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Smartphone-Markt
02/24/2012

"Das iPhone-Interface wird langsam langweilig"

Ein Blick in die Kristallkugel lässt keinen Zweifel: Einfache Handys zum Telefonieren und SMSen haben ausgedient. Marktforschern zufolge soll die Milliardengrenze an verkauften Smartphones spätestens 2015 durchbrochen werden. Im Gespräch mit der futurezone erklärt IDC-Analyst Francisco Jeronimo, warum die Spitzenposition von Android als gesichert gilt und Apple Gefahr läuft, von Microsofts Windows Phone überholt zu werden.

von Martin Stepanek

Der aktuelle Zweikampf zwischen Apples iOS-Universum und Googles Betriebssystem Android wird sich nach Ansicht von Branchenexperten bis 2015 um einen dritten großen Marktplayer erweitern: Microsoft und Windows Phone. "Mit 47 Prozent Marktanteil wird Android im Jahr 2015 zwar die klar dominierende Smartphone-Plattform bleiben", prognostiziert Jeronimo. "Um Rang zwei wird es aus heutiger Sicht aber zwischen Apple und Microsoft ein heftiges Gerangel geben", so der Marktforscher weiter.

Jedes fünfte Gerät ein Windows Phone

Während Apple seinen derzeitigen Marktanteil von 19 Prozent halten werde, rechnen IDC, Gartner und Ovum, dass im Jahr 2015 bereits jedes fünfte Smartphone ein Windows-Gerät sein könnte. Neben der Allianz mit dem ehemaligen Smartphone-Marktführer Nokia mehren sich Anzeichen, dass auch Apple-Rivale Samsung zukünftig stärker auf Windows Phone setzen wird. Mit 37 Millionen verkauften iPhones hat Apple im vierten Quartal 2011 zwar noch einmal alle Rekorde gebrochen. Das ausgezeichnete Ergebnis konnte aber nicht verhindern, dass Apple bereits im Vorjahr Samsung knapp an sich vorbeiziehen lassen musste.

"Spätestens seit der iPhone-4s-Einführung läuft Apple Gefahr, seine frühere Innovationskraft zu verlieren. Das nächste iPhone braucht angesichts der Entwicklungen bei Android und Windows Phone dringend ein neues Interface, denn das jetzige, seit Anbeginn eigentlich unveränderte Konzept, wird den Leuten langsam langweilig", analysiert Jeronimo. Als Pluspunkte könne Apple weiterhin den hervorragend bestückten App Store, die direkte Anbindung an Musik- und Film-Downloads über iTunes sowie das gute Zusammenspiel von Apple-Geräten für sich verbuchen. Dazu komme die Stärke der Marke und die gute Kundenbindung. "Dass Apple über die loyalsten Kunden der gesamten Branche verfügt, ist kein Geheimnis", so Jeronimo.

Preisdruck auf Apple
Bei der Verteidigung seines Marktanteils kommt Apple auch durch den Preisverfall im Smartphone-Segment unter Druck, der laut Ansicht der Marktforscher bis 2015 ungebremst weitergehen werde. Dass Android heute und wohl auch in den kommenden Jahren die unangefochtene Nummer eins bleibt, ist zu einem Gutteil darauf zurückzuführen, dass neben Highend-Modellen von Anfang an mittelpreisige und Einsteiger-Smartphones angeboten wurden. Apple steuerte zumindest im mittelpreisigen Segment bisher recht geschickt dagegen, indem es einfach Vorgängermodelle des iPhones billiger verkaufte.

Bei ihren Vorhersagen, dass Microsoft mit Windows Phone von derzeit knapp zwei Prozent Marktanteil auf 17 bis 20 Prozent im Jahr 2015 kommen soll, ernten die Marktforscher derzeit vielerorts noch Kopfschütteln. Hinter den Kulissen werden dem schlag- und finanzkräftigen Comeback-Versuch von Microsoft im Smartphone-Markt aber gute Erfolgschancen eingeräumt. "Gerade die Netzbetreiber haben großes Interesse daran, dass Microsoft mit Windows Phone erfolgreich ist, um ihre Abhängigkeit von Android und Apple zu verringern. Sie werden den Verkauf in den kommenden Jahren sicherlich ankurbeln", erklärt IDC-Analyst Jeronimo.

Aber auch die führenden Hersteller wie Samsung und HTC sehen in dem Windows-Betriebssystem die Chance, sich nicht auf Gedeih und Verderb Googles Android ausliefern zu müssen, zumal der Konzern mit der Übernahme von Motorola künftig noch aktiver im Markt mitmischen wird.

Windows 8 als Wendepunkt
Als Wendepunkt für Microsoft könnte sich auch das noch heuer erwartete Betriebssystem Windows 8 erweisen, das eine radikal veränderte Benutzeroberfläche verspricht und PCs, Notebooks, Tablets, Smartphones bis hin zur Xbox zusammenwachsen lässt. Der Austausch von Programmen und Dateien, aber auch das Abspielen von Musik und Videos soll dann unkomplizierter als bisher möglich sein, zumal Microsoft alles daransetzen wird, mit seinen existierenden Web- und Cloud-Services zu punkten.

All diese rational nachvollziehbaren Argumente würden naturgemäß nichts nützen, wenn die Kunden nicht auf den Zug aufspringen, sieht Jeronimo die Prognosen keineswegs in Stein gemeißelt. Ein großes Fragezeichen steht derzeit etwa auch über BlackBerry-Hersteller Research In Motion (RIM), dem die Marktforscher im Jahr 2015 aus heutiger Sicht ebenfalls noch einen Marktanteil zwischen zehn und 15 Prozent zutrauen. "Mehr Auswahl an leistungsstarken Geräten kommt letztlich immer den Kunden zugute. Und diese haben bekanntlich das letzte Wort, wenn es um den Kauf eines neuen Smartphones geht", so Jeronimo gegenüber der futurezone.