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Elektromobilität E-Hollandrad im Test: Komfortabel, praktisch, stark.

Gazelle Orange C8 Hybrid M Elektro-Hollandrad
Gazelle Orange C8 Hybrid M Elektro-Hollandrad - Foto: futurezone
Das E-Hollandrad Gazelle Orange C8 Hybrid M beweist im futurezone-Test hohen Komfort, Kraft und viele praktische Details. Ganz billig ist das Vergnügen aber nicht.

Die typischen Fahrräder, die man in den Straßen von Amsterdam oder Den Haag sieht, sind wegen ihrer Qualität, Robustheit und der aufrechten Sitzposition des Fahrers bekannt. Der größte Hersteller dieser "Hollandräder" ist Gazelle, ein Unternehmen, das 300.000 Fahrräder pro Jahr produziert. Das Gazelle Orange C8 Hybrid M soll die Alltagstauglichkeit eines typisch "orangen" Gefährts mit Elektromotor-Unterstützung bereichern. Die futurezone erhielt vom Wiener Fahrradhändler Stadtradler ein Exemplar des E-Hollandrades zum Testen.

Technik

Das Gazelle Orange C8 Hybrid M ist ein 23,3 Kilogramm schweres Fahrrad, das wahlweise mit Oberrohr oder Durchstieg geliefert wird. Im Rahmen unseres Tests wurde die "Damen"-Version mit Durchstieg verwendet. Im üblichen Trekkingrad-Look weist das C8 Hybrid M Reifenschutzbleche und einen Gepäckträger auf.

Die Shimano Nexus 8-Gang-Schaltung ist in der hinteren Radnabe untergebracht. Geschalten wird per Grip-Shift am rechten Griff. Die Kette ist mit Plastik verkleidet. Gebremst wird mit Magura HS11 Hydraulikbremsen. Der Impulse-Elektromotor ist im Tretlager untergebracht. Gesteuert wird dieser mit vier Knöpfen an einem Modul neben dem linken Griff. Ein Display in der Mitte des Lenkers zeigt Geschwindigkeit, Akkustand, Kilometerstand und die gewählte Unterstützungsstufe an.

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Foto: futurezone

Drei Akku-Optionen

Der Akku ist im Gepäckträger untergebracht und wird mit einem Schloss fixiert. Bei der Kapazität gibt es drei Optionen: "Silber" mit 8,6 Ah, "Gold" mit 11,4 Ah und "Platin" mit 13,4 Ah. Mit der Akkuklasse steigt die Reichweite. Wir haben die "Silber"-Option getestet, deren Reichweite bei höchster Unterstützungsstufe mit 50 bis 70 Kilometer angegeben wird. Bei "Gold sind bis zu 90 Kilometer möglich, bei "Platin" bis zu 110.

Das Vorderrad ist mit Federgabel gedämpft, außerdem gibt es eine Dämpfung im Sattelrohr. Sattel und Lenkergriffe sind mit Leder überzogen. Der Lenker kann mit einem Hebel entsichert und in Höhe und Neigung verstellt werden. Das Rad ist mit Vorder- und Hinterlicht ausgestattet. Die Energiezufuhr erfolgt über einen Dynamo, der in der vorderen Radnabe untergebracht ist. Dadurch wird Unabhängigkeit vom Akku gewährleistet.

Zum Parken ist das Rad mit einem Speichenschloss ausgestattet. Eine zusätzliche Metallgliederkette kann als Schlaufe um Radständer geschlungen werden und wird per Clip mit dem Radschloss verbunden.

Praxiserfahrungen

Die Fahrt mit dem Gazelle Orange C8 Hybrid M beginnt mit einem Druck auf ein Ein-Schalter neben dem linken Griff. Das Display wird aktiviert und zeigt für einige Sekunden an, dass kalibriert wird. Nach der Kalibrierung ist der Elektromotor einsatzbereit. Man setzt sich auf den Sattel und tritt in die Pedale. Mit Plus- und Minus-Taste unterhalb des Einschalt-Knopfes kann man die Unterstützungsstufe variieren. Zur Auswahl stehen "Eco", "Sport" und "Power"-Modus.

Im Power-Modus kommt man schnell auf Touren. Mit der Grip-Shift-Schaltung wird vom ersten bis zum achten Gang durchgeschalten. Die Gangwechsel hört man kaum. Im Power-Modus kann man auch schon mal ein paar Gänge überspringen. Der Motor ist stark genug, um das selbst bei Steigungen zuzulassen. Beschleunigt wird bis etwas mehr als 25 km/h. Fährt man schneller, wird man dabei nicht mehr durch den Motor unterstützt. Das Hollandrad lädt zu gemütlicherem Tempo ein.

Wheelie mit dem E-Bike

Wie wir aber bereits beim Test des Elektrorollers Xkuty festgestellt haben, sind 25 km/h absolut ausreichend, um in der Stadt schnell voranzukommen und die meisten anderen Radler zu überholen. Geräusche macht der Motor im Flachen kaum. Wird mehr Kraft benötigt, etwa bei Steigungen, wird der Motor etwas lauter, aber alles im unaufdringlichen Bereich.

Wieviel Saft im Motor steckt, merkt man bei einer Fahrt auf der ehemaligen BMX-Bahn auf der Donauinsel. Das holprige Gras wird zügig durchpflügt. Beim Erklimmen einer Rampe hebt das Vorderrad bei jedem Pedaltritt ein wenig ab.

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Foto: futurezone

Verstellbarer Lenker

Abgesehen von einem kräftigen Antritt bietet das Gazelle Orange C8 Hybrid M eine sehr komfortable Sitzposition. Der Sattel ist gut gepolstert und gefedert. Mit dem Schnellverschluss an der Lenkerstange kann der Lenker in zwei Achsen variiert werden. Dadurch kann man seine Höhe verstellen, ihn näher zum Sattel hin oder von ihm weg ziehen oder nach oben oder unten neigen.

Das Speichenschloss ist eine gute Option, wenn man das Rad nur kurz abstellt, etwa vor einem Geschäft ohne Fahrradständer. Mit einer Handbewegung ist das Hinterrad blockiert. Steht ein Fahrradständer zur Verfügung greift man in Wien besser zur Kette. Die wird um eine Stange geschlungen und mit einem Ende im Schloss eingeklickt. Man zieht den Schlüssel ab und fertig. Am Fahrrad kann die Kette in einer Zusatztasche hinter dem Sitz untergebracht werden.

Weniger sprunghafte Kette

Um den Akku braucht man sich beim Parken keine Sorgen machen. Der Schlüssel für das Hauptschloss sperrt auch das Akkuschloss. Will man den Akku zum Laden entnehmen, zieht man ihn von hinten aus der Halterung. Das Kabel des Ladegeräts ist mit einem Magnet ausgestattet und haftet so am Akku. Wird der Akku nicht vollständig aufgeladen, kann man den Ladestand mit einer Prüftaste und LED-Leiste am Akku überprüfen. In puncto Reichweite gab es beim Testen keine Probleme.

Der Gepäckträger um den Akku ist sehr robust und mit drei straffen Gummizügen ausgestattet. Eine praktische Sache. Kleine Pakete oder sonstige Gegenstände können so schnell am Träger befestigt werden. Die Nabenschaltung macht Kettenwerfer obsolet und ermöglicht, die Kette in einem relativ schlanken Gehäuse unterzubringen. Die Kette soll dadurch auch kaum herausspringen können. Die Ganganzahl wird freilich durch die Methode beschränkt.

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Foto: futurezone

Fazit und Preis

Das Gazelle Orange C8 Hybrid M ist ein durchdachtes E-Bike, das für den Stadtverkehr sehr praktisch erscheint. Der Elektromotor des Hollandrades ist kräftig und geräuscharm. Die Sitzposition ist komfortabel, die Bedienung leicht. Bis auf zwei Gelegenheiten, bei denen der Motor bei Einschaltversuchen nicht sofort reagierte - wahrscheinlich durch Wackelkontakt - konnten wir beim Testen kaum einen Makel feststellen.

Das wahrscheinlich einzige Argument, das Interessierte abschrecken könnte, ist der relativ hohe Preis. In der von uns getesteten Variante kostet das Gazelle C8 Hybrid M bei Stadtradler 2.599 Euro. Wohlgemerkt ist dabei die schwächste der drei Akku-Optionen ("Silber") inkludiert. Mit "Platin"-Akku liegt der Preis um 250 Euro höher. Die "Silber"-Reichweite von mindestens 50 Kilometer bei höchster Unterstützungsstufe reicht für den Stadtverkehr aber wahrscheinlich in den meisten Fällen aus.

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(futurezone) Erstellt am 18.09.2015, 06:00

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