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Spiele-Test
11/13/2011

Battlefield 3: Mehr Spaß für Mehrspieler

EAs Kriegsspiel kann die meisten Erwartungen erfüllen und liefert einen grandiosen, aber leicht verbuggten Mehrspieler-Modus ab, der hält, was im Vorfeld versprochen wurde. Die Einzelspieler-Kampagne ist allerdings genauso verzichtbar, wie es zu erwarten war. Die futurezone hat den potenziellen Multiplayer-Shooter des Jahres getestet.

von Gregor Gruber

Trotz Origin-Zwang, Spyware-Vorwürfen und PETA-Beschwerden (im Story-Modus wird eine Ratte gemessert), gehört Battlefield 3 (PC, PS3, Xbox360) zu den Game-Highlights des Jahres 2011. Allerdings gilt das nur für den Multiplayer-Modus. Die Einzelspielerkampagne dient nicht einmal zum Aufwärmen für den Mehrspieler-Modus, da sie sich komplett anders spielt.

Die Geschichte wird aus der Sicht einen US-Soldaten erzählt, beinhaltet die üblichen Grausamkeiten, den russischen Geheimdienst und Massenvernichtungswaffen. Im Stil der Call-of-Duty-Reihe läuft man durch die Levels und erschießt alles, was nach Gegner aussieht. Dazwischen gibt es Quicktime-Events – eine Unart, die schon bei Konsolenspielen nervig ist und am PC eigentlich nichts verloren hat. Hat man Tasten umbelegt (ja, es gibt noch Cursor-Tasten-Spieler auf dieser Welt), sind die Quicktime-Events besonders lästig, da man Umgreifen muss. Wer auf den etwa sechs Stunden dauernden Einzelspieler-Modus verzichtet, hat nichts verpasst.

Der Coop-Modus ist zumindest etwas interessanter. In sechs Levels kämpfen zwei Spieler zusammen als Kampfhubschrauber-Crew, schleichen sich an Ziele heran oder sind ein Scharfschützen-Team. Auch das ist schnell erledigt, wird aber einige Spieler eine Weile beschäftigen. Denn mit den Punkten, die im Coop-Modus erspielt werden, werden für den Multiplayer-Modus neue Waffen freigeschaltet.

Mehrspieler-Modus
Das Dach stürzt ein und aus dem Loch einer Mauer sieht man einen verbündeten Jet in eine Tankstelle stürzen, während man versucht mit Dauerfeuer die Gegner bei der Flagge solange zu beschäftigen, bis die eigenen Squad-Mitglieder sie von hinten flankieren können: Das ist Battlefield 3. Wenn man einmal in die Schlachten mit bis zu 64 Spielern hineingekippt ist (PS3 und Xbox360: 24), sieht man gerne über den missglückten Story-Modus und den kurzen Coop-Modus hinweg.

Battlefield 3 unterscheidet sich von Battlefield 2 in mehreren Punkten. Nur weil man den Vorgänger gespielt hat, ist man nicht automatisch gut in BF3 – hier Bedarf es einer Umstellungsphase. Alles ist ein wenig schneller und die Karten sind weniger weitläufig. Sie sind zwar noch immer groß, aber konzentrierter – die Action verläuft sich nicht mehr so leicht wie in BF2. Das ist gut, wenn man schnelle Action will aber schlecht, wenn man sich in BF2 gerne auf Umwegen an die Ziele herangeschlichen hat. Ein weiteres Indiz für die höhere Geschwindigkeit sind die neuen Modi. Bei Rush muss ein Team innerhalb eines Zeitlimits einen Punkt nach dem anderen einnehmen, während das andere Team verteidigt. Auch die bekannten Modi Team- und Squad-Deathmatch sind jetzt in BF3 dabei (und wären in BF2 undenkbar gewesen).

Trümmerhaufen
Fast alle Gebäude in den Mehrspieler-Karten sind zerstörbar und wenn nicht, können zumindest Löcher in Wände gesprengt werden. Das ist nicht nur eine grafische Ausbesserung, sondern schafft auch neue, taktische Möglichkeiten. Der Gegner blockiert den Eingang der Lagerhalle? Dann geht man eben zur Seite rein. Da gibt es zwar keine Tür, aber nach einem gezielten Raketenwerferschuss ein schönes Loch in der Wand, das perfekt ist um dem Feind in den Rücken zu fallen.

Damit die zerstörbare Umgebung auch zur Geltung kommt, gibt es jetzt deutlich mehr Gebäude in den Mehrspieler-Karten. Taktische Ziele zum Zerstören, wie etwa Brücken, gibt es nicht. Durch die verwinkelten Karten ist es jetzt auch gefährlicher für Panzer geworden, da sich Infanterie mit Raketenwerfern leichter in Trümmern verstecken kann. Andererseits ist man jetzt als Soldat aber auch nicht mehr in Räumen sicher, da die Wände eingeschossen oder das ganze Haus zum Einsturz gebracht werden kann.

Freischaltungen
Wie für einen modernen Shooter üblich, werden durch erspielte Punkte Waffen, Waffen-Zubehör, Ausrüstung und Spezialisierungen freigeschaltet. Bei BF3 gilt das aber nicht nur für die Infanterie, sondern auch für Fahr- und Flugzeuge. Die Freischaltungen gibt es auf mehreren Ebenen. Ein Aufstieg im Rang schaltet Uniformfarben frei, Pistolen, Schrotflinten und Maschinenpistolen für alle Klassen.

Ein Aufstieg in einer der vier Infanterie-Klassen schaltet nur für die jeweilige Klasse eine neue Waffe oder einen Ausrüstungsgegenstand frei. Auch bei den Fahr- und Flugzeugen wird je nach Panzer, Hubschrauber oder Jet Zubehör, wie eine bessere Panzerung oder gelenkte Raketen, freigeschaltet. Die letzte Ebene ist bei den Infanteriewaffen. Bei einer bestimmten Anzahl von abgeschossenen Gegnern wird Waffenzubehör, wie Griffe, Zielfernrohre, Schalldämpfer, Zweibeine, Lichter und Laservisiere, verfügbar.

Mix and Match
Die Ausrüstung des eigenen Soldaten und von Fahrzeugen kann mit Spezialisierungen, Waffen und Zubehör auch während der Runde vorgenommen werden – solange man tot ist. Dadurch kann die Ausrüstung an verschiedene Situationen angepasst werden. Natürlich nur, wenn man die Ausrüstung freigeschaltet hat. Deshalb kann BF3 anfangs frustrierend sein. Wenn Gegner bereits mit Infrarot-Visieren und deutlich besseren Waffen irgendwo hinter Büschen oder Rauch liegen, hat man mit dem Start-Setup nur wenig Chancen, den Feind überhaupt zu sehen, bevor er einen tötet.

Ähnlich ist es mit Fahrzeugen. Steigt man zum ersten Mal in ein Flugzeug, hat man nur das Bord-MG, während andere Spieler bereits mit komplett aufgerüsteten Maschinen ihre Runden drehen. So kann man natürlich auch selber nur schwer bessere Gegenstände freischalten, da man ein leichtes Ziel ist und noch nicht einmal Täuschkörper hat, um Raketen zu entkommen. Auch Panzer können mit Upgrades so stabil gemacht werden, dass man mit dem Standard-Raketenwerfer nahezu chancenlos ist.

Gemeinsam stark
Spaß macht BF3 trotzdem, vor allem wenn man mit Freunden einen Squad bildet. Der Battlelog (eine Website im Browser) zeigt die Freunde an, die gerade online sind. Per Party-Join kann die gesamte Gruppe auf einem Server einsteigen, eine deutliche Verbesserung zu BF2. Ist man im selben Clan, wird man auch nach Möglichkeit gleich in den selben Squad gesteckt.

Spieler können beim Squadleader oder dem letzten Überlebenden im Squad starten, anstatt bei einer eroberten Flagge. Punkte zählen mehr, wenn man im Squad agiert. Heilt man einen Spieler im Squad oder gibt ihm Munition, gibt das mehr Punkte, als wenn ein anderer Spieler im Team versorgt wird.

Klassengesellschaft
Damit ein Squad wirklich gut funktioniert, sollten auch die Klassen aufeinander abgestimmt sein. Es gibt vier Klassen: Assault, Engineer, Support und Aufklärer. Der Assault hat Medikits dabei und als Freischaltung einen Defibrillator, um kürzlich gefallene Kameraden wieder zurück zu den Lebenden zu holen. Sehr positiv: Die Wiederbelebung kann diesmal abgelehnt werden, wodurch ein lästiges Problem von BF2, bei dem Medics aus Punktegeilheit Spieler an einer Stelle immer wieder wiederbeleben, obwohl sie dort sofort erschossen werden, behoben wird.

Der Engineer kann Fahrzeuge reparieren und mit einem Raketenwerfer und später einer Boden-Luft-Rakete Fahr- und Flugzeuge bekämpfen. Der Support hat Waffen mit großen Magazinen dabei, um mit Sperrfeuer Gegner zu unterdrücken. Wird man unterdrückt, verschwimmt das Bild und die Schüsse werden ungenauer. Unterdrücken funktioniert nahezu mit jeder Waffe, durch die großen Magazine des Supports kann dieser aber länger den Feind unterdrücken als andere Klassen. Der Support hat außerdem Munitionspäckchen dabei und kann später einen Mörser freischalten. Dieser ist quasi die abgeschwächte Version des Artillerieschlags von BF2. Der Aufklärer ist die Scharfschützenklasse von BF3. Er kann mobile Startpunkte platzieren und später eine Kamera, mit der Ziele für Lenkwaffen markiert werden können.

Bugs
Trotz der Open-Beta-Phase von Battlefield 3 haben es noch einige Bugs in das Spiel geschafft. Besonders die Grafik-Engine und die zerstörbare Umgebung sorgen für gelegentliche Fehler, wie herumschwebende Objekte oder Körperteile, die durch Wände hindurchstehen. Lästig ist der Grafikfehler, durch den gelegentlich der Bildschirm grün aufflimmert (PC). Auch der In-Voice-Chat ist derzeit kaum zu gebrauchen, hier sollte man externe Programme verwenden, um mit seinen Freunden zu kommunizieren.

Manchmal gibt es auch Probleme mit der Kollisionsabfrage. So kann man schon mal sterben, wenn man auf eine Kante springt oder ein Objekt, obwohl dieses nicht höher als einen Meter ist. Fährt man im Schlauchboot auf der letzten Position mit, sollte man nicht hinter sich ins Wasser schießen. Denn obwohl man nur Wasser sieht, trifft man den Fahrer. Wenig schön sind auch diverse Punkte-Glitches, mit denen manche Spieler pro Runde über 30.000 Punkte erzielen können, ohne, einen einzigen Gegner besiegt zu haben. An Patches wird aber bereits gearbeitet, die die gröbsten (und später hoffentlich auch die kleineren) Fehler beheben sollten.

Fazit
Battlefield 3 ist der derzeit beste Multiplayer-Shooter auf dem PC. BF3 im Mehrspieler-Modus ist abwechslungsreicher und unterhaltsamer als Call of Duty Modern Warfare 2 oder Black Ops. Auch auf der Konsole ist der Multiplayer-Part gut, aber da er nur maximal 24 Spieler anstatt von 64 unterstützt, sollte man zur PC-Variante greifen, wenn der Rechner zumindest die Anforderungen für die mittleren Grafikeinstellungen erfüllt.

Ist man ein reiner Einzelspieler, wird man mit BF3 keinesfalls glücklich werden. In diesem Fall sollte man eher zu Modern Warfare 3 oder gleich einem anderen Genre greifen, das mehr bietet als 6 bis 8 Stunden gescriptete Korridor-Ballereien.

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