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30.10.2015

Garmin nüviCam im Test: Navi mit Sehvermögen

Navi, Dashcam, Spurhalteassistent, Sprachsteuerung: Das Garmin nüviCam LMT-D vereint viele Funktionen. Im Test zeigt das Gerät Qualität, aber auch Verständnisprobleme.

Mit dem nüviCam LMT-D hat Navi-Spezialist Garmin ein Gerät auf den Markt gebracht, das neben der reinen Navigation noch einige Zusatzfunktionen aufweist, die man normalerweise nur als separate Aufrüstlösungen oder Sonderausstattung beim Fahrzeugkauf erhält. Mit dem nüviCam erhalten Nutzer eine Dashcam (Armaturenbrettkamera), einen Spurhalteassistenten und ein Kollisionswarnsystem. Das alles kann noch dazu per Sprache gesteuert werden. Die futurezone hat das Gerät getestet.

Garmin nüviCam LMT-D

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Technik

Das nüviCam LMT-D sieht grundsätzlich wie jedes andere Navigationsgerät für das Auto aus, also wie ein Smartphone in Querformat. An der rechten Seite ist das Gerät ein wenig dicker. Die Stelle erinnert an einen Fotokameragriff, tatsächlich beherbergt sie auch die Videokamera. Diese zeichnet wahlweise in FullHD oder 720p auf und kann ein wenig nach links oder rechts geschwenkt werden.

Für Standbilder zwischendurch kann man auf den Auslöserknopf an der Oberkante drücken. Die Aufzeichnung des Videomaterials erfolgt auf einer microSD-Speicherkarte (maximal 4 GB). In Dashcam-Manier wird auf Befehl durchgehend aufgezeichnet. Ist der Speicher voll, wird das bisherige Videomaterial überschrieben.

Sechs-Zoll-Display

Der Touchscreen ist sechs Zoll groß und bietet eine Auflösung von 800 mal 480 Pixel. Ein Lithium-Ionen-Akku hält den Betrieb bei unterbrochener Stromzufuhr bis zu 30 Minuten aufrecht. Das nüviCam LMT-D wiegt 319,2 Gramm. Garmin inkludiert Detailkarten für Europa mit kostenlosen, lebenslangen Updates.

Befestigt wird das Gerät per magnetischer Rückseite an einer Saughalterung an der Windschutzscheibe. Für besseren GPS-Empfang ragt davon eine Kabelantenne weg, die mit zwei Saugnäpfen am Scheibenrand fixiert wird.

Praxiserfahrungen

Mit einem Knopf an der Rückseite wird das Garmin nüviCam LMT-D aktiviert. Ab diesem Zeitpunkt sollte man das Gerät freihändig bedienen können. Dazu sagt man "Spracheingabe" in den Fahrzeuginnenraum. Das nüviCam sollte sodann bereit sein, um Befehle anzunehmen. Um durch das Menü zu navigieren, liest man einfach den zu wählenden Punkt vor.

Allzu leise darf man dabei nicht sein, sonst kommt es zu Verständnisschwierigkeiten. Bei starken Fahrgeräuschen kann es schon vorkommen, dass man "Spracheingabe. Spracheingabe!! SPRACHEINGABE!!1!!1" rufen muss. Menüführung und der Wechsel von Funktionen funktionieren ohne Verzögerung. Auch die Routenberechnung ist schnell erledigt.

Unbekanntes Friesach

Per Spracheingabe werden allerdings nicht alle Ziele erkannt. Spricht man etwa einen Straßen- oder Ortsnamen, so führt das nüviCam LMT-D eine Liste möglicher Treffer auf. In den meisten Fällen trifft der erste Treffer zu. Um diesen auszuwählen, sagt man dann "Eins" und die Navigation zum gewählten Ziel wird gestartet.

Bei einigen Eingaben kann es allerdings vorkommen, dass das gewünschte Ziel gar nicht in der Trefferliste auftaucht. Im Test wurde etwa mehrfach versucht, Friesach, Kärntens älteste Ortschaft, per Sprache einzugeben. Das funktionierte leider nie. Das Ziel musste per Hand am Touchscreen eingegeben werden.

Präzise Navigation

Die Routenanzeige und -ansage funktionierte im Test bestens. Das Touchscreen erlaubt Zoomen mit zwei Fingern, eine praktische Sache für an Smartphones gewöhnte Anwender. Ebenso praktisch ist die Anzeige der jeweils erlaubten Höchstgeschwindigkeit. Das Kartenmaterial ist ausreichend detailliert. Ist das Ziel in unmittelbarer Nähe, wird die Kameraansicht eingeschaltet und das Ziel auf dem Bild markiert.

Die Kameraaufzeichnung lässt sich wie alle anderen Funktionen per Spracheingabe starten. Eine rote LED am Gehäuse zeigt die Aufnahmetätigkeit an. Das Sucherbild enthält ein Zielkreuz mit Kreis, das die Positionierung erleichtert. Wechselt man zu anderen Funktionen des nüviCam LMT-D, läuft die Aufnahme im Hintergrund weiter.

Assistenten über 65 km/h aktiv

Der Spurhalteassistent tritt in Erscheinung, sobald man auf einer ausreichend markierten Straße zu nahe an die Seiten- oder Mittellinie gerät. In dem Fall ertönt ein Alarm. In der Kamera- oder Routenansicht wird ein dicker gelber Warnhinweis am Bildschirmrand eingeblendet. Aktiviert wird der Spurhalteassistent erst ab 65 km/h. Darunter erhält man keine Warnhinweise. Ebensowenig erhält man Warnhinweise, wenn man auf einer schlecht oder gar nicht markierten Straße fährt, auf der die Kamera keine Linien wahrnimmt.

Parallel zum Spurhalteassistenten wird das Kollisionswarnsystem aktiviert. Fährt man einem anderen Fahrzeug von hinten zu dicht auf, so ertönt abermals ein Alarm. Am oberen Bildschirmrand erscheint ein roter "Kollisionswarnung"-Hinweis. Ist die Kamera in die Höhe gerichtet, das Zielkreuz über dem Horizont, hat das Kollisionswarnsystem Probleme.

Fazit und Preis

Als Navi zählt das Garmin nüviCam LMT-D zur Oberklasse. An der Bedienung, dem Kartenmaterial und der Geschwindigkeit der Routenberechnungen merkt man die Erfahrung des Herstellers. Die Sprachsteuerung funktioniert mittelmäßig gut. In den meisten Fällen kommt man damit ganz gut weiter. Bei Umgebungsgeräuschen sinkt das Verständnis der Sprachsteuerung jedoch schnell. Dazu kommen Verständnisschwierigkeiten bei der Zieleingabe.

Die Kamera bringt eine Reihe nützlicher Funktionen. Die Fahrtaufzeichnung in Dashcam-Manier hilft bei der Rekonstruktion von Unfällen (die Rechtslage dazu ist in Österreich kompliziert) sowie bei der Anfertigung von Urlaubsvideos durch pittoreske Landschaften. Spurhalteassistent und Kollisionswarnung könnten bei Müdigkeit am Steuer sinnvoll zum Einsatz kommen - solange die Straßenmarkierungen da mitspielen und die Kamera korrekt ausgerichtet ist.

Mit einem Preis von 399 Euro zählt das Garmin nüviCam LMT-D zu den teureren Auto-Navis. Die zusätzlichen Funktionen lassen den Preis akzeptabel erscheinen. Wer auf Schnickschnack wie Sprachsteuerung, Kamera etc. verzichten kann, kann sich allerdings auch weitaus günstiger durch den Verkehr navigieren lassen.