Ein geleaktes Foto des Huawei Mate 30

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09/18/2019

Huawei Mate 30 ohne Google: Kann das gutgehen?

Huawei stellt am Donnerstag das Mate 30 vor. Wer darauf Google Maps und den Play Store nutzen will, muss Workarounds nutzen.

von Gregor Gruber

Die Hoffnung stirbt zuletzt. In diesem Fall ist aber der Grabstein schon graviert. Google hat bereits verkündet, dass das Huawei Mate 30 ohne Play Store, Maps und den anderen Google-Apps erscheint, die bei fast jedem Android-Handy zur Grundausstattung gehören. Schuld daran ist der Handelsstreit zwischen den USA und China.

Für Huawei ist das besonders bitter. Schließlich ist das Mate 30 nicht irgendein Gerät im Handy-Sortiment, sondern das Premium-Spitzenmodell. Und wenn Kunden nicht essenzielle Funktionen, wie das Herunterladen neuer Apps über den Play Store, nutzen können, werden sie wohl kaum bereit sein über 1.000 Euro dafür zu zahlen. Einige Analysten prophezeien Huawei deshalb ein finanzielles Desaster. Sie empfehlen den Marktstart des Mate 30 in Europa und den USA zu verschieben, bis der Handelsstreit beigelegt ist. Wann das passieren könnte, trauen sie sich aber nicht vorherzusagen.

Huawei CEO Richard Yu hat versucht, vorab zu beruhigen. Die Kunden hätten „viele Möglichkeiten“, die benötigten Google-Apps selbst zu installieren. Es wäre „einfach“ für die Nutzer. Tatsächlich ist es möglich, die fehlenden Google Apps nachzuinstallieren. Bei Android-Smartphones anderer chinesischer Hersteller ist das gang und gäbe, da die von Haus aus auf Google-Dienste verzichten.

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Installer finden

Die einfachste Lösung ist das Nutzen sogenannter Installer. Davon werden in der Regel zwei benötigt. Der Erste ist der GMS Installer. Das steht für Google Mobile Services. Dabei handelt es sich um das Grundgerüst. Ohne GMS läuft keine Google-App. Das Problem bei GMS ist, dass davon unterschiedliche Versionen existieren. Je nach Hersteller und Baujahr muss die richtige gefunden werden. Die zwei populärsten GMS-Pakete sind der „GMS Installer“ (Smartphones älter als 2018) und „GMSanzhuangqi“ (Modelle ab 2018). Diese funktionieren für die meisten chinesischen Smartphones, aber nicht für alle.

Im zweiten Schritt wird der „Google Installer“ benötigt. Dieser enthält die eigentlichen Google-Apps, wie Play Store, Maps und Gmail. Die aktuellste Version ist „Google Installer APK V3.0“. Will man nicht alle Google-Apps installieren, sondern etwa nur den Play Store, kann man diesen einzeln herunterladen. Achtung: Zuvor muss Play Services installiert werden, sonst funktioniert der Play Store nicht.

APKs installieren

Die Installer enthalten zwar Google-Software und -Apps, werden aber von Drittanbietern gemacht und wiederum von anderen Anbietern zum Download bereitgestellt. Hier besteht immer die Gefahr, dass man sich Schadsoftware miteinfängt, weshalb man nur seriöse Websites als Quelle für die Installer und APKs nutzen sollte.

Die Installer bzw. einzelne Apps, wie Play Services und Play Store, werden im APK-Format auf das Smartphone geladen. Über den Datei Manager bzw. Browser des Smartphones wird die Datei ausgewählt. Eine Warnung poppt auf – hier muss gewählt werden, dass die Installation der App aus unbekannter Quelle zugelassen wird.

„Einfacher“ Prozess

Wie will Huawei diesen Prozess „einfach“ machen? Das wird man wohl frühestens bei der Präsentation des Huawei Mate 30 am 19. September erfahren. Denkbar ist, dass Huawei in seinem eigenen App Store, die „AppGallery“, die benötigen Installer bereitstellt. Im Idealfall sind der GMS und Google Installer dann in ein Paket zusammengefasst. Am Startbildschirm des Smartphones könnte ein Link gelegt werden, etwa mit der Beschriftung „Google Apps installieren“, der direkt zu diesem Paket in der AppGallery führt.

Huawei muss dabei darauf achten, dass diese Lösung nicht gegen das US-Embargo verstößt. Sonst könnte möglicherweise der Verkauf des Mate 30 in den USA verboten werden. Google selbst wird diese Lösung dulden. Schließlich hat man sich auch bei der US-Regierung dafür eingesetzt, dass Huawei weiter mit Software versorgt werden darf. Denn sollte Huawei zukünftig ein eigenes Betriebssystem verwenden, würde der zweitgrößte Handy-Hersteller der Welt auf Android verzichten – Google hätte schlagartig einen neuen, großen Konkurrenten.

Mate 30 mit Android 10

Immerhin müssen sich zukünftige Besitzer des Mate 30 nicht über Sicherheitsupdates Sorgen machen. Das Smartphone wird mit Android 10, der aktuellsten Version des Betriebssystems, ausgeliefert. Im November und Dezember werden die P30- und Mate 20-Serie das Update auf Android 10 erhalten, weitere Geräte folgen im März 2020. Huawei verspricht, dass die Android-10-Geräte und auch Android-9-Modelle weiterhin Patches bekommen werden – trotz US-Handelsembargo.

Durchgesickerten Informationen zufolge wird die Mate-30-Serie voraussichtlich aus drei Smartphones bestehen: Mate 30 Lite, Mate 30 und Mate 30 Pro. Das Mate 30 Pro soll einen sogenannten Waterfall-Bildschirm haben. Dessen linker und rechter Rand sind stark nach unten gebogen. Dadurch erscheint er an den Seiten nahezu rahmenlos. Das Mate 30 Pro soll zwei 40-Megapixel-Kameras (Weitwinkel und Superweitwinkel) und eine 8-Megapixel-Kamera im Telebereich haben. Das Mate 30 ist etwas kleiner und hat kein gebogenes Display. Das Mate 30 Lite wird schwächer ausgestattet und das günstigste der drei Modelle sein.

Die Preise für die Geräte sind noch nicht bekannt. Unbekannt ist ebenfalls, wie die österreichischen Mobilfunker mit der Google-losen Mate-30-Serie umgehen werden. Auch Nachfrage der futurezone wollen A1, Magenta und Drei die offizielle Vorstellung abwarten und die Situation evaluieren. Dann wird entschieden, ob das Mate 30 angeboten wird. Laut Huawei Österreich werden Details zum Marktstart der neuen Modelle bei der Präsentation am 19. September bekanntgegeben.