Die Lifestylecams HTC Re (li.) und Polaroid Cube (re.) auf der Berghütte

© David Kotrba

HTC Re und Polaroid Cube im Test: Spartanisch und kreativ
03/21/2015

HTC Re und Polaroid Cube im Test: Spartanisch und kreativ

HTC Re und Polaroid Cube zeigen sich im futurezone-Test als robuste, simple und dennoch vielseitige Videokameras, mit denen man seine kreative Ader ausleben kann.

von David Kotrba

Sind es Actioncams? Sind es Kompaktkameras? Polaroid Cube und HTC Re werden von ihren jeweiligen Herstellern als "kleine Kamera", beziehungsweise "bemerkenswerte kleine Kamera" bezeichnet. Einer genaueren Definition entziehen sich die kompakten Videokameras. Der Einfachheit halber nennen wir sie einfach Lifestylecams. Die Bezeichnung spiegelt den Gebrauch der Kameras wider: Sie sollen als praktische, kompakte Geräte mit simpler Bedienung sowohl Smartphone-Kameras als auch "ausgewachsenen" Actioncams Konkurrenz machen und dabei weniger ernst, vielmehr verspielt und cool auftreten.

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HTC Re

Die HTC Re sieht aus wie ein kleines Periskop. In Rezensionen wird auch die Ähnlichkeit mit einem Asthma-Inhalator erwähnt. Das kleine, L-förmig gebogene, weiße Rohr ist 97,7 Millimeter hoch und hat einen Durchmesser von 26,6 Millimeter. Der 16-Megapixel-CMOS-Sensor nimmt FullHD-Videos mit 30 Bildern pro Sekunde auf. Dazu gibt es einen Modus mit 720p-Auflösung und Vierfach-Slow-Motion.

Der integrierte 820 mAh-Akku sollte eine Stunde und 50 Minuten durchgehendes Filmen ermöglichen. Aufgezeichnet werden Videos auf einem internen 8 GB Speicher oder auf einer microSD-Karte, deren Schacht sich an der Basis unter einem kleinen Deckel befindet. Ebenfalls an der Basis sitzt der Micro-USB-Anschluss zum Aufladen und Dateitransfer. Die Kamera ist mit einem WLAN- sowie einem Bluetooth-4.0-Modul ausgestattet.

Zur Bedienung reichen zwei Tasten aus. Mit der großen Auslösertaste, die mit dem Daumen erreicht wird, schießt man sowohl Fotos (kurzes Drücken) als auch Videos (langes Drücken). Eine Taste in Pistolenabzugs-Position für den Zeigefinger dient zum Umschalten von FullHD- auf 720p-Zeitlupen-Aufnahme. Mit einem Stativgewinde an der Basis kann die HTC Re an Selfie-Stangen oder Stative montiert werden.

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Polaroid Cube

Wie der Name schon sagt, ist die Polaroid Cube eine würfelförmige Kamera. Die Kantenlänge des gummierten Gehäuses beträgt 35 Millimeter. Die Vorderseite wird von einem Objektiv eingenommen, das einen Winkel von 124 Grad abdeckt. Videos werden in FullHD oder 720p mit jeweils 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen. Fotos haben eine Auflösung von sechs Megapixel.

Auf der Rückseite des Würfels findet man eine runde Luke mit Schraubverschluss. Dahinter verbergen sich ein micro-USB-Anschluss, ein microSD-Steckplatz sowie ein Schalter zum Wechsel der beiden möglichen Videoauflösungsstufen. Die Unterseite des Cube bildet ein magnetischer Metallknopf. Ein Stativgewinde fehlt, dafür ermöglicht der Magnetknopf jede Menge kreativer Montageoptionen.

Bedient wird der Polaroid Cube mit einem einzigen Knopf. Mit einem einfachen Druck schießt man ein Foto, ein Doppelklick startet die Videoaufnahme. Die Kapazität des eingebauten Lithium-Ionen-Akkus soll 90 Minuten durchgehende Aufnahme ermöglichen. Längere Videos werden in Fünf-Minuten-Segmente unterteilt.

Praxiserfahrungen

Getestet wurden HTC Re und Polaroid Cube vor allem auf der Skipiste und beim Indoor-Fußball. Bei strahlendem Sonnenschein auf der Piste erzielten beide Kameras hervorragende Bilder und Videos. Die HTC Re konnte mittels einer Art überdimensionaler Klammer und einem breiten, elastischen Band auf einem Skihelm montiert werden. Der Cube wurde in der Hand gehalten.

Bei der Re fiel die schnelle Betriebsbereitschaft positiv auf. Die Kamera ist mit einem Griffsensor ausgestattet. Sobald man sie in die Hand nimmt, wird die Kamera aktiviert. Aufnahmen können sofort gestartet werden. Auch in der Halterung am Helm reagiert die Kamera rasch. Bei Fotos gibt es eine gewisse Auslöseverzögerung. Die Polaroid Cube schaltet sich dagegen ohne Aktivität nach einigen Minuten selbstständig ab und muss mit einem langen Knopfdruck reaktiviert werden.

Bei künstlichem Licht in einer Indoor-Fußballhalle fabriziert die Re immer noch akzeptable Aufnahmen. Bei der Polaroid Cube zeigen sich hier leichte Schwächen. Videobilder wirken etwas verwaschen, Fotos werden körnig. Für Profiaufnahmen bräuchte man jedenfalls andere Geräte, für schnelle Aufnahmen zwischendurch - und darauf zielen beide Kameras ja ab - reicht die Qualität aber.

Großartige Magnethalterung

Die Polaroid Cube lädt durch ihre kompakten Außmaße und die Magnethalterung zu filmischen Experimenten ein. Auf dem Skilift kann die Kamera etwa einfach an den Sicherheitsbügel geheftet werden, um ein Selfie-Video zu drehen. Beim Fußball kann der Cube als Torkamera ins Kreuzeck gehängt werden (man hat dann allerdings ein Kopfüber-Video).

Großen Erfolg hatte der Cube beim Testen als unauffällige Videokamera auf einem Bierdeckel. Solcherart an einem Sixpack montiert, konnte so ein Ausflug durch die Wiener U-Bahn aus ungewöhnlicher Perspektive dokumentiert werden.

Überfahren auf der Skipiste

Die HTC Re konnte nach dem Testen von einem ganz anderen Abenteuer berichten. Bei einem Sturz auf der Skipiste wurde die Kamera samt Halterung vom Helm gerissen. Die anschließende Suche nach dem Gerät im Schnee gestaltete sich schwierig - vor allem wegen der weißen Plastikhülle der Re.

Nach einer halben Stunde wurde die Kamera wiedergefunden. Sie hatte die ganze Zeit mitgefilmt. Das harte Leben auf der schwarzen Piste aus der Sicht einer kleinen Lifestyle-Cam - ein durchaus interessantes Filmexperiment, das physische Spuren hinterlassen hat. Die metallene Einfassung der Objektivabdeckung zeichnete sich dabei offenkundig aus. Bis auf eine Schramme im Metallring ging die Re heil aus dem Abenteuer hervor.

Die Re wurde auch in Zusammenarbeit mit der dazupassenden App ausprobiert. Diese funktioniert nur auf Mobilgeräten, die Bluetooth 4.0 unterstützen. Sie bietet dem Nutzer ein Sucher-Livebild, einen Fernauslöser, zeigt aufgenommene Fotos und Videos, verändert Kamera-Einstellungen und bietet außerdem eine Live-Streaming-Funktion über YouTube an. Die App ist simpel gehalten und funktioniert einwandfrei.

Fazit

HTC Re und Polaroid Cube sind kleine, praktische und sehr einfach zu bedienende Kameras für schnelle Aufnahmen zwischendurch. Ihre Robustheit ist auch im rohen Zustand - ohne zusätzliche Plastikhülle, wie es sie für zahlreiche Actioncams gibt - beeindruckend. Ob mit Skiern über eine Piste geschossen, überfahren oder mit dem Fußball ins Abseits geschossen, die Kameras überleben physische Konfrontationen.

Insofern sind die Kameras ein guter Ersatz für Smartphone-Kameras, wenn es hart auf hart kommt. In puncto Bildqualität können beide Lifestyle-Cams mit Smartphone-Kameras mithalten, solange die Beleuchtung stimmt. In Innenräumen nimmt die Qualität ab. Die HTC Re schneidet dabei ein wenig besser ab als der Polaroid Cube. Durch die spartanische Ausstattung der Kameras wird beim Stromverbrauch gespart. Im Vergleich zu Actioncams schneiden die zwei kleinen Kameras hier exzellent ab.

Wenn es um Montagemöglichkeiten geht, kann keine der Kameras mit "echten" Actioncams und deren Zubehör mithalten. Der Polaroid Cube begeistert allerdings mit seiner Magnethalterung, die HTC Re durch ihre rasche Betriebsbereitschaft. Die Re kostet 149 Euro. Der Preis lässt sich mit günstigen Actioncams vergleichen. Der Polaroid Cube kommt auf 99,99 Euro.