Netzpolitik
11.11.2013

US-Polizei setzt Tablets für Gesichtserkennung ein

In der Region San Diego verwenden Polizisten seit Jahresbeginn Samsung-Tablets, um Personen mittels Gesichtserkennung zu identifizieren. Bürgerrechtler sind entsetzt.

Bei Verhaftungen wird ein Foto des Verdächtigen mit dem Tablet gemacht, um mit einer Datenbank von Straftätern und Führerscheinbesitzern abgeglichen zu werden. Dieses System, das seit Jahresbeginn von der Polizei in der Region San Diego im Südwesten der USA getestet wird, nennt sich Tactical Identification System, wie das Center for Investigative Reporting beschreibt. Im Jänner 2013 wurden dafür 133 Samsung Galaxy Tab Tablets an die Exekutive verteilt.

In den ersten zehn Monaten des Feldversuchs wurden 5.629 Anfragen von Polizisten via Tablet an die Datenbank gestellt. Diese beinhaltet nicht nur die Daten von 1,4 Millionen Straftätern, sondern auch Fotos von 32 Millionen Führerscheinen. Entwickelt wurde das Programm, das den Zugriff ermöglicht, vom Gesichtserkennungs-Software-Produzent FaceFirst LLC.

Wenig Pro und viel Contra

Für die Polizei ist das Tactical Identification System ein nützliches Werkzeug, um Personen zu identifizieren, die ihren Namen nicht nennen wollen oder gefälschte Dokumente vorweisen. Nicht zuletzt sollen illegale Einwanderer in der Grenzregion zu Mexiko dadurch schneller identifiziert werden. Unbescholtene Bürger hätten der Ansicht der Polizei nach nichts zu befürchten. "Wenn du nicht in einer Kriminaldatenbank bist, hast du nichts zu verbergen",sagt Polizist Rob Halverson und vertritt damit eine bekannte Ansicht von Überwachungs-Befürwortern.

Bürgerrechtler sehen sie Sache anders. Für sie ist das Tactical Identification System ein Meilenstein der Militarisierung der US-amerikanischen Strafverfolgung. Das Programm ist die bisher größte Ausbreitung von Gesichtserkennungs-Technologie im realen Exekutiv-Einsatz. San Diego wird als Beispiel für eine alarmierende Zukunft gesehen. Außerdem wird befürchtet, dass die Einführung des Systems eine schleichende Gewöhnung zur Folge hat, in deren Folge das Testprogramm fließend in einen Routineeinsatz übergehen könnte.

Wie die Zeit beschreibt, gestaltet sich bereits beim Test der Umgang mit gesammelten Daten als problematisch. Polizisten ist es etwa selbst überlassen, ob sie geschossene Fotos auf dem Tablet löschen oder gespeichert lassen.