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12.02.2012

Hands-On mit der Nikon D800 und D800E

Der Kamerahersteller Nikon legt mit der D800 ordentlich vor. Die technischen Spezifikationen der Spiegelreflexkamera sind beeindruckend, doch wie gut lässt sie sich bedienen und wie liegt sie in der Hand? Die futurezone hat ein serienreifes Exemplar der D800 und D800E angetestet.

Spiegelreflexkameras mit Vollformatsensor sind selbst im Sortiment der großen Kamerahersteller eine Rarität. Dementsprechend gespannt sind ambitionierte Hobby- und Berufsfotografen, wenn ein neues Modell auf den Markt kommt. Den "Vollformat"-Hype hat die vor dreieinhalb Jahren erschienene Canon 5D Mark II ausgelöst, die nicht nur durch ihre exzellente Bildqualität auffiel, sondern auch durch ihre Fähigkeit Videos in FullHD aufzunehmen. Damit stellte sie Nikon in den Schatten. Die Nikon D700, die knapp ein halbes Jahr vor der 5D Mark II vorgestellt wurde, hatte zwar auch einen Vollformatsensor, aber nur 12 statt 21 Megapixel und keine Videoaufnahme.

Nikon legt vor
Auch diesmal prescht wieder Nikon voran und stellt noch vor dem von vielen erwarteten Nachfolger der 5D Mark II ein Konkurrenzprodukt vor. Die Nikon D800 ist zumindest schon mal auf dem Papier bestens gegen die 5D Mark III gerüstet. Sie dürfte deutlich mehr Widerstand im Kampf um die beste, auch für nicht berufliche Fotografen interessante, Vollformat-Kamera leisten, als es ihr Vorgänger D700 gegen die 5D Mark II gemacht hat. Die futurezone konnte die D800 und ihr Schwestermodell, die D800E, antesten.

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nikon d800 spiegelreflexkamera dslr

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Alte Bekannte
Auf den ersten Blick sind zwischen der D700 und D800 nicht viele Unterschiede bemerkbar. Die Kamera liegt Nikon-typisch gut in der Hand. Die Griffwölbung der D800 ist etwas ausgeprägter als bei der D700, wodurch sie sich auch einen Tick besser halten lässt. Die Bedienelemente sind ebenfalls an den gewohnten Positionen. Die Knöpfe und Schieberegler haben einen angenehm starken Widerstand, das Modus-Rad auf der linken, oberen Seite ist wieder mit einem Extra-Knopf gesichert, der erst runtergedrückt werden muss, um das Rad zu drehen. Nur der Regler zum Einstellen der Lichtmessung ist etwas sehr streng ausgefallen. Im Vergleich zu den mechanischen Bedienelementen ist der Knopf zum Entriegeln des Aufklappblitzes sehr leichtgängig – trägt man die Kamera an einer Schlaufe etwa um den Hals oder um die Schulter, wäre ein unbeabsichtigtes Hochklappen des Blitzes möglich. Und da der ganze Mechanismus nicht sehr stabil wirkt, könnte er in Folge auch abreißen, falls man damit unglücklich hängen bleibt.

Neu sind die Bedienelemente für die Filmfunktion. An der rechten Oberseite hat die D800 einen Knopf, der die Videoaufnahme startet, wenn der Live-View-Modus aktiv ist. Ist Live-View nicht aktiv, kann die Aufnahmetaste mit anderen Funktionen belegt werden. Rechts unten ist der Knopf zum Aktivieren von Live View inklusive Schalter, mit dem der Live-View-Modus auf Foto oder Video umgeschaltet wird.

Fokus auf Film
Neben den Extra-Bedientasten für die Videoaufnahme befinden sich weitere Highlights für DSLR-Filmer hinter einer Gummiabdeckung auf der Seite. Über den 3,5mm-Klinken-Eingang können Stereomikrofone angesteckt werden, der Pegel ist in der Kamera regulierbar. Auch ein Kopfhöreranschluss ist vorhanden, um den Ton zu überprüfen. Damit die großen FullHD-Videodateien in entsprechender Geschwindigkeit auf den Computer übertragen werden können, gibt es einen USB-3.0-Anschluss.

Über den HDMI-Ausgang können die Inhalte nicht nur direkt auf Flat-TV oder ähnlichem wiedergegeben werden. Es ist auch möglich das Video- und Audiosignal zu einem externen Aufnahmegerät durchzuschleifen. Wenn der Recorder dies unterstützt, kann Bild und Ton unkomprimiert aufgezeichnet werden, was in einer besseren Qualität resultiert.

Wie auch schon bei früheren Nikon-DSLRs kann bei der D800 ein konstanter Autofokus beim Filmen aktiviert werden. Und wie bei den anderen Nikon-DSLRs pumpt dieser, selbst wenn ein starres Motiv gefilmt wird. Wer ernsthaft vor hat die DSLR für Filmprojekte zu nutzen, wird aber ohnehin manuell fokussieren.

Sucher & Display
Wie auch die D700 und die Profimodelle D3 und D4, hat die D800 das runde Fenster um den Sucher. Auch wieder mit dabei ist der Hebel, mit dem das Sucherfenster in der Kamera geschlossen wird. Damit wird bei Stativaufnahmen verhindert, dass von hinten Licht ins Kameragehäuse eindringt und so die Lichtmessung verfälscht.

Helligkeit und Sichtfeld des Suchers ist gut, wenn auch nicht ganz so perfekt wie bei der D3. Nikon gibt die Blickfeldabdeckung mit "ca. 100%" an. In der Praxis sieht man aber schnell kleine schwarze Ränder, wenn man nicht präzise mittig durch den Sucher schaut. Auch die Anzeige im Sucher ist oft etwas angeschnitten.

Ebenfalls etwas störend ist, dass die Helligkeit der Fokuspunkte nicht regulierbar ist. Visiert man ein helles Motiv an, ist das Aufleuchten des Fokuspunktes nicht erkennbar, das signalisiert, dass die Kamera fertig fokussiert hat. Als Alternative bleibt nur das akustische Signal (in zwei Varianten einstellbar) zu aktivieren.

Das Display ist um 0,2 Zoll größer als bei der D700. Es ist schöner im Gehäuse integriert und sieht dadurch glatter aus. Laut Nikon wurde der Abstand zwischen dem Schutzglas und dem Display reduziert, wodurch es weniger stark reflektiert als bei der D700. Diese Unterschied konnte beim Hands-On noch nicht festgestellt werden. Die Tasten neben dem Display sind etwas tiefer im Gehäuse, was den Eindruck, das die gesamte Rückseite hübscher und glatter ist, noch verstärkt.

Die D800E
Die D800E ist technisch ident mit der D800, verzichtet aber auf den Anti-Aliasing-Filter. Dadurch wird eine bessere Schärfedarstellung möglich, es kann aber zu unsauberen Farbabgrenzungen kommen. Laut Nikon wird durch das Fehlen des Filters die D800E für einen Spektralbereich empfindlich, den das menschliche Auge so normalerweise nicht erkennt. Dadurch können auch die Farben abweichen, weil das aufgenommene Bild nicht unseren Sehgewohnheiten entspricht.

Für Nikon ist die D800E deshalb nur Profis und Nutzern zu empfehlen, die wissen was sie tun, wie etwa Nutzer von Mittelformatkameras, die meistens ohne den Anti-Aliasing-Filter arbeiten. Die Bilder der D800E müssen meistens nachbearbeitet werden, um sie den Sehgewohnheiten anzupassen und als schön empfunden zu werden. Deshalb ist die Software Capture NX2 enthalten, die separat 170 Euro kosten würde. Das erklärt aber nicht den Preisunterschied von 300 Euro zwischen der D800 und D800E. Laut Nikon hat das auch psychologische Gründe: Es ist eine zusätzliche Abgrenzung, bzw. Hürde, um dem normalen Anwender die Unterschiede bewusst zu machen. Die D800E wird deshalb auch nur bei ausgewählten Händlern verfügbar sein, die auch noch ein detailliertes Briefing erhalten sollen, um Kunden die Unterschiede zwischen den zwei Kameras zu erklären. Damit es nicht zu spontanen Fällen von "ich kauf gleich die teurere, weil die sicher besser ist" kommt, wird die D800E außerdem drei Wochen nach der D800 erscheinen.

Die D800E könnte das X-Modell der D4 ersetzen. Die X-Modelle waren die Versionen mit höherer Megapixel-Anzahl der Profikameras und für den Studioeinsatz gedacht. Da die D800E alle Voraussetzungen für eine Studiokamera erfüllt, wäre es denkbar, dass keine X-Version der kürzlich angekündigten D4 auf den Markt kommt.

Ersteindruck
Das wichtigste konnte bei dem Hands-On leider noch nicht getestet werden: die Bildqualität. Da die Firmware auf den zwei Kameras noch nicht final war, durften die gemachten Fotos und Videos nicht die Kamera verlassen. Zumindest auf den Display war das Bildrauschen bis ISO 3200, trotz der hohen Megapixeldichte, akzeptabel. Beim Handling gibt es kaum Auffälligkeiten, wer bereits mit einer Nikon D300, D3, D4 oder D700 arbeitet, wird auch mit der D800 zurecht kommen.

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