Netzpolitik
10.01.2013

Virtuelles Amt help.gv.at feiert 15. Geburtstag

Das Behördenportal help.gv.at wurde vor 15 Jahren ins Leben gerufen und zählt mittlerweile zu einer zentralen Plattform im E-Government-Bereich in Österreich. 2012 wurden mehr als neun Millionen Anwendersitzungen registriert. Was mit dem einfachen Angebot von Formularen begonnen hat, führt heute bis hin zu Handy-Apps.

"1997 wussten noch nicht viele Menschen, was das Internet ist", sagt Sektionschef Manfred Matzka am Donnerstag bei einer Pressekonferenz zum fünfzehnjährigen Jubiläum des Behördenportals help.gv.at im Bundeskanzleramt. Damals wußte man aber auch noch nicht, dass dieses virtuelle Amt, das anfangs lediglich elektronische Formulare zusammen gesammelt hat, Österreich bei seiner Vorreiterrolle im Bereich E-Government unterstützt und dass es von den österreichischen Bürgern derart gut angenommen wird. Im Jahr 2012 verzeichnete help.gv.at über neun Millionen Anwendersitzungen. "Statistisch gesehen nutzt jeder Österreicher dieses virtuelle Amt mindestens einmal im Jahr", erklärt Matzka.

Das Geheimnis des Erfolgs des Behördenportals ortet Matzka darin, dass es sich dabei um ein Angebot für Nutzer handelt, das von der Nachfrage lebt. "Help.gv.at darf nicht daher kommen wie eine Vorlesung, sondern wie ein Ladengeschäft. Wir organisieren die Inhalte daher nicht nach Paragraphen, sondern nach Lebenssituationen", sagt der Sektionschef. Über die Plattform stehen mehr als 1000 verschiedene Anträge und Dokumente zur Verfügung, die von zu Hause aus gestellt und ausgefüllt werden können.

Geburten und Führerschein häufig nachgefragt
Auf help.gv.at findet man beispielsweise auch alle gesetzlichen Neuerungen des Jahres 2013 zusammengefasst. Auf diese Dokumente, die z.B. aus den Bereichen Arbeit, Familie und Verwaltung stammen, wurde bereits 60.000 Mal zugegriffen, so Barbara Auracher-Jäger, Leiterin der Redaktion von help.gv.at. Besonders beliebt sind laut Auracher-Jäger zudem alle Informationen rund um Geburten und den Führerschein. "Beim Führerschein konnten wir unlängst einen Anfrage-Ansturm beobachten, weil am 19. Jänner neue Regeln in Kraft treten. In so einem Fall versuchen wir sofort zu reagieren und die Informationen noch leserfreundlicher zu gestalten", erzählt Auracher-Jäger, die im Anschluss auch die Torte zum 15-jährigen Jubiläum anschneiden durfte.

Mobile Behörden-Apps durchaus beliebt
Seit 2012 gibt es zudem eine eigene "Amtsfinder"-App, die "Handy-Signatur"-App und die Rechtsinformations-App "RIS", über die man beispielsweise unterwegs auf Rechtsvorschriften, Gesetze und Verordnungen zugreifen kann. Die "RIS"-App zählte im August 2012 sogar zu den beliebtesten Apps im österreichischen iTunes-Store. Auch das Rechtsinformationssystem RIS gibt es bereits seit 1997. Es verzeichnet durchschnittlich 100 Millionen Dokumentenzugriffe pro Monat.

Der Fokus soll auch 2013 verstärkt auf die mobile Nutzung von Inhalten gesetzt werden. Derzeit arbeitet das Team von help.gv.at an einer eigenen App für Schwangere, die "HELP4Baby"-App. Diese soll als virtueller Mutter-Kind-Pass fungieren und die Amtswege der werdenden Mütter vor und nach der Geburt erleichtern. Zudem ist eine eigene Web-App für Studierende in Planung, sowie eine Anwendung, die über aktuelle Angebote von staatlichen Kultureinrichtungen informieren will.

Push-Services fürs Handy geplant
sei zudem dabei, nicht nur "One-Stop"-Lösungen zu forcieren, sondern auch "Gar-Kein-Stop"-Lösungen, so Matzka. Gemeint ist damit, dass man z.B. bestimmten Bereichen Prozesse so effizient macht, dass der Bürger praktisch nichts mehr machen muss. Roland Ledinger, Bereichsleiter der IKT-Strategie des Bunes, erwähnt hier beispielsweise die Umstellung bei der Schülerfreifahrt. Statt einer mühsamen Beantragung per Formular muss man jetzt nur noch ein Pickerl in den Schülerausweis kleben, erzählt Ledinger, der auch auf den Wettbewerb "apps4austria" verweist, bei dem Softwareentwickler, Studierende und Unternehmen kreative Ideen einbringen können.

Geplant seien künftig auch Push-Services fürs Handy, um Bürger an gewisse Umstellungen bei neuen Gesetzeslagen zu erinnern, erzählt Matzka auf Anfrage der futurezone. "Mehr Fantasien für die Zukunft haben wir noch nicht. Aber eines steht fest: Die Zuständigkeitsgrenzen werden weiter aufgehoben, wenn die Verwaltungsentwicklung voran schreitet."

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