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Überwachung
07/22/2013

Wie die NSA bei Providern auf Daten zugreift

Pete Ashdown, der Geschäftsführer eines kleinen Internet-Providers im US-Bundesstaat Utah, erzählt US-Medien, wie die NSA eines Tages an seine Tür klopfte, um Überwachungshardware in sein System zu integrieren.

Ashdown hat im Jahr 2010 einen "Foreign Intelligence Service Act"-Bescheid zugestellt bekommen, in dem er aufgefordert wurde, den Behörden zu erlauben, einen seiner Kunden zu überwachen, wie buzzfeed berichtet. Zu diesem Zweck musste er die Installation von Überwachungs-Hardware in seinem System zulassen. Eine Knebel-Vereinbarung sollte zudem verhindern, dass Ashdown mit Dritten über die Aktion spricht.

Der Anwalt von Ashdown hat die Aufforderung geprüft und für rechtmäßig befunden, woraufhin sich der Unternehmer genötigt sah, mit den Behörden zu kooperieren. Als nächstes konfrontierten Agenten Ashdown mit einer schriftlichen Aufforderung zur Installation von Hardware in seinem System, die vom Foreign Intelligence Surveillance Court ausgestellt worden war. Ashdown durfte sich lediglich Notizen über die geforderten technischen Installationen machen, das Anfertigung einer Kopie der Aufforderung wurde ihm untersagt.

Harmlose Webseite
"Bei dem zu überwachenden Kunden handelte es sich um eine bestimmte Webseite, die aber völlig harmlos war. Das alles erschien mir absurd", so Ashdown gegenüber buzzfeed. Das Unternehmen musste für die NSA die richtigen Voraussetzungen schaffen, damit ein Überwachungs-PC installiert werden konnte. Zu diesem Computer wurde eine gespiegelte Version des Ethernet-Traffics des zu überwachenden Kunden geleitet.

"Wir hatten eine kleine Box in unserem Serverraum, die den ganzen Traffic dieses Kunden erfasst hat. Alles was er gesendet oder empfangen hat", so Ashdown. Nachfragen von neugierigen Angestellten nach dem neuen Stück Hardware wurden vom Chef mit nichtssagenden Ausreden beantwortet.

Nach neun Monaten wurde das Gerät still und leise wieder abgebaut. Ashdown hat jetzt beschlossen, über die Aktion zu sprechen, weil er sich in seinen Grundrechten verletzt fühlt. Angst vor möglichen Konsequenzen habe er nicht. Laut Ashdown handelt es sich bei seiner Geschichte nicht um einen Einzelfall. Andere Provider seien ebenfalls betroffen und große Firmen, wie Google, würden sogar für den Zugriff auf die Datenströme bezahlt.

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