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09/16/2011

„Billy“ will keine Bücher mehr

IKEA designt sein populäres Bücherregal "Billy" um und passt es an den durch Technologie veränderten Lebenstil an. Die futurezone hat nachgefragt, wie sich Bücher- und CD-Regale unter dem Einfluß von E-Book-Lesegeräten und MP3s verändern.

Wenn jemand Massentrends am Möbelmarkt auslösen kann, dann ist es das Möbelhaus IKEA. Nun wollen die Skandinavier dem populären Bücherregal „Billy“ neben der klassischen Größe ein neues Design verpassen. Die Fächer sollen tiefer werden und „mehr Flexibilität bieten“. Die neuen Maße von Billy bieten nicht nur mehr Platz, sondern auch Raum für Spekulationen. Wird durch die zunehmende Digitalisierung von Schrift und Musik das Bücherregal zur Abstellfläche für Nippes aller Art? E-Book-Lesegeräte und MP3-Player brauchen keine Regale, sondern passen in nahezu jede Schreibtischschublade.

Kundenwunsch
IKEA begründet die Anpassung mit Wünschen von Kunden. „Bis jetzt war es relativ schwer, größere Bildbände in einem Billy-Regal unterzubringen. Die neue, tiefere Version macht das einfacher“, sagt eine IKEA-Sprecherin zur futurezone. „Die Kunden haben uns gesagt, dass sie gern auch größere Bücher hineinstellen und herzeigen wollen.“ Wird „Billy“ zur Ausstellungsfläche für Coffee Table Books, also zur Ablage für große Fotobände, die vor allem dekorative Funktionen erfüllen? Dass klassische Bücherregale ihren Zenit überschritten haben, meinen auch andere Händler und Designer.

"Indikator für Veränderungen"
„Der Trend geht weg davon, eine ganze Wand mit einem Bücherregal zu verbauen“, sagt Manfred Warmuth, Marketingleiter bei den Möbelketten Kika und Leiner. Inwieweit das in direktem Zusammenhang mit einer zunehmenden Digitalisierung steht, will Warmuth nicht beurteilen. „Möbel sind aber immer auch ein Indikator für Veränderungen des Lebensstils.“ So seien Möbel zwar der Ausdruck eines gewissen Trends, müssen aber dennoch „technische Erfordernisse erfüllen“. Hightech-Geräte hätten unser Wohnumfeld bereits in den vergangenen Jahren deutlich verändert, so Warmuth: „Wände werden häufig freigehalten, damit man große Flachbildfernseher daran befestigen kann.“

Verkaufsrückgang bei CD-Regalen
„Bei CD-Regalen ist es in den vergangenen Jahren zu einem Verkaufsrückgang gekommen“, sagt Verena Ihring, Möbeldisponentin beim Einrichtungshaus Interio. Der Absatz von Bücherregalen sei jedoch stabil geblieben. Auch Regale, die auf DVD-Größen ausgerichtet sind, seien nach wie vor gefragt.

Keine Veränderung bei den Regalen bemerkt hingegen das Designstudio „Das Möbel“ auf der Wiener Gumpendorfer Straße. Möbelberaterin Margreta Schieszwohl erwartet schon seit Jahren tiefgreifende Änderungen, kann aber bei den klassischen Regalen keine geringere Nachfrage feststellen: „Auch CD-Regale werden nach wie vor gekauft.“ Den Grund dafür vermutet sie in der Zielgruppe des kleinen, exklusiven Geschäfts. Auch wenn sich der Massenmarkt ändert, Bücherregale werden bei dieser sobald nicht aus dem Wohnzimmer verschwinden.