Als Gefahr mit dem fünftgrößten Einfluss auf die Welt wird jene durch einen Zusammenbruch der Internet-Infrastruktur gesehen.

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Zeitungsberichte
10/18/2011

USA erwogen Cyberangriff gegen Libyen

Die USA haben vor Beginn der Luftangriffe in Libyen eine Cyberattacke zur Schwächung der Luftverteidigung des Landes erwogen. Laut der "New York Times" wurde intensiv darüber debattiert, in die Computernetzwerke des Gaddafi-Regimes einzudringen und die militärischen Kommunikationsverbindungen zu kappen.

Damit wären Frühwarn- und Raketenabwehrsysteme lahmgelegt worden, berichtete die „New York Times“ am Dienstag. Der Zeitung zufolge waren aber nicht näher bezeichnete Regierungsbeamte und auch einige Militärvertreter dagegen. Sie hätten befürchtet, dass andere Nationen, insbesondere Russland und China, auf die Idee kommen könnten, ihrerseits Cyberwaffen einzusetzen.

Außerdem sei angesichts des damals immer massiveren Vorgehens von libyschen Regierungstruppen gegen Rebellen bezweifelt worden, dass die Zeit für eine solche Cyberoffensive ausreiche. Auch habe Unklarheit darüber geherrscht, ob Präsident Barack Obama eine solche Attacke anordnen könne, ohne vorher den Kongress darüber zu informieren.

"Nie das Weiße Haus erreicht"
Am Ende hätten sich dann die Verantwortlichen dafür entschieden, die libysche Luftverteidigung auf konventionellem Weg zu schwächen: durch Flugzeugangriffe, Marschflugkörper und den Einsatz von bewaffneten Drohnen.

Nach Angaben der „Washington Post“ waren es Spitzenleute im US-Verteidigungsministerium, die eine Cyberattacke in Betracht zogen. Die Diskussion habe aber „nie das Weiße Haus erreicht“ und sei abgebrochen worden, als man erkannt habe, dass die Zeit für eine solche Aktion zu knapp sei.