Netzpolitik
29.08.2018

Was Österreich sich vom E-Government erwartet

Das Finanzamt hat die meisten Online-Kunden. Bürger fühlen sich über Angebote schlecht informiert.

Aus einer repräsentativen Umfrage der Consulting-Firma EY geht hervor, dass die Online-Abwicklung von Behördengängen in Österreich gut ankommt. 79 Prozent der Befragten haben schon einmal einen Behördenweg online absolviert. Die Menschen fühlen sich über bestehende Angebote aber schlecht informiert, nur 23 Prozent der Befragten sind der Meinung, sehr gut Bescheid zu wissen.

Das zeigt sich auch an den in der Befragung geäußerten Wünschen nach bestimmten Online-Angeboten: Vor allem bei Meldebestätigungen, Namensänderungen, Einsicht in die Pensionskonten und KFZ-An- und Abmeldungen werden Online-Abwicklungsmöglichkeiten gefordert. Dabei sind einige dieser Behördenwege bereits online möglich. Das Anfordern von Meldebestätigungen und die Einsicht ins Pensionskonto können im Netz erledigt werden.

34 Prozent haben Handy-Signatur

Vier von zehn Österreichern und Österreicherinnen haben Zugang zu E-Government-Angeboten über eine digitale Signatur, 34 Prozent verfügen über eine Handy-Signatur und sieben Prozent über eine Signaturkarte. Das meistgenutzte Online-Angebot ist das Erstellen der Steuererklärung über das Portal Finanz Online. 79 Prozent der Befragten regeln ihre Finanzamtangelegenheiten bevorzugt online.

50 Prozent der Befragten geben an, Behördengänge derzeit vorrangig persönlich abzuwickeln. Ein Drittel erledigt sie großteils online, der Rest nutzt beide Möglichkeiten in etwa in gleichem Ausmaß. Zwei Drittel der Österreicher und Österreicherinnen können sich vorstellen, den Kontakt mit den Institutionen ausschließlich über das Internet zu pflegen, 43 Prozent wären auch bereit, Behördenwege via Smartphone abzuwickeln.

Sorge um Sicherheit

Verbesserungen werden vor allem in den Bereichen Reisepass und Wahlen/Petitionen/Volksbegehren gewünscht. Reisepässe können derzeit nur auf den zuständigen Ämtern beantragt werden. Die Unterschrift für Petitionen und Volksbegehren kann online getätigt werden, das Wählen ist in Österreich online nicht möglich. Auf dem Smartphone wären am ehesten das Unterschreiben von Petitionen, Volksbegehren und Bürgerbefragungen sowie das Beantragen von Wahlkarten erwünscht.

Als größten Vorteil der elektronischen Abwicklung sehen die Österreicher und Österreicherinnen die höhere Geschwindigkeit. Der persönliche Kontakt mit Behörden wird hingegen als etwas einfacher empfunden. Die Zufriedenheit mit beiden Arten des Behördenkontakts ist durchaus ausbaufähig, sie lag im eGovernment Monitor 2017 bei 69 Prozent und damit deutlich unter dem Vorjahreswert von 78 Prozent.

Die größten Kritikpunkte an E-Government-Angeboten sind die Sorge um Datensicherheit, geringe Nutzerfreundlichkeit, komplizierte Abläufe, Hürden bei der Registrierung und fehlender Telefonsupport. Ein Viertel der Befragten gibt an, bereits einmal Probleme bei der Online-Abwicklung von Behördenwegen gehabt zu haben.

Das Consutling-Unternehmen EY hat 1002 volljährige Personen in Österreich online zu ihrer Einstellung zu E-Government befragen lassen.