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Respekt.net
12/14/2011

Zeitspenden per Mausklick

Zettelverteilen, Recherche, Rechtsberatung, Grafikdesign oder Chauffeurdienste. Bei der im vergangenen Jahr gestarteten Projektbörse für zivilgesellschaftliches Engagement, Respekt.net, kann nun neben Geld auch Zeit gespendet werden.

von Patrick Dax

"Wir haben festgestellt, dass es nicht immer Geld ist das fehlt. Es gibt auch einen großen Bedarf an ehrenamtlicher Mitarbeit", sagte Martin Winkler, Präsident des Vereins Respekt.net am Mittwoch bei der Vorstellung der neuen Funktionalität der Online-Börse. Wer seine Zeit für zivilgesellschaftliche Projekte zur Verfügung stellen will, kann dies nach der Registrierung auf der Plattform einfach per Mausklick tun. "Wir wollten das Zeitspenden so niederschwellig wie mögich gestalten", sagte Lena Doppel, Vorstandsmitglied bei dem Verein: "Abgefragt wird nur das Alter. Wer über 18 Jahre alt, kann seine Zeit zur Verfügung stellen."

Privatpersonen oder Initiativen, die ihre zivilgesellschaftlichen Projekte bei der Online-Börse einreichen, können neben dem finanziellen Bedarf auch ihren Bedarf an zeitlicher Unterstützung in mehreren Kategorien auflisten. Das Spektrum reicht von einfachen Hilfstätigkeiten über juristische Beratung und  PR-Tätigkeiten bis hin zum Programmieren und zum Erstellen von Grafiken.

"Leute zusammenbringen"
Zeitspender werden von Projektinitiatoren kontakiert. Details der ehrenamtlichen MItarbeit werden dann untereinander ausgemacht. Bei der Zeitspende handle es sich nicht um einen einklagbaren Vertrag, erläutert Doppel. Für die Online-Börse seien die Zeitspenden auch eine Möglichkeit eine Brücke in die "wirkliche Welt" zu schlagen: "Das Zeitspenden ist auch ein Anker, um Leute zusammenzubringen. Das ist das Schöne daran."

Recherchetätigkeit und juristische Beratung
Ehrenamtliche Mitarbeiter werden derzeit etwa von der Politik-Transparenzdatenbank Meine Abgeordneten gesucht, die unter anderem Bedarf an Recherchetätigkeiten angemeldet hat. Auch der 1. Wiener Protestwanderweg, der Spuren von Zivilcourage über mobile Applikationen und QR-Codes im Wiener Stadtbild sichtbar machen will, sucht Zeitspender. "Wir wollen das mobile Internet nutzen, um aufzuzeigen, welche Veränderungen in der Stadt aufgrund von Protestbewegungen passiert sind", erläuterte Projekt-Initiator Martin Auer: "Ohne  Proteste und Zivilcourage würde es in Wien weder die Arena, noch die Rosa Lila Villa geben." Neben finanzieller Unterstützung für sein Projekt sucht er nun Grafiker oder Juristen, die die Initiative bei rechtlichen Fragen unterstützen.

Bedarf gegeben
Insgesamt kann derzeit bei fünf Projekten auf der Online-Börse Zeit gespendet werden. Respekt.net-Präsident  Winkler rechnet damit, dass mittelfristig die Hälfte dereingereichten Projekte auch auf ehrenamtliche Mitarbeiter zurückgreifen wird.

60 von 200 eingereichten Projekten konnten seit dem Start der Plattform Ende vergangenen Jahres bereits durch Spenden und Investitionen der Community finanziert werden. 30 Projekte sind im Moment auf der Suche nach Unterstützung. Insgesamt sammelte die Online-Börse, die zivilgesellschaftliche Projekte mit Geldgebern vernetzt, bereits mehr 190.000 Euro.

Für die Zukunft ist Winkler zuversichtlich. Laut einer Umfrage unter 1000 Österreichern, die der Initiative vom vom Marktforscher Meinungsraum geschenkt wurde, würden sich 43 Prozent der Befragten stärker engagieren, wenn ihnen erleichtert werde, ihr Engagement anzubringen. "Viele Leute wollen sich nicht mehr klassischen Strukturen wie Vereinen oder Parteien anschließen", meinte Winkler: "Sie wollen Projekte unterstützen."

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