Netzpolitik
14.08.2013

US-Cyber-Abwehrpläne unter Beschuss

Die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden zur Internet-Überwachung der US-Geheimdienste bringen auch die Cyber-Abwehrpläne der Vereinigten Staaten ins Wanken.

Der US-Auslandsgeheimdienst National Security Agency ( NSA) versucht seit Jahren der US-Regierung seine Pläne für ein umfangreiches Cyber-Abwehrsystem schmackhaft zu machen. Durch die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden werde es nun aber zunehmend unwahrscheinlich, dass ein solches System umgesetzt werden könne, berichtet die „New York Times“. NSA-Chef Keith Alexander, der auch dem Cyberkommando des US-Verteidigungsministeriums vorsteht, setzte sich in der Vergangenheit vehement für die Schaffung eines Cyber-Abwehrsystems ein, dass es den USA ermöglichen sollte, Cyberattacken frühzeitig abzufangen.

„Das Vertrauen ist weg“
Führende Mitarbeiter der NSA mussten bereits einräumen, dass sich die zur Ausspähung von Malware eingesetzte Software kaum von den Programmen unterscheide, die bei der NSA zur Internet-Überwachung eingesetzt werde. Das Vertrauen in die NSA sei nicht mehr vorhanden, zitiert die Zeitung eine Quelle aus der NSA: „Wer würde der NSA glauben, dass sie Software zur Abwehr von Cyberattacken aus China nicht auch dazu einsetze, die E-Mails von US-Bürgern zu lesen."

Das von NSA-Chef Alexander vorgeschlagene Cyber-Abwehrsystem zielt vereinfacht ausgedrückt darauf ab, Malware zu blockieren, bevor sie Infrastruktur-Anbieter oder Unternehmen erreicht. Dabei sollen auch Internet-Anbieter zur Mitarbeit verpflichtet werden. So sollen etwa E-Mails durchleuchtet werden, um etwa Malware oder verdächtige Informationen ausfindig zu machen. Dabei sollen auch Hinweisen auf Industriespionage nachgegangen werden, so die „New York Times“.

Erste Tests
Die NSA hatte im Sommer mit der Neuorganisation der Cyber-Abwehr begonnen. Das von Alexander vorgeschlagene Abwehrsystem spielt dabei eine zentrale Rolle. Erste Tests wurden nach Angaben der „New York Times“ in Zusammenarbeit mit den Rüstungsunternehmen Lockheed Martin, Boeing und Ratheon bereits durchgeführt. Die Ergebnisse waren laut der Zeitung anfangs eher enttäuschend. Sie sollen sich aber zuletzt zunehmend verbessert haben.

Die Pläne des NSA-Chefs stießen auch schon vor den Enthüllungen zur Internet-Überwachung der Geheimdienste auf Kritik. Das Department of Homeland Security warnte vor dem wachsenden Einfluss des Militärs bei der Internet-Sicherheit.

Nach den Enthüllungen über die US-Internet-Überwachung sei es unwahrscheinlich, dass die Pläne der NSA zur Cyber-Abwehr im US-Kongress eine Mehrheit finden, schreibt die "New York Times". Auch die Lust der Regierung, sich dafür stark zu machen, dürfte sich in Grenzen halten. „Die NSA-Pläne könnten Snowdsens erstes großes Opfer sein“, zitiert die Zeitung einen führenden Geheimdienstmitarbeiter.

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