© Gregor Gruber

Tablet Test
03/23/2012

Das neue iPad im Test: Heiß und fetter

Die doppelte Auflösung, mehr Rechenleistung, doppelt so viel RAM und trotzdem genau das Gleiche: Beim neuen iPad muss man die Verbesserung, im wahrsten Sinne des Wortes, mit der Lupe suchen. Warum das Pixel-Upgrade gut, die Hitzewallungen lästig und die minimale Zunahme in der Dicke vernachlässigbar ist, lesen Sie im futurezone-Test.

von Gregor Gruber

Was kann man machen, um dasselbe Produkt derselben Zielgruppe noch mal zu verkaufen? Apple-Gegner würden spotten: „indem man ein ‚s’ hinter den Namen setzt.“ Beim neuen iPad ist es ein bisschen mehr als das. Um seinem iPad 2 den Rücken für das neue iPad zu kehren, muss man schon beruflich auf ein höher auflösendes Display angewiesen oder ein Hardcore-Apple-Fanboy sein. Die futurezone hat das Tablet getestet.

 

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Display
Das neue iPad hat eine Display-Auflösung von 2048x1536 Pixel. Durch die horizontale und vertikale Verdoppelung der Pixel (das iPad 2 hatte 1024x768) ergibt sich eine vier Mal höhere Pixelanzahl. Wie beim „Retina“-Display des iPhone 4S ist es nicht möglich, einzelne Pixel mit dem freien Auge wahrzunehmen. Bei kleinen Schriften sieht man bei manchen Buchstaben den Treppchen-Effekt (Kanten sehen grob/ausgefranst aus), wenn man besonders genau hinschaut. Bei Spielen, auch solchen, die bereits für das neue iPad optimiert sind, sieht man diesen Effekt deutlicher, aber seltener und weniger ausgeprägt als beim iPad 2.

Am meisten punktet das neue iPad bei Texten und hochauflösenden Fotos. Bei der angepassten New York Times-App sind die Schriften deutlich schärfer, auch im Browser und bei den E-Mails fällt es im direkten Vergleich positiv auf. Das Stichwort ist „direkter Vergleich“: Verwendet man nur das neue iPad, ist das Display keine Erleuchtung. Es erfüllt einfach seinen Zweck. Dasselbe gilt aber auch für das iPad 2: Solange man es nicht mit dem neuen iPad vergleicht, fällt die niedrigere Display-Auflösung nicht negativ auf. Selbst wenn man den direkten Vergleich macht, muss man einen Sichtabstand von weniger als 40cm bei den beiden iPads haben, um den Unterschied zu erkennen. Bei nicht für das neue iPad optimierten Apps sind kaum Unterschiede festzustellen.

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iPad als Bilderbuch
Für Fotografen, die ihre hochauflösenden Bilder demonstrieren und mit ihren Werken potenzielle Auftraggeber beeindrucken wollen, ist das neue iPad eine Überlegung wert. Tatsächlich ist die Darstellung von Fotos auf dem neuen iPad hübscher, beim Hineinzoomen sind mehr Details sichtbar.

Das Display des neuen iPad hat einen leichten Rotstich, während es beim iPad 2 eher ins Gelbliche ging. Gleichzeitig ist die Farbsättigung beim neuen iPad höher. Das wirkt sich zwar positiv für den normalen Nutzer aus, da Farben kräftiger und leuchtender erscheinen, könnte aber für Fotografen weniger gut sein. Durch die Übersättigung verlieren die Fotos etwas von ihrer Farbechtheit – aus einer rosa Kirschblüte wird etwa eine pinke.

Handling & Hitze
Keine Verbesserung gibt es beim Spiegelverhalten: Das neue iPad reflektiert das Sonnenlicht nach wie vor sehr stark, was eine Nutzung bei direktem Sonnenlichteinfall fast unmöglich macht. Auch die üblichen Fingerschmierer feiern ein Comeback.

Die 0,6mm, die das neue iPad dicker ist als das iPad 2, fallen nicht weiter auf. Die 50 Gramm zusätzliches Gewicht machen sich im direkten Vergleich aber unangenehm bemerkbar.

Durch den stärkeren Prozessor und Grafikchip entwickelt das neue iPad mehr Hitze. Nach einer halben Stunde Infinity Blade II (WLAN ein, Display auf höchste Helligkeit) war der Temperaturunterschied zwischen neuem iPad und iPad 2 bis zu neun Grad – gemessen wurde mit der professionellen Wärmebildkamera Testo 890. An der heißesten Stelle war das neue iPad an der Rückseite 44,6 Grad und an der Vorderseite 45,8 Grad warm. Beim iPad 2 waren es 37,7 und 36,6 Grad. Durch die höheren Temperaturen ist das neue iPad bei längerer Nutzung unangenehmer zu halten als das iPad 2.

Der Test als Video:

Leistung und Akku
Die schnellere A5X-Dual-Core-CPU, der Vierkern-Grafikchip und die 1GB RAM (512MB beim iPad 2) werden hauptsächlich benötigt, um das höherauflösende Display mit der entsprechenden Datenmenge zu versorgen. Im direkten Vergleich laden Apps beim neuen iPad um etwa eine halbe Sekunde schneller, ein tatsächlicher Leistungsschub ist nicht zu bemerken.

Auch der wesentlich größere Akku wurde von Apple nicht verbaut, um die Laufzeit zu erhöhen, sondern um mit dem größeren Verbrauch des neuen Displays fertig zu werden. Das gelingt nur bedingt. Nutzt man Apps, die nicht für das neue iPad optimiert wurden, surft im Web oder sieht sich auf dem iPad gespeicherte HD-Videos an, ist die Akkulaufzeit genauso lange wie beim iPad 2 – was mit acht bis zehn Stunden immer noch zu den Spitzenwerten unter den Tablets gehört. Nutzt man das Display aber auf der höchsten Helligkeitsstufe und eine für das neue iPad optimierte, sprich höher auflösende App, gehen die Energiereserven deutlich schneller zur Neige. Bei Infinity Blade II Real Racing 2 HD war nach einer gleich langen Spielzeit der Akku des neuen iPad um 15 bis 20 Prozent leerer als der des iPad 2.

Das neue iPad hat eine Diktierfunktion. Durch einen Druck auf das Mikrofon-Symbol neben der Leertaste auf der virtuellen Tastatur wird die Spracherkennung gestartet. Nachdem man das Diktat beendet hat, drückt man nochmal die Taste. Die Verarbeitung der Spracheingabe geht relativ flott, die Ergebnisse sind nach einer bis eineinhalb Sekunden sichtbar. Die Genauigkeit der Spracheingabe lässt aber zu wünschen übrig – in etwa 30 Prozent der Fälle bekommt man das gewünschte Resultat, in den anderen maximal einen Schmunzeln, aufgrund der von der Software falsch interpretierten Spracheingabe.

Die Empfangsleistung des 4G-Modells, natürlich nur mit 3G-Empfang, entspricht der des iPad 2. Die Geschwindigkeit ist etwas besser, da jetzt auch HSPA+ statt wie beim iPad 2 nur HSPA unterstützt wird.

Kamera
Einer der wenigen, wirklichen Kritikpunkte des iPad 2 war die Kamera. Diese nahm mit 960x720 Pixel auf. Für Augmented-Reality-Apps war das gut genug, für Fotos aber kaum zu gebrauchen. Die 5-Megapixel-Kamera des neuen iPad hat einen Autofokus, Touch-Fokus, Gesichtserkennung und liefert aufgrund einer niedrigen Komprimierung gute Resultate. Die Farben sind kräftig und die Bilder scharf. Nur bei schlechtem Licht gibt es die üblichen Schwächen. Auf einen LED-Blitz und eine HDR-Funktion verzichtet das neue iPad.

Die FullHD-Videoaufnahmen können nicht überzeugen. Die Aufnahmen sehen grieselig aus, einen Follow Focus gibt es nicht und bei Schwenks zieht das Bild nach. Auch der Ton klingt mehr rauschend als berauschend.

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Fazit
Das neue iPad ist, wie schon das iPad 2 zuvor, die Referenz, an der sich alle zukünftig erscheinenden Tablets messen müssen. Das allein rechtfertigt aber die Investition von mindestens 479 Euro nicht, wenn man bereits ein iPad 2 besitzt – außer man will die eigenen Fotos oder selbstgedrehten Videos unbedingt in HD-Qualität betrachten oder herzeigen.

Wer noch kein Tablet hat, wird mit dem neuen iPad glücklich werden. Für Besitzer des iPad 1 zahlt sich der Umstieg nur aus, wenn ihnen ihr Apple-Tablet zu langsam für Spiele und andere aufwendige Apps erscheint oder es aufgrund von Altersschwäche ohnehin schon den Geist aufgibt.

Modell:
Apple iPad

Display:
9,7 Zoll LCD-Display mit 2048x1536 Pixel
Prozessor:
1,GHz A5X Dual Core
RAM:
1GB
Speicher:
16GB bis 64GB, kein MicroSD-Slot
Betriebssystem:
iOS 5.1
Anschlüsse:
3,5mm Klinke, Apple-Stecker
Kamera:
5MP Rückseite, 0,3MP Front
Videos:
1080p Rückkamera, 720p Front
Maße:
241,2x185,7x9,4 mm, 652 Gramm (WLAN)
662 Gramm (WLAN+4G)

Preise:

WLAN:
479 Euro (16GB)
579 Euro (32GB)
679 Euro (64GB)
WLAN+4G:
599 Euro (16GB)
699 Euro (32GB)
799 Euro (64GB)

Farben:

Schwarz, Weiß

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