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Test
11/10/2011

Größenwahn: Samsung Galaxy Note im Test

Groß, größer Galaxy Note: Die futurezone testete Samsungs Android-Smartphone mit 5,3-Zoll-Display und Stift-Bedienung. Trotz der imposanten Dimensionen kann das Handy nicht ganz überzeugen, da es von Samsungs eigener Software ausgebremst wird.

von Gregor Gruber

Der Displaygrößen-Rekord bei Android-Smartphones lag bisher bei 5 Zoll, aufgestellt vom Dell Streak. Das Samsung Galaxy Note (699 Euro UVP) setzt mit 5,3 Zoll noch einen drauf. Dadurch ergeben sich die imposanten Außenmaße von 14,7x8,3 cm. Da es aber 9,65mm dünn ist, passt es gerade noch in die meisten Hosentaschen.

Handling
Die einhändige Nutzung ist zwar mit viel Daumenstrecken und etwas Umgreifen noch möglich, aber nicht mehr bequem. Die Lautstärke-Tasten an der linken und die Standby-Taste an der rechten Seite sind zudem etwas zu hoch platziert. Hält man das Note in der linken Hand, ist das Erreichen der Standby-Taste mit dem Zeigefinger nur angenehm möglich, wenn man das Handy etwas nach unten rutschen lässt. Stichwort Rutschen: Die Akku-Abdeckung an der Rückseite ist zwar geriffelt, um ein Aus-der-Hand-Rutschen zu vermeiden. Jedoch klemmt man das Note aufgrund seiner Größe oft nur zwischen dem Handballen und den Fingern ein, wobei hauptsächlich der glatte und leicht rutschige Gehäuse-Rand berührt wird.

Ein Vorteil der imposanten Größe: Thumbing ist sogar im Hochformat präzise möglich. Ein möglicher Nachteil: Beim Telefonieren zieht der Handy-Gigant am Ohr die Blicke der Passanten auf den Telefonierenden. Auch sollte man Paranoia-resistent sein: In den Öffentlichen Verkehrsmitteln lädt das Riesen-Display Fahrgäste geradezu ein SMS, Kalendereinträge und E-Mails mitzulesen.

Eine LED-Benachrichtigungsleuchte hat das Note trotz seiner ausladenden Dimensionen nicht. Ereignisse, wie verpasste Anrufe, neue E-Mails oder SMS, werden als Icons im Lockscreen angezeigt.

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Display
Das Super-AMOLED-Display hat eine Auflösung von 1280x800 Pixel. Die Darstellung sieht dadurch trotz des großen Displays relativ gut aus. Erst bei einem Augenabstand von 10cm oder weniger meint man an den Rändern von Buchstaben und App-Icons einzelne Pixel wahrzunehmen.

Wie schon bei anderen Samsung-Handys mit Super-AMOLED-Displays ist bei weißen Flächen eine leichte Farbstichigkeit zu bemerken. Dies fällt aber nur im Vergleich mit einem LCD-Display auf, im alltäglichen Gebrauch ist das nicht weiter störend.

Durch das große Display ist es im Browser möglich im Querformat noch Texte ohne Hineinzuzoomen zu lesen. Um die Augen zu schonen sollte man aber dennoch seine Finger nutzen. Wer nicht mit Multitouch hineinzoomen will, kann, wie schon beim Galaxy SII, dazu auch eine Kippbewegung machen, wenn zwei Finger am Display ruhen.

Die Größe des Displays und die höhere Auflösung wirkt sich auch auf die Homescreens aus. Statt 4x4 Icons wie beim Samsung Galaxy SII ist Platz für 5x5 Icons. Dennoch hat man das Gefühl, dass sich bei dem Riesen-Display eigentlich mehr auf einem Homescreen ausgehen sollte. Am unteren Bildschirmrand befindet sich die übliche Samsung-Schnellzugriffleiste, bei der sich vier von fünf Verknüpfungen ändern lassen.

Stift
Das Galaxy Note kommt mit einem Stylus, der im Gehäuse untergebracht ist. Der Stift ist etwas zu klein, um ihn bequem zu halten. Auch die Positionierung des Knopfs am Stift ist nicht optimal und wird schon mal ungewollt gedrückt und ist nur schwer ertastbar, wenn man ihn dann mal wirklich drücken will. Die Softtouch-Tasten an der Unterseite (Menü und Zurück, auf eine Suche-Taste verzichtet das Note), können nicht mit dem Stift gedrückt werden.

Der Stift kann den Finger bei der normalen Bedienung ersetzen, natürlich gibt es aber auch eigene Apps für den Stylus. Lässt man die Taste gedrückt und den Stift so für eine Sekunde am Display, wird ein Screenshot erstellt, der auch bearbeitet und bemalt werden kann. So kann man etwa einen Screenshot einer Website machen, eine Passage mit einem virtuellen, gelben Marker anstreichen und das Bild per E-Mail versenden. Das funktioniert sowohl im Homescreen als auch in Apps.

Lässt man den Knopf des Stiftes gedrückt und macht einen Doppelklick, öffnet sich ein virtueller Notizzettel. Dieser kann ebenfalls bemalt (vier Stiftformen, unterschiedliche Dicken und Farben) und mit Text versehen werden. Der Stift ist druckempfindlich – man kann also, je nachdem wie fest man aufdrückt, dicker oder dünner malen.

Erstellt man den Notizzettel in der „S Memo“-App, ist auch der Hintergrund wählbar und es können Fotos eingefügt werden. Die Notizen können mit Google Docs synchronisiert werden. Texte können auch per Handschrifterkennung eingegeben werden. Blockbuchstaben werden relativ gut erkannt, Lateinschrift nur, wenn man langsam und bemüht schön schreibt.

In der App „S choice“ gibt es noch von Samsung empfohlene Apps für die Stiftbedienung (derzeit zehn Stück). Evernote und Catch Notes sind bekannt, der Rest sind Spiele und Mal-Apps, darunter solche „Highlights“ wie virtuelles Nägellackieren.

Leistung
Das Note hat einen 1,4GHz-Dual-Core-Prozessor, 1GB RAM und 16GB internen Speicher, der durch eine micro-SD-Karte um bis zu 32GB erweitert werden kann. Trotz der leistungsstarken Komponenten gerät das Note öfters ins Stottern. Als Schuldiger ist hier Samsung eigene Benutzeroberfläche für Android 2.3.5 auszumachen, die das Note ausbremst.

Die Ruckler reichen von nicht flüssigen Animationen (etwa beim Hinein- und Hinauszoomen in die Homescreen-Übersicht), bis zu Hängern in der Kontaktliste, bei der erst nach einem Neustart des Handys wieder die Namen angeklickt werden können. Letzterer Fehler trat aber nur zwei mal innerhalb einer Woche auf. Die kleinen Ruckler und Verzögerungen (drückt man die Standby-Taste dauert es gut eine Sekunde bis der Lockscreen erscheint) sind zwar erträglich, lassen das Note aber unnötig träge wirken.

Der Akku hat eine Kapazität von 2500mAh, um dem Stromverbrauch des riesigen Displays Herr zu werden. Das funktioniert ganz gut, bei schwacher Nutzung (eine Stunde pro Tag im Web surfen, automatische Wetter-Updates, alle drei Stunden E-Mails und Twitter abrufen, ein paar SMS und kurze Telefonate) sind zwei Tage möglich, bevor das Note nach Strom schreit. Bei starker und Display-intensiver Nutzung, wie Navigation, Games, Malen mit dem Stift und das Aufnehmen von Videos in HD, ist nach fünf bis sechs Stunden Schluss.

Die Qualität der Telefonate ist sehr gut, auch bei Hintergrundgeräuschen. Die 8-MP-Kamera an der Rückseite ist die gleiche des Galaxy SII und gehört zu dem besten, was man in Sachen Smartphone-Fotos derzeit bekommen kann. Auch die Kamera-App ist gleich geblieben und überzeugt durch frei einstellbare Shortcuts und manuelle Einstellungsmöglichkeiten.

Fazit
Ab wann ist groß zu groß? Das Note überschreitet auch für Nutzer mit großen Händen knapp die Schmerzgrenze. Allerdings nur, weil die Gehäusetasten nicht optimal positioniert sind und das Material des Gehäuses zu rutschig ist. Störender als das ungewohnte Handling fällt die Trägheit der Software auf, was aber durch Firmware-Updates oder Custom ROMs behebbar wäre. Trotz der kleineren Mängel ist das Galaxy Note ein eindrucksvolles Smartphone, von dem man sich, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, nur ungern wieder trennt.

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