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06/25/2013

Fünf Google-Reader-Alternativen im Überblick

In wenigen Tagen stellt Google seinen hauseigenen RSS Reader endgültig ein. Was viele User verärgert und zu Protesten motiviert, ist für Anbieter alternative RSS-Reader eine große Chance. Die futurezone stellt die vielversprechendsten kostenlosen Alternativen vor.

Besonders unter technik- und internetbegeisterten Anwendern ist der Google Reader ein beliebter Dienst, um Webseiten über das RSS-Protokoll zu abonnieren und so immer am aktuellsten Nachrichtenstand zu sein. Dementsprechend groß war die Aufregung auf Facebook und Twitter als Google Mitte März angekündigt hat, den Dienst mit 1. Juli zu streichen. Über die Gründe für den Schritt wurde viel spekuliert, Google selbst begründete die Schließung mit sinkenden Nutzerzahlen, lieferte aber keine konkreten Statistiken.

Chance für Konkurrenten
Das Ende des Google Readers hat nicht nur negative Seiten. Alternative Online-RSS-Reader verzeichneten seit der Ankündigung massive Nutzerzuströme. Viele Entwickler nahmen das Ende des Dienstes auch als Ansporn, selbst etwas Neues zu kreieren. Die Fußstapfen, in die jeder Google-Reader-Nachfolger steigen muss, sind groß. Google hat sich mit seinem RSS-Reader eine große Fangemeinde erarbeitet, nicht zuletzt aufgrund des funktionalen Designs und der guten Integration der mobilen Apps. 

Wer den Google Reader nutzt und die Liste seiner RSS-Feeds nicht verlieren möchte, sollte sie spätestens jetzt über Googles Takeout-Funktion herunterladen. Dabei erhält man ein ZIP-Archiv, das auch die Datei subscriptions.xml enthält. Einige der vorgestellten Alternativen nehmen diese Datei an und importieren sie, andere verbinden sich direkt mit dem Google Reader, sofern man sich mit einem Account einloggt. Zweiteres geht natürlich nur, solange der Google Reader auch tatsächlich online ist, also nur mehr bis Ende Juni.

Feedly: Die Mainstream-Alternative

Der 2008 gegründete Dienst Feedly hat von der angekündigten Google-Reader-Schließung bereits enorm profitiert. Seit März hat sich die Zahl der Nutzer von vier auf zwölf Millionen verdreifacht. Die Entwickler haben ihre Chance auch erkannt und zuletzt neue Funktionen integriert, wie etwa die Web-Version, die kein Browser-Plugin benötigt. Bislang war feedly auch von den Google-Reader-Servern abhängig, was sich zuletzt ebenfalls geändert hat und der Dienst eigenständig geworden ist. Das Importieren der Google-Reader-Feeds funktioniert mit wenigen Mausklicks, sofern man gerade in seinem Google-Account eingeloggt ist.

Im Unterschied zum Google Reader setzt Feedly auf ein magazinartigeres Design, das auf Wunsch großen Wert auf Bilder legt, vom User allerdings auch individuell angepasst werden kann. Will man feedly möglichst ähnlich wie Google Reader aussehen lassen, muss man in den Einstellungen als Standardansicht "Titles Only" wählen, was passenderweise mit dem Zusatz "(Google Reader)" gekennzeichnet ist. In der Desktop-Version funktionieren übrigens auch ein Großteil der bekannten Google-Reader-Tastatur-Shortcuts.

In Sachen Apps beschränkt sich Feedly auf die Marktführer iOS und Android, andere Plattformen werden nicht unterstützt. Auch eine mobile Webseite ist derzeit nicht vorhanden.

The Old Reader: Zurück zu den Wurzeln

Der 2012 ins Leben gerufene Dienst The Old Reader orientiert sich an den alten Zeiten von Google Reader und will sich als direkte Alternative präsentieren. Auch dieser Dienst hat seit der Ankündigung der Google-Reader-Schließung massiv Nutzer hinzugewonnen, teilweise mussten Anwender tage- und wochenlang arbeiten, bis die eigenen Feeds erfolgreich importiert wurden. Jene werden über die subscriptions.xml-Datei eingefügt und sind aktuell binnen weniger Minuten im eigenen Account verfügbar. Das Design ist äußerst schlicht, die Funktionalität sehr puristisch. So kann der Reader lediglich mit Facebook und dem Dienst Pocket verbunden werden.

Keine Apps
Die größte Schwäche des Old Readers sind derzeit wohl die fehlende Apps von mobilen Geräten wie Handys und Tablets. Zwar passt sich die Webseite auch an geringere Auflösungen an und ist darum auch auf Smartphones nutz- und lesbar, wirklich schnell funktioniert die Bedienung auf mobilen Geräten allerdings noch nicht. Dieser Umstand sollte sich aber in Zukunft verbessern. Wie im Blog des RSS-Readers zu lesen ist, wird gerade an einer Programmierschnittstelle gearbeitet, um in Zukunft Apps zu ermöglichen.

Commafeed: Nur das Notwendigste

Das Projekt rund um den RSS-Reader Commafeed ist erst im Mai gestartet. Motivation für das Open-Source-Projekt war auch hier die Schließung des Google Reader. Die Plattform wurde vor allem bei Reddit sehr schnell sehr populär und litt in den ersten Tagen aufgrund des Ansturms auch unter Serverproblemen.

Das Importieren der Feeds geht sehr schnell vonstatten, man muss Commafeed wieder nur mit dem Google Reader verbinden. Genauso schnell wie die Feeds da sind, kann man sie auch durchstöbern. Das leichtgewichtige Design sorgt dafür, dass der Dienst gut und schnell reagiert, mindestens so schnell wie das Original.

Während Commafeed am Desktop für Google-Reader-Liebhaber bestimmt eine gute Alternative darstellt, existieren auch hier noch keine Apps für Tablets und Smartphones, jene dürften aber sehr bald nachfolgen.

Reedah

Der Dienst mit dem eigenwilligen Namen setzt ebenfalls stark auf die Synchronisation von Google Reader. Dabei wird nicht nur die Liste an Feeds, sondern auch verknüfte Dienste und Statistiken übertragen. Aus diesem Grund dauert der Import auch wesentlich länger als bei den anderen vorgestellten Diensten.

Wie der Google Reader ist auch das Design von Reedah mehr funktional als hübsch, die Strukturierung erinnert fast schon ein wenig an einen Datei-Explorer. Dennoch ist der Dienst übersichtlich und praktisch. Die Navigation durch die Feeds ist derzeit noch etwas stockend und nicht so flüssig, wie man es gewohnt ist.

Apps und eine mobile Version der Webseite gibt es derzeit nicht.

Pulse Reader: Fokus auf Design

Pulse wurde 2010 gestartet und setzt auf ein modernes Design und auf ein System, das die Artikel automatisch anzuordnet. In der Anfangszeit entstand ein regelrechter Hype um Pulse, nachdem es von Steve Jobs im Rahmen der Entwicklerkonferenz WWDC erwähnt wurden. Kurz danach wurde der Dienst nach einer Beschwerde der New York Times zeitweise aus dem App Store entfernt. Zuletzt wurde Pulse von dem Online-Netzwerk LinkedIn für knapp 100 Millionen Dollar aufgekauft. Heute existiert der Pulse Reader für iOS und Android, wobei jeweils eine Tablet-Variante existiert. Außerdem gibt es eine mobile Version der Webseite, die über jedes Smartphone abgerufen werden kann.

Im Gegensatz zu Feedly und dem Old Reader geht Pulse einen anderen Weg, auch optisch. Die Artikel werden nicht in Listenform, sondern in Kacheln angezeigt. Schriftart und Größe können dabei individuell angepasst werden. Hat man einen Post geöffnet, kann man ihn markieren, oder wahlweise bei verschiedenen sozialen Netzwerken wie LinkedIn, Twitter oder Facebook teilen.

Alternativen

Die Vielzahl an Alternativen zum Google Reader zeigt, dass das RSS-Protokoll noch lange nicht tot ist. Auch in Zukunft wird noch einiges nachkommen. So hat der Social-Bookmarking-Dienst Digg

, einen eigenen RSS-Reader zu veröffentlichen. Auch Internet-Pionier AOL hat einen eigenen Dienst
und sogar Facebook
, an einer entsprechenden Anwendung zu arbeiten. Mehr als Gerüchte sind bislang allerdings noch nicht bekannt. 

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