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08/23/2013

Huawei P6 im Test: Schönheit muss leiden

Mit dem P6 bringt Huawei nach eigenen Angaben das dünnstes Smartphone der Welt auf den Markt. Optisch ist das Gerät zwar ansprechend, die inneren Werte und der Komfort können aber nicht gänzlich überzeugen. Die futurezone hat das Handy getestet.

Das Huawei P6 setzt ganz auf seine schlanke Linie und ein elegantes Design. Die Vorderseite erzeugt gemischte Gefühle. Positiv fällt die Glasfront auf, die nur beim Lautsprecher eine Öffnung hat. Das Gitter des Lautsprechers ist weniger tief als bei anderen Smartphones versenkt, weshalb sich auch weniger Schmutz ablagern kann.

Der Plastikrahmen rund um die Glasfront ist farblich gut abgestimmt, dünn und flach gehalten. Dadurch fällt er optisch kaum störend auf. Einen kleinen Spalt gibt es dennoch, der als neues zuhause für Hosentaschen-Fusel dienen kann.

Nicht gänzlich gelungen ist der abgerundete Unterteil der Front. Zwar ist die Form ein schönes Design-Element, die Farbe unterscheidet sich aber deutlich von der Glasfront. Außerdem besteht das Teil aus Plastik, was die Vorderseite ein wenig abwertet.

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Alu-Rücken kann entzücken
Die Rückseite des Unibody-Gehäuses besteht aus schwarz-gebürstetem Aluminium – Varianten in Weiß und Pink sind ebenfalls erhältlich. Auch die Rückseite weist keine Erhebungen auf, die Kamera-Linse und der LED-Blitz sind bündig im Gehäuse versenkt.

Gelungen sind auch die Seiten des P6. Der Silber-farbene Aluminium-Rahmen wird durch den schwarzen Kunststoff-Rand oben und unten gut in Szene gesetzt. Durch diese Farbkombination fallen auch die kleinen Plastikstreifen links und rechts nicht störend auf, die eingesetzt sind, damit der Aluminium-Rahmen nicht die Empfangsleistung negativ beeinflusst.

Runde Ecken, trotzdem kantig
Mit lediglich 6,18 mm passt das P6 ist nahezu jede Hosentasche. Die schlanke Linie erleichtert auch das Erreichen aller Ecken des 4,7 Zoll Displays, wenn das Smartphone nur in einer Hand gehalten wird.

Haptisch ist die Unterseite ein Opfer des Designs. Der Plastikrand an der Unterseite, rund um den Aluminium-Rahmen steht etwas über und ist ein wenig scharfkantig. Oben wird der Aluminium-Rahmen in der abgerundeten Ecke geführt – unten endet er aber. Dadurch entsteht eine zusätzliche Kante an der ohnehin nicht besonders geschickt abgerundeten Unterseite. Beim längeren Halten drücken sich die unteren Ecken unangenehm in die Handfläche. Hält man das Smartphone in der linken Hand, ist das noch störender. Denn an der linken Seite befindet sich die Abdeckung des Klinkensteckers, die hervor steht und etwas scharfkantig ist.

Der Grund des Hervorstehens ist, dass die Abdeckung mit den Fingernägeln herausgezogen werden kann. Es ist nämlich nicht bloß ein Deckel, sondern auch gleichzeitig das Tool, mit dem Micro-SIM- und Micro-SD-Slot an der rechten Seite geöffnet werden. Hört man viel Musik, sollte man das Teil nach dem Einrichten des P6 zuhause in der Packung verstauen. Denn hat man ihn herausgezogen, um den 3,5mm-Klinkenstecker zu nutzen, hat das Teil keinen Platz im Smartphone. Und da das Teil sehr klein ist, besteht eine realistische Chance es zu verlieren, wenn es nicht sicher in der Geldbörse oder einem anderen, verschließbaren Behältnis aufbewahrt wird.

Die Positionierung des Klinkensteckers links unten ist ebenfalls nicht optimal. Da der Stecker seitlich ist, wird mehr Platz in der Hosentasche benötigt und das Halten in der linken Hand ist nicht mehr angenehm möglich. Gelungen sind dafür die physischen Tasten an der rechten Seite des P6. Sie sind flach genug um nicht störend aufzufallen, aber dennoch gut erfühl- und drückbar.

Display
Das 4,7 Zoll Display hat die Auflösung 1.280 x 720. Wenn man genau hin sieht, erkennt man einen Treppchen-Effekt bei den App-Icons. Im direkten Vergleich mit einem Smartphone mit Full-HD-Display, wie dem HTC One oder Samsung Galaxy S4, fällt vor allem im Browser und bei kleinen Schriften die geringe Auflösung auf.

Da es ein IPS-Display ist, ist der Betrachtungswinkel angenehm hoch. Die Farben sind blasser als beim HTC One und Galaxy S4, Schwarz wirkt oft gräulich. Dafür ist die Darstellung von Weiß sehr gut. In den Einstellungen kann die Farbtemperatur angepasst werden – falls man der Darstellung einen Blau- oder Gelbstich verpassen möchte. Die Farbsättigung wird dadurch nicht besser.

Die maximale Helligkeit ist gut, aber nicht überragend. Ist die automatische Helligkeits-Option aktiviert, wird von dem zuvor eingestellten Ausgangswert die Helligkeit angepasst. Im Test waren die Helligkeits-Änderung meist minimal, oft musste manuell nachjustiert werden. Einen Bug scheint es ebenfalls zu geben. Ist die Helligkeit auf 100 Prozent und die automatische Regelung und intelligente Hintergrundbeleuchtung deaktiviert, wird manchmal automatisch auf 50 Prozent Helligkeit reduziert, wenn man mit Chrome im Web surft.

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Lästiges und Bugs
In der „Emotion UI" genannten Android-Oberfläche von Huawei gibt es noch ein paar kleinere Unregelmäßigkeiten. „Design", um den Look der App-Icons, des Sperr-Bildschirms und der Status-Leiste zu ändern, ist nur als App vorhanden und nicht in den Einstellung. Wählt man darin „Aktuelles Design anpassen" und den Punkt „Schriftart-Stil auswählen", stehen keine Schriftarten zur Verfügung. Ein Download-Link oder eine Erklärung fehlen.

Wählt man ein Hintergrund-Bild für den Homescreen, muss es im Querformat zugeschnitten werden, obwohl der Homescreen nicht im Querformat angezeigt werden kann und sich beim Wechseln der Screens nicht der Ausschnitt des Hintergrundbildes ändert.

Während das eine Kleinigkeit ist, ist Huaweis Onscreen-Tastatur nerviger. In Chrome wird immer die englischsprachige Tastatur angezeigt, auch wenn zuvor mit der virtuellen Taste links unten auf Deutsch gewechselt wurde. Die alternative Tastatur im Handy-Stil (1-9) ist nur wählbar, wenn die Tastatur auf Englisch gestellt ist. In der Adressleiste des Browser ist automatisch eine modifizierte Tastatur mit .com statt Leerzeichen aktiv. Will man direkt einen Suchbegriff mit Leerzeichen eingeben, muss man dieses über die Sonderzeichen anwählen. Zum Tippen im Hochformat ist die virtuelle Tastatur nicht besonders gut geeignet, da zu wenig Platz zwischen den einzelnen Buchstaben ist und man sich deshalb leicht vertippt.

Auch mit dem WLAN gibt es ab und zu Probleme. Verlässt man die Reichweite eines WLAN, wird gelegentlich angezeigt, dass noch eine Verbindung besteht und das P6 wechselt nicht in den 3G-Modus. Hier muss man dann WLAN manuell deaktivieren. Ist WLAN aktiviert und man kommt in Reichweite eines bekanntes Netzes, verbindet sich das P6 manchmal nicht automatisch damit.

Software
Abgesehen davon ist Huaweis Android-Oberfläche in Ordnung aber ungewohnt. Das liegt daran, dass es kein App-Übersichtsmenü gibt. Alle Apps werden auf Homescreens angelegt. Da maximal neun Homescreens verfügbar sind, muss man Apps in Ordner zusammenfassen, falls es zu viele werden.

Bei den Widgets gibt es ein „Mein Widget"-Widget. Dieses ist ein Container mit einer fixen Größe, in dem 5 eigene (Musik, Uhr, Wetter, Galerie Kontakte), dafür gedachte Widgets platziert werden können. Das ist relativ unnötig und auch unlogisch. So gibt es im „Mein Widget" etwa Wetter in der Größe 4x1, das es aber nicht als normales Widget gibt.

Die neun Einstellungs-Icons in der Status-Leiste können ausgetauscht und beliebig angeordnet, aber nicht die Anzahl erhöht oder reduziert werden. Android-üblich befindet sich am unteren Bildschirm-Rand die Leiste mit den virtuellen Tasten für Zurück, Home und geöffnete Anwendungen. Bei den geöffneten Anwendungen können Apps einzeln oder alle gleichzeitig beendet werden. Oben wird die Speichernutzung eingeblendet. Laut dieser stehen 1,5 GB für Apps zur Verfügung, offiziell hat das P6 2 GB RAM verbaut.

Die Einstellungen sind aufgeteilt in „Allgemein" und „Alle". „Allgemein" zeigt eine reduzierte Liste der Einstellungen. In „Alle" finden sich noch interessante Einstellungen wie der „Glove-Modus", der die Sensitivität des Displays erhöht, um es auch mit dünnen Handschuhen nutzen zu können.

Mit vorinstallierten Apps hält sich Huawei angenehm zurück. Die nützlichen, wie Taschenlampe, Rechner, Notizen und Polaris Office, sind im Ordner „Werkzeuge" verstaut. Zusätzlich ist noch eine Variante des Spiels Riptide GP vorinstalliert, in der am Rand der Wasserrennstrecke Huawei-Banner zu sehen sind.

Sicherheit
Im „Berechtigungsmanager" kann ausgewählt werden, welche Apps Push-Nachrichten senden und das WLAN oder 3G-Netz nutzen dürfen. Auch der Zugriff auf Kontakte, Nachricht, Anrufliste, Standort, die Telefonnummer und den Kalender kann für jede App einzeln bestimmt werden.

Greift eine App erstmals auf den Standort oder andere Daten zu, wird dies in der Statusleiste angezeigt und kann sofort erlaubt oder eingeschränkt werden. Eine weitere Option soll verhindern, dass Apps Anrufe und SMS überwachen und im Hintergrund Fotos aufnehmen können.

Im „Start-Manager" kann schließlich noch eingestellt werden, welche Apps beim Systemstart automatisch ausgeführt werden.

Leistung
Das P6 nutzt Huaweis eigene 1,5 GHz Quad-Core CPU und 2 GB RAM. Der interne Speicher ist 8 GB groß, 4,83 GB davon sind nutzbar. Die Benchmarks liefern folgende Ergebnisse:

Vellamo HTML5: 1661
Vellamo Metal: 446
3D Mark Icestorm: 3278
3D Mark Icestorm extreme: 1682
Quadrant Standard: 5234
AnTuTu: 13784
NenaMark 2: 60,2

Das Laden von aufwendigen Spielen dauert länger als bei den Smartphone-Flaggschiffen von HTC und Samsung. Das Spielen selbst ist am P6 meistens flüssig. Erst im direkten Vergleich mit Smartphones mit stärkeren CPUs ist ein Unterschied bemerkbar. Störend ist, dass das P6 an der Rückseite sehr warm bis heiß wird. Beim Spielen und der GPS-Navigation ist das Smartphone nach 20 Minuten so warm, dass man es eigentlich nicht mehr in der Hand halten will.

Der Akku hat 2.000 mAh. Nutzt man das P6 nicht nur zum Mail abrufen und WLAN-Surfen, sollte das Smartphone am Ende des Tages an die Steckdose. In den Einstellungen kann in der Energieverwaltung das Profil „Intelligent" oder „Höchstdauer" gewählt werden, um die Laufzeit zu erhöhen. Spielt man keine aufwendigen Games und reduziert die Display-Helligkeit, sind 1,5 Tage möglich.

Kamera
Die Hauptkamera hat 8 Megapixel. Zu den Funktionen gehören Panorama (nur nach rechts im Hochformat schwenkbar), HDR, Verschönern (Weichzeichner um Pickel und Falten zu verschleiern), Intelligent (automatische Moduswahl) und „Einzelperson". Letzteres ist der normale Fotomodus und der Einzige, bei dem Einstellungen wie ISO, Weißabgleich, Belichtung, Sättigung und Kontrast gewählt werden können.

Bei Außenaufnahmen sind die Farben häufig übersättigt, Panoramas werden oft unscharf. Bei Aufnahmen mit Kunstlicht sind die Farben eher blass und leicht rotstichig. Makro-Aufnahmen sind die Stärke des P6, bei weit entfernten Motiven mangelt es an Details und es ist ein Grießeln bemerkbar.

Wer gerne Selbstporträts macht, wird sich über die 5 Megapixel Frontkamera freuen. Die Fotos haben durch die höhere Auflösung mehr Details als die der Konkurrenzmodelle. Bei Kunstlicht sind die Aufnahmen häufig etwas zu dunkel und auch wieder leicht rotstichig.

Fazit
Das P6 opfert dem Design zuliebe Komfort und Leistung. Das Dünnste zu sein reicht nicht, wenn man gegen Konkurrenten wie das

und
antritt. Das haben wohl auch die Händler verstanden: Auf Preisvergleichsportalen ist das P6 in Österreich bereits um 370 Euro erhältlich, statt dem empfohlenen Verkaufspreis von 449 Euro.

Aber selbst wenn man das P6 in Kürze unter 350 Euro kaufen kann, liegt es nicht optimal in der Hand und wird im Betrieb sehr schnell sehr warm. Wer, frei nach dem Motto: „Schönheit muss leiden" damit und den Software-Bugs leben kann, bekommt ein hübsches Gerät zu einem nicht übertrieben hohen Preis.

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Modell:
Huawei P6
Display:
4,7 Zoll, 1.280 x 720 Pixel, IPS LCD
Prozessor:
1,5 GHz Quad-Core Hi-Silicon K3V2
RAM:
2 GB
Speicher:
8 GB intern, MicroSD-Slot
Betriebssystem:
Android 4.2
Anschlüsse/Extras:
Micro-USB, 3,5 mm Klinke, WLAN, Bluetooth 3.0, Micro-SIM, GPS
Akku:
2.000 mAh
Kamera:
8 Megapixel mit LED-Blitz (Hauptkamera), 5 Megapixel Frontkamera
Videos:
Aufnahme in 1080p
Maße:
132,6 x 65,5 x 6,18 mm, 120 Gramm
Preis:
449 Euro UVP