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04.05.2017

Acer Swift 7 im Test: Dünnster Laptop der Welt im Goldrausch

Das Acer Swift 7 will eine Windows-Alternative zu Apples MacBook sein. Für die dünne Bauform und das niedrige Gewicht müssen Kompromisse gemacht werden.

Apple hat mit dem MacBook vorgelegt. Das Notebook wurde fast schon kompromisslos reduziert, um eine lange Akkulaufzeit bei möglichst geringem Gewicht (920 Gramm) und Maßen (13,1mm dünn) zu erzielen.

HP setzte für die Windows-Front Mitte 2016 zum Gegenangriff an. Das Spectre Pro 13 G1 ist 10,4mm dünn und wiegt 1,16 Kilogramm. Dem folgt jetzt Acer mit dem Swift 7 (1,1 Kilogramm), das laut dem Hersteller mit 9,98 mm das dünnste Notebook der Welt ist.

Galerie: Acer Swift 7

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Gold und Fett

Wie auch das HP Spectre setzt das Swift 7 (1.299 Euro UVP) beim Design aus eine Mischung aus Schwarz und Gold. Obwohl beim Swift 7 das gesamte Gehäuse rund um die Tastatur, inklusive Touchpad, goldfarben ist, sieht es nicht so protzig wie beim HP Spectre aus. Das liegt unter anderem daran, dass das goldene Aluminium eher matt und nicht glänzend ist.

Die Gehäuse-Außenseiten sind Samtschwarz, eine schöne Mischung aus Matt und glänzend. Leider ist die Oberfläche ein wahrer Fingerabdruckmagnet, was das edle Swift 7 schon nach einmal Display aufklappen speckig aussehen lässt.

Das übrige Design ist schnörkellos, mit klaren Linien: Effizient, ohne langweilig zu wirken. Optisch hätte es dem Swift 7 gutgetan, wenn die Ränder um das Display und damit auch um die Tastatur schmäler wären und so die Gesamtgröße noch reduziert worden wäre. Acer versucht den nicht genutzten Platz mit einem übergroßen Touchpad zu kaschieren.

Aluminiumgehäuse

Das Gehäuse besteht aus Aluminium, was dem Notebook, trotz der dünnen Bauweise, Stabilität verleihen soll. Der Displaydeckel lässt sich aber dennoch ohne Kraftaufwand ein wenig eindrücken und biegen. Nach dem ersten Nachgeben folgt aber ein deutlicher Widerstand. Diese Stabilität kommt hier nicht unbedingt von der Aluminium-Rückseite, sondern vom Displayglas, das aus Gorilla Glass besteht.

Beim Unterteil des Notebooks ist es ähnlich. Das Aluminiumgehäuse der Tastatur gibt etwas nach, bevor man auf starken Widerstand stößt. Am meisten gibt das Gehäuse zwischen Leertaste und Touchpad nach. Beim Tippen geben Gehäuse und Tastatur nicht nach – solange nicht hasserfüllte Rage-E-Mails in die Tasten geprügelt werden.

Sehr gut sind die Displayscharniere. Zwar kann das Display nicht auf 180 Grad gekippt werden, dafür sind die Scharniere aber schwergängig genug, dass das Display nicht beim Tippen oder anderen Erschütterungen lange nachschwingt. Das kann sonst ein echtes Problem sein, wenn man am Mobile World Congress Schulter an Schulter im Press Center mit Journalisten sitzt, die entweder ihr Restless-Leg-Syndrom nicht in den Griff bekommen, oder in die Tasten ihres Notebooks hauen, als würden sie eine rostige Schreibmaschine nutzen.

FullHD-Display

Das Display ist für mich einer der größten Kritikpunkte am Swift 7. Nicht, weil es besonders schlecht ist, aber weil es ein Kompromiss ist. Aufgrund der Spezifikationen und Bauweise ist das Swift 7 eindeutig für den mobilen Einsatz gedacht – für Menschen, die viel unterwegs sind und nicht als Desktop-Ersatz. Wer viel unterwegs ist wird auch bei schwierigen Lichtverhältnissen arbeiten müssen. Dafür ist ein glänzendes Display nicht optimal.

Wenn das Display ein Touchscreen wäre, wäre das spiegelnde Glas zwar immer noch nicht gut, aber zumindest einigermaßen verständlich. Auch die FullHD-Auflösung ist für ein Premium-Notebook mit 13,3 Zoll nicht unbedingt zeitgemäß. Zwar reduziert die niedrigere Auflösung den Akkuverbrauch, allerdings bemerkt man die Treppchenbildung bei Schriften, besonders wenn man bereits vergleichbare Geräte mit der Auflösung 2.560 x 1.440 Pixel oder 3200 x 1800 Pixel getestet hat.

Die maximale Helligkeit reicht aus, um trotz spiegelndem Display noch bei starkem Sonnenschein zu arbeiten. Ein wenig heller hätte es aber noch sein können. „Ein wenig mehr“ hätte ich auch gerne bei der Farbdarstellung gehabt. Diese ist neutral mit leichter Tendenz zu blass, was für ein glänzendes Display ungewohnt ist. Dafür sind aber die Betrachtungswinkel und der Schwarzwert sehr gut.

Tastatur und Touchpad

Obwohl die Tasten sehr flach sind, lässt es sich gut und flott darauf tippen. Etwas knackiger hätte der Anschlag sein können, das Tippen von langen Texten war für mich dennoch kein Problem. Ein Vorteil: Die Tasten sind durch den niedrigen Hub angenehm leise.

Die Tasten sind nicht beleuchtet. Bei einem Desktop-Ersatz wäre das kein allzu großes Problem. Aber ein Notebook, das aufgrund der dünnen Maße und des niedrigen Gewichts als Arbeitsgerät überall hin mitgenommen werden will, sollte auch in dunklen Mehrzweckhallen bei Präsentationen von Smartphone-Herstellern noch gut bedienbar sein.

Das Touchpad ist sehr breit, was die Eingabe mit Fingergesten erleichtert. Es ist angenehm gleitfreudig, der Rechtsklick ist aber etwas streng. Die Handballenerkennung funktioniert gut genug, dass es trotz Touchpad-Überbreite nicht zu unabsichtlichen Cursorbedienungen beim Tippen kommt.

Anschlüsse und Leistung

Das Swift 7 hat zwei USB-C-Anschlüsse, über die es auch mit Strom versorgt wird. Im Lieferumfang ist ein USB-C-auf-USB-A-Adapter vorhanden. Wer eine SD-Karte oder ein HDMI-Kabel anschließen will, benötigt entsprechende Adapter.

Das Swift 7 setzt auf eine Intel i5-7Y54 CPU. Der Vorteil dabei ist die passive Kühlung, die eine dünnere Bauweise ermöglicht. Da es keinen aktiven Lüfter gibt, gibt es auch keine störenden Surrgeräusche im Betrieb. Das heißt aber nicht, dass keine Wärme entsteht. Unter dem Bildschirm an der Gehäuseunterseite ist der Hotspot. Liegt das Notebook beim Tippen auf den Oberschenkeln, spürt man die Wärme zwar durch die Hose, unangenehm heiß ist es aber nicht.

Der Arbeitsspeicher ist 8 GB groß, die SSD 256 GB. Für das mobile Arbeiten und Office-Anwendungen ist die Leistung ausreichend, auch die üblichen zehn bis 15 Browser-Tabs in Firefox und Chrome gleichzeitig steckt das Swift 7 weg. Für das flotte Rendern längerer Videos fehlt die Rechenpower. Die Bearbeitung von Fotos im JPG-Format sind kein Problem, die Batch-Verarbeitung von RAW-Fotos kann schon eine Weile dauern. Wer unterwegs spielen will, sollte sich eher an Retro-Indie-Games halten. Selbst ältere 3D-Spiele laufen mit der Onboard-Grafiklösung Intel HD 615 nicht flüssig.

Der Akku hielt im Arbeitsalltag durchschnittlich sieben Stunden. Mit Disziplin und zusätzlich reduzierter Displayhelligkeit sind knapp über acht Stunden möglich.

Fazit

Das Swift 7 versucht Designerstück und Arbeitsgerät in einem zu sein. Den ersten Punkt erfüllt es voll und ganz. Das schlanke Notebook mit den goldenen Akzenten zieht Blicke auf sich – während dem Mobile World Congress wurde ich öfters von Kollegen darauf angesprochen. Aber auch ohne Zuspruch gefällt das Swift 7, dank der schlanken Linie gepaart mit dem Aluminium-Gehäuse. Sogar an die Goldfarbe gewöhnt man sich nach ein paar Tagen.

Als Arbeitsgerät ist das Swift 7 zwar geeignet, aber nicht ohne Kompromisse. Das glänzende Display stört etwas und die Auflösung sollte höher sein. Die Leistung beschränkt das Swift 7 hauptsächlich auf Office-Tätigkeiten, für das Rendern von Videos braucht man viel Geduld.

Technische Daten auf der Website des Herstellers