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06.11.2016

"Es ist gar nicht eigenartig mit dem Licht zu sprechen"

Der Philips-Hue-Erfinder George Yianni erzählt, wie er die Idee für das vernetzte Lichtsystem Hue hatte und wann denn nun endlich das Internet of Things abheben wird.

George Yianni ist bei Philips Lighting zuständig für die technologische Entwicklung der Heimsysteme. Beim smarten Lichtsystem Philips Hue (hier im futurezone-Test) war Yianni maßgeblich an der Entstehung des Produkts beteiligt. Im futurezone-Interview erzählt er, was die Herausforderungen bei der Entwicklung von Philips Hue waren, wie er überhaupt auf die Idee gekommen ist, so etwas anzugehen und wann denn nun das Internet of Things abheben wird.

futurezone: Wie bist du auf die Idee gekommen, Philips Hue zu entwickeln?
George Yianni:
Als ich angefangen habe für Philips zu arbeiten, habe ich an Lichtsystemen gearbeitet, die für Schulen, Spitäler oder öffentliche Gebäude konzipiert wurden. Mich hat es damals wirklich frustriert, dass es für private Haushalte keine vernetzten, leistbaren und leicht handhabbaren Lichtsysteme gab. Damit man auch zuhause erleben kann, welchen Mehrwert derartige Lichtsysteme schaffen, habe ich angefangen, so etwas zu entwickeln.

Wie lange hat der Entwicklungsprozess von Philips Hue gedauert?
Ende 2010 haben wir angefangen. 2012 haben wir Hue bereits auf den Markt gebracht.

In weniger als zwei Jahren war Hue also marktreif?
Bei Philips war die notwendige Technik bereits vorhanden. Die Schwierigkeit war diese Technik, die ja für Unternehmen ausgelegt war, so umzusetzen, dass sie jeder Anwender einfach bedienen kann.

Wurde dafür auch Know-How zugekauft?
Entwickelt wurde Hue ausschließlich innerhalb von Philips: Die Software hauptsächlich in Eindhoven in den Niederlanden und die Hardware, also die Lampen, in Shanghai in China.

Was waren die größten Herausforderungen bei der Entwicklung von Hue?
Möglich wurde alles erst durch die LED-Technologie. Wir mussten ja die Hue-LED-Birne von den Maßen her so auslegen, dass sie sich nicht wesentlich von herkömmlichen Glühbirnen unterscheiden. Und da musste alles Platz finden: Sender- und Empfänger-Einheit sowie genügend LEDs, damit die Lichtfarbe gewechselt werden kann. Zu heiß darf eine Hue-LED-Birne auch nicht werden, weil sonst die Funkeinheit nicht mehr reibungslos arbeitet. Gleichzeitig soll die Glühbirne auch noch hell genug leuchten. Es war eine richtige Herausforderung die Balance zwischen all den Aspekten zu finden.

… und dann sollen die Hue-Komponenten noch ähnlich viel kosten, wie normale Leuchtmittel.
Naja, eine Hue-LED kostet gegenüber einer herkömmlichen Glühbirne schon etwas mehr, weil sie ja auch deutlich mehr kann. Dieser Mehrwert muss aber auch sofort erkennbar sein, etwa durch Anpassen der Lichtfarbe, durch die zahlreichen Steuerungsmöglichkeiten oder ähnlichem. Am Ende bleibt das Hue-Leuchtmittel aber immer einfach nur ein Leuchtmittel. Das heißt, wenn ich nur das Licht einschalte, muss die Hue-LED-Birne mindestens genauso gut sein wie eine normale Glühbirne, damit unsere Kunden nicht enttäuscht sind.

Wo siehst du Philips Hue in zehn Jahren?
Hue muss für noch mehr Konsumenten leistbar sein und es muss noch einfacher werden, mit dem Lichtsystem zu interagieren. Es wird vermutlich noch mehr automatisierte Komponenten geben, wie den Bewegungsmelder, den wir erst kürzlich auf der IFA in Berlin vorgestellt haben. Die Nutzer werden dann nicht mehr täglich per Smartphone mit dem Hue-System interagieren. Es wird mehr und mehr Sensoren geben und auch der Sprachsteuerung wird künftig eine weit größere Rolle bei der Bedienung des Hue-Systems zukommen. Normale Lichtschalter wird es aber vermutlich immer noch geben.

Vergangenes Jahr gab es große Aufregung darüber, dass Drittanbieter-Leuchtmittel aus dem Hue-System ausgesperrt werden sollen.
Hue war immer offen. Wir verwenden offene APIs und die Kommunikation unter den einzelnen Komponenten passiert über das Standard-Protokoll ZigBee. Im Gegensatz zu unseren Original-Leuchten gibt es bei Drittanbieter-Leuchten oft keine Software-Aktualisierungen, was sich negativ auf das einwandfreie Funktionieren des gesamten Systems auswirkt. Wir haben aber ein Friends-of-Hue-Programm, bei dem wir andere Hersteller dazu einladen, Hue-kompatible Produkte zu entwickeln, die auch garantiert regelmäßige Software-Updates erhalten, damit sie auch in Zukunft mit Hue funktionieren.

Bei Smart-Home-Anwendungen ist es oft schwierig, dass einzelne Komponenten und Systeme miteinander und untereinander kommunizieren und zusammenarbeiten können. Wie kann in Zukunft garantiert werden, dass sich alle Komponenten verstehen?
Viele Kunden besitzen einzelne smarte Produkte, wie etwa ein vernetztes Home-Entertainment-System oder eben das Licht-System. Um sicherzustellen, dass unser System auch auf anderen Plattformen funktioniert, arbeiten wir permanent mit Partnerunternehmen zusammen. Ein mögliches Lock-In-Syndrom wollen wir auf jeden Fall verhindern. Die Nutzer sollen sich selber aussuchen können, welche Plattform sie über die einzelnen Systeme legen wollen.

Seit Jahren heißt es immer wieder, das Internet of Things wird demnächst abheben. Aber irgendwie passiert das dann nie. Also wann wird es tatsächlich abheben?
Der Begriff "Internet Of Things" ist mittlerweile ziemlich abgedroschen und wird vielfach missverständlich verwendet. Aber ich denke das "Internet Of Things" ist bereits Realität. Das Problem ist, dass einige Unternehmen ihr eigenes Mini-Internet-Of-Things bauen. Das ist genau die falsche Richtung. All diese geschlossenen Systeme müssen offen sein, damit sie auch miteinander kommunizieren können und dadurch wirklich einen Nutzen bringen. Der Erfolg des Internet of Things liegt nämlich genau darin, dass man offene, internetfähige Produkte entwickelt, die über das Netz angesteuert werden können. Es wäre ein Fehler darauf zu warten, dass alle smarten Produkte dieselbe Sprache sprechen und sich daraus das Internet Of Things ergibt. Ein Blick auf das "normale" Internet zeigt doch, dass dies nicht notwendig bzw. gar nicht möglich ist, denn auch hier gibt es viele verschiedene Protokolle und Sprachen. Beim Internet Of Things geht es eben in erster Linie darum, dass sich die verschiedenen Produkte Informationen zusenden, die sie verstehen und verarbeiten können. Denn nur dann ist es möglich nützliche Anwendungen zu entwickeln.

Was ist denn ihrer Meinung nach "The Next Big Thing"?
Ich denke, dass Smart-Home-Anwendungen durch Sprachsteuerung einfacher zugänglich und einfacher bedienbar werden. Seit ich Amazon Echo verwende, brauche ich die Hue-App am Smartphone kaum mehr. Um die Lichter zu dimmen, sag ich einfach: "Alexa, bitte dimme das Licht im Wohnzimmer ein bisschen", was auch mit Apples Siri geht. Und es ist auch gar nicht eigenartig oder komisch solche Sprachbefehle zu geben, es funktioniert einfach großartig. Gerade bei Anwendungen, wie Hue ist das eine ganz natürliche Art und Weise mit dem Produkt zu interagieren.