CATL Chargo
Fahrende Powerbank: Lade-Roboter wird per App zum E-Auto bestellt
Überlegt man als Stadtbewohner ein Elektroauto anzuschaffen, kommt bald die Frage auf: Wo parke ich, wenn ich das Auto laden will? Selbst wenn eine Ladestation in unmittelbarer Nähe ist, dann ist diese vielleicht besetzt oder man muss nach dem Laden das Auto umparken gehen, weil man es dort nicht bis morgen stehen lassen darf.
In China läuft ein Pilotprojekt, das sich genau diesem Problem annimmt. Anstatt, dass der Autofahrer zur Ladestation fährt, fährt die Ladestation zu ihm. Möglich wird das durch einen Lade-Roboter.
Lade-Roboter von Eraergy
© Eraergy
Fahrende Powerbank
Das Pilotprojekt findet in einem Wohnviertel in der chinesischen Stadt Nanning statt, berichtet die Nanning Evening. Das Viertel Linliqiao Jiayuan wurde 2015 errichtet und beinhaltet 4.800 Haushalte. Aktuell gibt es dort über 400 E-Autos und häufige Beschwerden der Bewohner, dass es zu wenig Ladestationen gibt und diese deshalb häufig besetzt sind.
Seit März kann man im Rahmen des Pilotprojekts per App einen Lade-Roboter anfordern, den die Bewohner „fahrende Powerbank“ nennen. Man parkt einfach das Auto, idealerweise ist links oder rechts daneben noch ein Parkplatz frei. Per App wird der Lade-Roboter angefordert. Wenige Minuten später rollt das 1,5 Meter lange Fahrzeug heran und stellt sich neben das Auto. Ist der Parkplatz daneben nicht frei, kann es sich auch der Länge nach vor das E-Auto stellen: Es ist schmal und kurz genug, dass es nicht die Autos links und rechts daneben blockiert.
Lade-Roboter Energy Tank von Eraergy
© Eraergy
Der Ladevorgang dauert, je nach E-Auto, zwischen 45 und 60 Minuten, wenn die Restladung noch 10 Prozent beträgt. Während dem Laden muss man nicht beim Roboter bleiben, aber das Ladekabel muss man selbst an- und abstecken. Das heißt nach dem Ladevorgang muss man nochmal kurz die Wohnung verlassen und zum Parkplatz vor dem Haus gehen, um den Roboter abzuhängen – immer noch bequemer, als das Auto umparken zu müssen, um nicht die Ladesäule zu blockieren. Der Roboter fährt danach zurück zu seiner eigenen Ladestation und wartet auf den nächsten Kundenauftrag.
Billiger als Ladesäulen aufzubauen
Seit Beginn der Testphase werden mit dem Roboter durchschnittlich 15 Ladevorgänge täglich ausgeführt. Über 50 Prozent der Kunden wurden zu Stammkunden und haben das Angebot bereits mehrfach in Anspruch genommen.
Während sich E-Auto-Besitzer über den Komfort des Ladens per Roboter freuen, sind für Kommunen andere Vorteile im Vordergrund: die Kosten. Man erspart das Errichten von Ladesäulen und die dafür benötigte Infrastruktur. Je nach Standort müsste sonst der Asphalt über lange Strecken aufgerissen werden, um die Stromleitungen für die Ladestationen zu verlegen.
Außerdem muss so nicht extra Platz für einen neuen Parkplatz mit Ladestationen geschaffen werden, was speziell bei älteren Wohnvierteln ein Problem sein kann. Auch gehen keine regulären Parkplätze verloren, wenn diese mit Ladesäulen und einer maximalen Parkdauer von z.B. 2 Stunden versehen werden.
Noch nicht vollautonom
Der Lade-Roboter stammt von der chinesischen Firma Eraergy. Er heißt Energy Tank und es gibt ihn mit 3 Akkugrößen: 30 kWh, 100 kWh und 200 kWh. Die maximale Ladeleistung beträgt 120 kW. Derzeit sind die Roboter nur teilautonom und werden noch großteils aus der Zentrale des Unternehmens ferngesteuert. Zukünftig soll der Energy Tank unbetreut autonom fahren.
Neben Wohnvierteln und Kommunen will Eraergy seine Lade-Roboter auch Hotels und Betreibern von Autobahnraststätten schmackhaft machen. Dort könnte man Kunden damit ebenfalls eine Lademöglichkeit bieten, ohne dass teure Ladesäulen errichtet werden müssen.
Neben Eraergy experimentiert auch der chinesische Batteriehersteller CATL mit Lade-Robotern. Der heißt CharGo und wird bereits für Pilotprojekte genutzt. CATL möchte in den nächsten Jahren CharGo in über 100 chinesischen Städten und auch außerhalb von China anbieten.
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