone berichtete) sorgt weiterhin für Kritik in Deutschland. Die Telekom beruft sich bei der Maßnahme auf eine im Vorjahr beschlossene EU-Verordnung und die darin enthaltenen Formulierungen zur Netzneutralität. Die Verbraucherzentrale Sachsen hält die vorgeschobene Argumentation für absurd.

"Für dumm verkaufen"

"Wenn die Telekom behauptet, dass sie mit der Änderung ihres Spotify-Modells dem neuen Netzneutralitätsgebot gerecht werden würde, wird wohl eher der Nutzer für dumm verkauft", sagt Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachen. Denn die Behauptung könnte nur richtig sein, wenn sich das Streamen von Spotify auch bereits auf das Inklusivvolumens auswirkt. "Da das Inklusivvolumen aber nach wie vor von der Spotify-Nutzung ungeschmälert bleibt und erst dessen ohnehin erfolgende Drosselung auch Spotify verhindert, hat das mit Netzneutralität sehr wenig zu tun", folgert Henschler auf dem Blogeintrag.

Betroffen sind im aktuellen Fall Kunden, die ein Spotify-Zusatzpaket abgeschlossen haben, was bisher nicht vom Datenvolumen abgezogen wurde. Ist das reguläre Volumen aber aufgebraucht, kann auch Spotify nicht mehr verwendet werden - um die gleiche Behandlung aller Internetpakete und damit die Netzneutralität nicht zu gefährden, lautet die Argumentation der Telekom. Betroffene können aber ein SpeedOn-Zusatzpaket abschließen, um schnelle Datenverbindungen über das Grundpaket hinaus nutzen zu können.

Auch in Österreich umstritten

Da das Gremium der europäischen Regulierungsbehörden (Gerek bzw. Berec) bis heute keine klaren Vorgaben für die Umsetzung der Verordnung formuliert haben, wirkt das Vorpreschen der Deutschen Telekom tatsächlich etwas fragwürdig. Auch die österreichischen Mobilfunker und Internet-Provider konnten auf Rückfrage der futurezone keine Angaben machen, inwiefern die Verordnung eine Änderung bestehender Services notwendig macht. Drei, das ebenfalls eine Spotify-Zusatzoption anbietet, hielt sich diesbezüglich bedeckt.