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05/03/2012

Galaxy SIII: Samsung setzt auf die Apple-Taktik

Heute wird in London das Smartphone Galaxy SIII angekündigt. Samsungs neues Flaggschiff erzeugt im Vorfeld einen ähnlichen Hype, wie man es sonst nur von Apple-Produkten kennt. Das kann aber auch nach hinten losgehen: Die hohen Erwartungen könnten zu großen Enttäuschungen in der Fangemeinde führen.

Bis jetzt waren die mit Spannung erwarteten Handy-Präsentationen vor allem Apple vorbehalten. Kein anderer Elektronik-Konzern schaffte es bislang, eine ähnlich hohe Erwartungshaltung für ein einziges, neues Gerät aufzubauen. Mit dem Galaxy SIII gelingt dies derzeit aber auch Samsung. Das von Fans und der Konkurrenz gleichermaßen mit Spannung erwartete Smartphone-Flaggschiff des koreanischen Herstellers wird am heutigen Donnerstagabend in London erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Durchgesickert
Die genauen Spezifikationen des Galaxy SIII und der Preis sind noch nicht bekannt. Ähnlich wie bei jedem neuen iPhone sickern nach und nach aber immer mehr Details durch. Mal taucht ein Video eines Protoypen in Vietnam auf, dann geht für kurze Zeit die Bestellseite für das Handy auf Amazon.de online. Ein paar Tage später verrät ein Bild einer optional erhältlichen Display-Folie die Größe des Bildschirms, ein Auszug aus der Beschreibung die Daten der Kamera und in einer App, mit der man die Leistung seines Handys testen und online mit anderen vergleichen kann, ist auf einmal ein Galaxy SIII der Spitzenreiter – obwohl das Smartphone noch nicht erhältlich ist.

Setzt man die Informations-Schnipsel der glaubwürdigeren Quellen zusammen, ergibt sich folgendes Bild: Das Galaxy SIII hat ein 4,8 Zoll-Display mit der HD-Auflösung 1280x720. Es hat einen Vierkern-Prozessor mit 1,5GHz und wahlweise 16GB oder 32GB internen Speicher. Als Betriebssystem wird Android 4 verwendet. Die Hauptkamera soll 8 oder 12 Megapixel haben. Ein NFC-Modul ist vorhanden, der schnelle Datenstandard LTE ist nur in Modellen für bestimmte Länder verfügbar. Das Handy soll sehr flach sein, wahrscheinlich ist eine Dicke knapp unter 8mm.

Alles nur Taktik?
Dieses Schema kennt man bereits von Apple. Wochen bevor ein neues iPhone oder iPad angekündigt wird, machen Gerüchte die Runde, berichten Apples chinesische Zuliefer-Firmen von neuen Großaufträgen und tauchen einzelne Komponenten der Geräte in den Händen von Technik-Journalisten auf. Der Extremfall trat 2010 auf, als ein Apple-Mitarbeiter den Prototypen eines iPhone 4 in einer Bar verlor. Der Finder verkaufte es an den Technik-Blog Gizmodo. Dieser Vorfall kam Apple nicht allzu ungelegen. Die treuen iPhone-Kunden hatten so schon vor der offiziellen Ankündigung Zeit, sich an das neue, eckigere Glas-Design des iPhones zu gewöhnen. Offiziell zeigte man sich natürlich empört und ergriff rechtliche Schritte gegen Gizmodo.

Nicht nur die Sicker-Taktik scheint sich Samsung von Apple abgeschaut zu haben, um das Interesse an dem Gerät zu erhöhen. Mit dem SIII lädt auch Samsung erstmals zu einer internationalen Präsentation ein, in der ein Modell im Vordergrund steht. Wie die meisten Hersteller hat Samsung bisher neue Geräte auf den großen internationalen Messen, wie der CES in Las Vegas, dem Mobile World Congress in Barcelona oder der IFA in Berlin vorgestellt. Apple ist auf all diesen Messen nicht vertreten und macht eigene Veranstaltungen, um neue Produkte, ohne den Konkurrenzdruck, der auf einer Messe herrscht, anzukündigen.

Die Gefahren des Hype
Ein Hype birgt auch immer die Gefahr, dass mehr von dem Produkt erwartet wird, als es halten kann. Auch Apple musste diese Erfahrung bereits machen, etwa mit dem iPhone 4S. Doch obwohl sich viele mehr, oder gar ein iPhone 5, erhofft hatten, bricht Apple mit dem iPhone 4S wieder Verkaufsrekorde – zumindest in den USA und Großbritannien. Im Rest Europas fand das iPhone 4S ebenfalls genügend Käufer, aber im Gegensatz zu den USA sank Apples Marktanteil bei Smartphones, während Android zulegte.

Auch dem Galaxy SIII könnte ein ähnliches Schicksal wie dem iPhone 4S blühen. Keine der einzelnen Komponenten ist revolutionär neu. Smartphones gibt es bereits mit Display-Größen von bis zu 5,3 Zoll, auch Quad-Core-CPUs sind schon im Einsatz. NFC und LTE hat auch schon Einzug in Highend-Handys gefunden, ebenso wie 12-Megapixel-Kameras und die HD-Bildschirmauflösung 1280x720 Pixel. Huawei und Oppo haben zudem Smartphones angekündigt, die weniger als 7mm dünn sind. Es ist also die Kombination der Komponenten entscheidend, sowie die Handhabung, die Qualität der verbauten Materialen und wie das Android 4.0.4 Betriebssystem auf dem SIII läuft.

Und sollte das nicht reichen, hat Samsung, ähnlich wie Apple bei dem iPhone 4S mit Siri, einen Joker in der Hand. Die Koreaner wollen angeblich einen eigenen Cloud-Service, ähnlich Apples iCloud vorstellen. Es sollen mehr als 5GB Speicher zur Verfügung stehen, der mit Samsung-Geräten, von Smartphones über Notebooks bis zu Smart-TVs, synchronisiert werden kann. Auch ein on-Demand-Dienst für Musik, Film und TV-Serien (kostenlos und kostenpflichtig) soll enthalten sein.

Von spar zu Star
Es ist bemerkenswert, wie Samsung im Smartphone-Markt in zwei Jahren den Sprung von der Günstig-Schiene zum Premium-Anbieter und direkten Apple-Konkurrenten geschafft hat und nach wie vor beide Bereiche bedienen kann. Mitte 2010 stellte Samsung das Galaxy S vor, das bei Kunden durch sein 4-Zoll-AMOLED-Display und das für damalige Verhältnisse sehr geringe Gewicht von 118 Gramm punkten konnte. Aufgrund des chromefarbenen Randes und den abgerundeten Ecken wurde es von Kritikern und Apple-Fans als iPhone 3GS-Klon abgetan.

Google schien das nicht zu stören und ließ von Samsung Ende 2010 das Google-Handy Nexus S produzieren. Zuvor hatte HTC die Nexus-Smartphones bereitgestellt. Der taiwanesischen Firma wurde eine rosige Zukunft vorhergesagt und mit Modellen wie dem HTC Desire galt die Firma auf dem Smartphone-Segment als der schärfste Apple-Gegner. 2011 kam allerdings der Einbruch – der Konzern musste um 70 Prozent weniger Gewinn als im Vorjahr vermelden.

iPhone-User als Schafe
Samsung dürfte ein ähnliches Schicksal erspart bleiben. Der Riesenkonzern kann Technologien anderer Produktsparten für seine Smartphones nutzen und ist durch seine breite Aufstellung am Elektronikmarkt finanziell abgesichert, um auch den einen oder anderen Flop wegstecken zu können. Da kann man sich Patentkriege mit Apple liefern und in Videos gegen den US-Konkurrenten sticheln. Im Video (siehe oben) zur bevorstehenden Ankündigung werden iPhone-User mit Schafen verglichen.

Abgesehen davon dürfte der Konkurrenzkampf zwischen Samsung und Apple nicht auf emotionaler Ebene ausgefochten werden. Denn Samsung ist nach wie vor einer von Apples Zulieferern - sowohl im neuen iPad als auch im iPhone 4S sind Komponenten der Koreaner. Keines der beiden Unternehmen hätte einen Vorteil oder gravierenden Nachteil, wenn diese Geschäftsbeziehung beendet werden würde.

Samsung ist derzeit der Weltmarktführer bei Handys. Im ersten Quartal wurden 93,5 Millionen Stück verkauft, was einem Marktanteil von 25,4 Prozent entspricht. Bei Smartphones führt Samsung mit einem Marktanteil von 30,6 Prozent, Apple ist auf Platz zwei mit 24,1 Prozent – eine immer noch beachtliche Menge, wenn man bedenkt, dass Apple keine Günstig-Handys anbietet.

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