Handlich im Alltag und auf Reisen

© Gregor Gruber

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10/06/2013

Bose QuietComfort 20: Faszinierende Stille im Ohr

Erstmals hat Bose auch In-Ear-Kopfhörer mit Noisecancelling im Programm. Die futurezone hat die rauschunterdrückenden Stöpsel auf Reisen und im Alltag getestet.

Ein kleines braungraues Täschchen, nicht einmal so groß wie ein gängiges Smartphone - darin findet Boses neueste Kreation aus der Kategorie “Noise Cancelling” Platz, das Gewicht der Kopfhörer beschränkt sich auf leichte 44 Gramm. Mit den QuietComfort 20 bzw. QuietComfort 20i (eine spezielle Ausführung, die auf Apple-Geräte zugeschnitten ist), hat der US-Hersteller und Marktführer in dem Segment erstmals rauschunterdrückende In-Ear-Kopfhörer im Programm.

Schon bei der Präsentation im Sommer und einem kurzen Hands-on konnten die Q20 überzeugen, nun hatte die futurezone Gelegenheit, die Bose-Ohrstöpsel auch ausgiebig auf Reisen sowie im Alltag zu testen.

Design

In dem bereits angesprochenen, kleinen Stofftäschen befindet sich der komplette Lieferumfang der Kopfhörer: Ein Steuermodul - wenige Millimeter dick und in der Form an einen überdimensionierten USB-Stick erinnernd - eine Fernbedienung inklusive Mikrofon, ein Clip, die Ohrstöpsel samt Polsterkappen in den Größen M, S und L, und schließlich ein USB-Ladekabel. Farblich wird alles in dem Graubraun des Täschchens gehalten, die polsternden Stöpselaufsätze sind aus halb transparentem, weißlichem Silikon.

Hier findet sich bereits ein ganz großer Vorteil der Q20: Die Größe und der Umfang des kompletten Geräts. Während große Schalenkopfhörer sehr voluminös sind und daher etwa auf Reisen sehr viel Platz in der Tasche fressen, kann man die neuen Bose-In-Ears so gut wie überall hinstecken, selbst in die Jackentasche, und auch das Gewicht macht sich im Gepäck nicht bemerkbar.

Verarbeitung

Auf den ersten Blick wirken die Ohrstöpsel mit den futuristischen Polsteraufsätzen, die nach oben hin einen Haken bilden, vielleicht ein wenig abschreckend. Schließlich denkt man bei In-Ear-Kopfhörern heutzutage in erster Linie an die schlichten, weißen Stöpsel, die mit Apple in den Alltag Einzug gehalten haben, oder eben an die meist in schwarz gehaltenen Durchschnitts-Kopfhörer diverser Anbieter. Die Q20 wirken dagegen etwas klobig. Man freundet sich jedoch schnell mit den polsternden Gummi-Aufsätzen an, immerhin bieten sie zusätliche Schalldämmung, für die ansonsten die Schalen bei On-Ear-Kopfhörern sorgen. Auch der Sitz im Ohr ist angenehm.

Auch wenn die Farbe vermutlich nicht jeden Geschmack trifft, die Verarbeitung sowohl von Ohrstöpsel als auch der restlichen Teile ist, wie man es von Bose erwarten darf, gut. Das Steuermodul, in dem der Lithium-Ionen Akku verbaut ist und an dem die Noise-Cancelling-Funktion an- und ausgeschaltet wird, ist in gummiertes Plastik gepackt. Die kleine Box liegt gut in der Hand und macht einen hochwertigen Eindruck. An der Verarbeitung der Stöpsel selbst gibt es ebenfalls nichts zu meckern, auch das Tauschen der Polsteraufsätze funktioniert problemlos.

Die Rauschunterdrückung

Damit zur wichtigsten Funktion, der Rauschunterdrückung. Rein technisch gesehen wird diese umgesetzt, wie auch sonst bei Noise-Cancelling-Kopfhörern üblich: In dem schmalen Stick sind zwei Mikrofone verbaut, eines misst die Geräusche im Gehörgang, eines jene in der Außenwelt. Darauf basierend wird der Gegenschall errechnet, der dann die Störquellen verschwinden lässt. Setzt man sich die Stöpsel das erste Mal ins Ohr, geschieht noch nicht viel. Die dämmenden Polsteraufsätze nehmen etwas von den Umweltgeräuschen weg, Stimmen wirken dumpfer, sind aber noch immer gut wahrnehmbar.

Der Wow-Effekt tritt in dem Moment ein, in dem man den Knopf auf der Box in Richtung “On” schiebt. Dabei gehen zwei grüne Lichtlein an, eines das die Rauschunterdrückung per se anzeigt, eines, das über den Akkustand Auskunft gibt - gleichzeitig verschwindet scheinbar alles um einen herum als wäre man plötzlich in einer anderen Welt. Selbst ohne irgendwelche Musik laufen zu haben, ist der Effekt beeindruckend. Die Umwelt wird tatsächlich per Knopfdruck ausgeblendet. Stimmen, Geräusche - alles wird fast auf unwirkliche Art auf einmal stumm.

Bose QuietComfort 20

Bose QuietComfort 20

Bose QuietComfort 20

Bose QuietComfort 20

Bose QuietComfort 20

Bose QuietComfort 20

Bose QuietComfort 20

Unterwegs

Das Noise-Cancelling kann locker mit jenem von Boses großen Modellen, wie den QuietComfort 15 mithalten, wenn es nicht sogar besser ist. Auf Reisen erweisen sich die Q20 als ausgesprochen angenehme Begleiter. Im Zuge des Tests durften die Ohrstöpsel mit in den Urlaub nach Japan. Die Akkuladung von offiziell 16 Stunden - in der Praxis kann man etwa ein bis zwei Stunden abziehen - reichte für die Strecke Wien - Tokio mit Zwischenstopp in Istanbul aus. Dabei waren die Q20 sowohl auf der Kurz- als auch Langstrecke mit wenigen Unterbrechungen im Einsatz.

Ein längst überfälliges Plus: Die In-Ears sind anders als bisher bei Bose üblich nun auch mit leerem Akku, dann eben als “normale” Kopfhörer, einsatzfähig. Bei den anderen Modellen war bei leerem Akku bislang immer komplett Schluss, ein großer Nachteil gegenüber anderen Herstellern. Neigt sich der Akku zu Ende beginnt das grüne Lämpchen übrigens zu blinken. Geladen werden kann mittels USB-Kabel, das an dem Steuer-Modul angeschlossen wird, dabei leuchtet das Lämpchen orange.

Der Flugzeuglärm wird von den Kopfhörern sehr gut ausgeblendet, was bleibt sind natürlich spürbare Bewegungen, die das Flugzeug macht, und ein leichtes Hintergrundgeräusch, das aber nicht mehr in den Bereich “störend” fällt. Schlafen ist mit den QC20 sehr einfach möglich. Da die Umweltgeräusche so gut ausgeblendet werden und sich die Stöpsel auch über längere Zeit nicht unangnehm im Ohr anfühlen, gelingt das Einschlafen deutlich besser als ohne Kopfhörer und das Schlafen gestaltet sich unkomplizierter, weil keine störenden Bügel oder klobigen Schalen das Zur-Seite-Legen des Kopfes behindern. Nach einigen Stunden im Ohr drücken aber auch die Q20 und man möchte sie zumindest zwischendurch kurz herausnehmen.

Ähnlich beruhigend wirken die Q20 auf Zugfahrten. Mit rund 300 km/h im Shinkansen durch Japan sausen, erzeugt beinahe das Gefühl von Fliegen. Man beobachtet Menschen und sieht, wie sich ihre Münder bewegen, im Ohr bleibt es jedoch still - abgesehen von der Musik.

Im Alltag

Auch im Alltag machten sich die Q20 im Zuge des Tests durchaus bewährt. Aufgrund der geringen Größe sind die Kopfhörer auch jederzeit mit Smartphone oder iPod zu gebrauchen und lassen sich leicht in einer kleineren Tasche verstauen. Lärm in öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschrei in Geschäften oder auf der Straße werden damit ausgeblendet. Ebenso nützlich erwiesen sie sich im Büro-Alltag. Mit den Q20 im Ohr werden manchmal störende Gespräche der Kollegen, das Telefonklingeln aus dem Nachbarzimmer oder ähnliche Umgebungsgeräusche sehr gut ausgeschaltet. Die Konzentration auf die eigene Arbeit wird merklich gesteigert.

Der Nachteil: Die Stöpsel dämmen so gut, dass man auch das eigene Telefon leicht überhören kann oder nicht bemerkt, wenn Kollegen etwas fragen und nicht direkt im Blickfeld stehen.

Umschaltmodus

Hier kommt eine weitere Funktion der In-Ears ins Spiel, die Mithörtase. Auf der Fernbedienung, die am Kabel angebracht ist, gibt es neben der Lautstärkeregelung, Telefonfunktion und einer Weiterschalttaste auch die Möglichkeit in den “Awareness Mode” zu wechseln. Dabei rückt die Musik etwas in den Hintergrund, die Dämmung wird zurückgenommen und gewisse Geräusche wie menschliche Stimmen kommen wieder deutlich durch. So ist es zum Beispiel möglich, im Zug weiter Musik zu hören und trotzdem mit dem Schaffner zu interagieren oder im Flugzeug mit dem Bordpersonal zu sprechen, ohne dass die Kopfhörer komplett abgenommen werden müssen. Auch ein schnelles Gespräch mit den Bürokollegen kann so geführt werden.

Für längere Unterhaltungen empfiehlt es sich aber trotzdem, die Stöpsel ganz heraus zu nehmen. Weiters ist anzumerken, dass der Umschaltknopf nicht immer auf Anhieb funktionierte und hin und wieder mehrmals gedrückt werden musste, um in die Modi zu wechseln. Ob dies ein generelles Problem oder nur eines der Test-Kopfhörer ist, konnte leider nicht nachgeprüft werden.

Der Sound

Beim Sound bekommt man mit den Q20 in etwa das geliefert, was man von anderen Bose-Kopfhörern kennt. Bass ist wie üblich ausreichend vorhanden, generell gilt: Es gibt in punkto Sound sicherlich Modelle anderer Hersteller, die besser abschneiden, dabei geht es dann jedoch sehr ins Detail. Zu kritisieren wären am ehsten die Mitten. Die Q20 bieten insgesamt einen zufriedenstellenden Sound, der voll und tief ist. Die Urteile fallen in diesem Punkt jedoch auch immer etwas nach persönlichem Geschmack aus.

Was darüber hinaus auffält, ist die Lautstärke. Die In-Ears bringen sehr viel davon mit, man kann den Regler ziemlich weit zurückdrehen und hat immer noch sehr viel Lautstärke. Nach persönlichem Eindruck wirkt sich das auch insgesamt gut auf die Sound-Qualität aus.

Preisfrage

Nach den vielen positiven Erfahrungen mit den Q20 kommt es schließlich zum Haken - dem Preis. 300 Euro sind leider wirklich kein Schnäppchen, daher sollte man sich die Investition wohl gut überlegen. Anders als bei klobigen Schalen-Kopfhörern könnte man aber zumindest das Argument gelten lassen, das Bose schon bei der Präsentation angeführt hat: Die Q20 sollen aufgrund ihrer geringen Größe nicht nur auf Reisen oder zuhause, sondern überall im “Smartphone-Alltag” zum Einsatz kommen.

Fazit

Die neuen Bose-Ohrstöpsel bieten eine sehr gute Schalldämmung, die umso stärker hervorzustreichen ist, da es sich hier um In-Ear-Kopfhörer handelt. Handlichkeit und geringes Gewicht sprechen ebenfalls dafür und auch das Noise Cancelling selbst ist durchwegs überzeugend. Die Kaufentscheidung wird daher in erster Linie am Preis fallen. Wer sich 300-Euro-Kopfhörer leisten kann und will, dem ist jedenfalls zu den Q20 zu raten - vorausgesetzt auch, man ist dem Sound von Bose grundsätzlich zugeneigt.

Reist man viel und hört auch im Alltag gerne und häufig Musik, so ist die Investition mit Sicherheit überlegenswert. Nutzt man Kopfhörer nur ganz sporadisch, so findet sich vermutlich eine günstigere Alternative, die dann auch ausreicht. Auf den Wow-Effekt beim Einschalten der Rauschunterdrückung muss man dann aber verzichten.