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Retro
11/05/2011

Fotografie: Die Rückkehr des Films

Totgesagte leben länger – auch in der Fotografie trifft dieses Sprichwort zu. Im Wiener Fotolabor Cyberlab ist der Bedarf nach Farbfilmnegativentwicklung seit 2008 wieder um knapp 80 Prozent angestiegen. Wie lange der Trend anhält, ist jedoch fraglich.

von Thomas Prenner

Wandel Digitale Fotografie hat den Massenmarkt nahezu vollständig eingenommen, doch nicht komplett: Liebhaber und Profis greifen nach wie vor zur klassischen Filmrolle. Ihr Anteil ist derzeit sogar am Ansteigen, wie Gerhard Hinterleitner, Geschäftsführer vom Wiener Fotolabor Cyberlab, erklärt: „Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 sind die Entwicklungen von Farbnegativfilm und Kleinbildfilmen um 78 Prozent gestiegen“. Die Filme werden nach wie vor von Herstellern wie Ilford und Agfa produziert. Kodaks legendärer Analogfilm „Portra“ wurde zuletzt erst 2010 überarbeitet und in einer neuen Version präsentiert.

Preiswert
Die Gründe sieht Hinterleitner auf vielen verschiedenen Ebenen: „Einerseits greifen ambitionierte Amateure schnell zur analogen Kamera, da Top-Modelle oft zu einem sehr geringen Preis erhältlich sind“. Auch Profis nutzen immer wieder noch die traditionellen Geräte, „die gehen von ihrer analogen Hasselblad nicht weg“, so Hinterleitner. Bei den Amateuren sind es überwiegend Spaßaufnahmen, die analog geschossen werden. Dabei hat sich die Stilrichtung um die russische Marke „Lomo“ gebildet.

„Lomografie“ beschreibt eine Art der Schnappschussfotografie, wo korrekte Technik in den Hintergrund rückt und Fehler wie Unschärfen als Stilelemente gesehen werden. Entsprechende Lomo-Shops mit Kameras, Filmen und weiterem Zubehör gibt es mittlerweile auf der ganzen Welt. Im Gegensatz zu früher werden analoge Filme heute großteils digital verarbeitet, was sich besonders in den Wünschen der Kunden widerspiegelt. So lässt ein Großteil den entwickelten Film direkt im Labor scannen und erhält die Fotos anschließend in digitaler Form auf CD-Rom. „Traditionelle Kleinbildabzüge macht heutzutage kaum noch jemand.“

Hinterleitner ortet bei vielen Hobby-Fotografen heute eine Art „Digitalfrust“: „Analoge Kleinbildkameras sind den kompakten Digitalen meist um Längen überlegen und das sieht man auf den ersten Blick.“ Aber es gibt noch weitere Gründe, auf klassischem Film zu fotografieren. „Street-Fotografen greifen gern zu analogen Kameras, es ist einfach schnappschussartig.“ Darüber hinaus geht es schnell und man habe nicht die Möglichkeit, immer sofort zu sehen, wie das Bild geworden ist. „Das ist ein zusätzlicher Reiz und spart während dem Fotografieren Zeit.“

Die Zukunft
Dass der derzeitige Aufwärtstrend lange anhält, glaubt Hinterleitner nicht. Aktuell sei nur eine Art letztes Aufbäumen festzustellen. „Man muss sich ja auch vor Augen halten, dass analoge Kleinbildkameras kaum noch produziert werden.“ Auch bei den Filmen lässt sich nicht genau absehen, wie lange es sich für die Hersteller noch rechnet, die Traditionsware zu produzieren. Die letzte professionelle analoge Kleinbild-Spiegelreflexkamera hat Nikon mit der F6 im Jahr 2004 auf den Markt gebracht, „wirklich gebraucht hat die damals schon niemand mehr“, so Hinterleitner.