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08.01.2017

Intels Project Alloy im Hands-on: So wie VR sein sollte

Das Intel-Headset kommt ohne Computer, Smartphone oder Kabel aus. Dank eingebauter 3D-Kameras stellt es echte Gegenstände als virtuelle Objekte dar. Wir haben es ausprobiert.

Bereits im August hat Intel sein Referenzmodell einer VR-Brille vorgestellt. Im Rahmen der CES in Las Vegas war es Journalisten nun erstmals möglich, das Headset anzutesten.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich Intels Project Alloy nicht wesentlich von anderen VR-Headsets. Doch es hat der Konkurrenz einiges voraus. Project Alloy funktioniert nämlich unabhängig von einem Smartphone oder Computer und kann dadurch auf lästige Kabel verzichten.

Project Alloy von Intel

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Technische Details zu Project Alloy gibt verrät Intel nicht, da es sich in ständiger Weiterentwicklung befindet. Im Grunde aber steckt im Headset die Technik eines kompletten Laptops. Es verfügt über genügend Rechen- und Grafikleistung um virtuelle Welten entstehen zu lassen und darin spielen zu können. Als Betriebssystem dient Microsofts Windows Holographic Software. Damit es nicht zu heiß wird, wird es aktiv, über einen Lüfter an der Seite gekühlt. Darüber hinaus sind Anschlüsse für externe Geräte sowie Bewegungssensoren vorhanden. All das ist an der Vorderseite des Headsets untergebracht.

Am Hinterkopf befindet sich der Akku. Laut Intel-Entwickler hält der derzeitige Akku unter Volllast eine halbe Stunde durch. Ist der Akku leer und das Spiel aber noch nicht zu Ende, kann er getauscht werden.

Merged Reality

Außerdem hat Intel das Headset mit den hauseigenen RealSense-Kameras ausgestattet. Damit ist Project Alloy räumlich ungebunden, weil es nicht von externen Sensoren, die sich im Raum befinden, abhängig ist. Diese RealSense-3D-Kameras am Headset scannen den Raum und stellen ihn in der virtuellen Realität dar, sodass sich der Nutzer durch den Raum bewegen kann, ohne irgendwo anzustoßen.

Die gescannten Objekte können auch in zum Spiel passende, dreidimensionalen Objekte umgewandelt werden, was Intel "Merged Reality" nennt: Aus dem Wohnzimmertisch wird auf diese Weise etwa ein Stromgenerator und aus dem Bücherregal eine Reihe rostiger Rohre.

Das für die Vorführungen verwendete Headset ist kein finales Produkt, sondern ein Developer-Kit. Intel will es ab der zweiten Jahreshälfte Entwicklern zur Verfügung stellen. Verläuft alles nach Plan, soll am Ende - zusammen mit Hardwarepartner - ein fertiges Produkt rausschauen.

Hands-on

Als ich das erste Mal von der All-in-one-VR-Brille hörte, waren meine Bedenken, dass es viel zu schwer sein wird, um damit spielen zu können. Ich war wirklich überrascht, dass es trotz all der Technik, die sich im Headset befindet, relativ leicht ist. Natürlich ist es schwerer als etwa das HTC-Vive-Headset, es lässt sich aber ohne weiteres längere Zeit tragen, ohne Kopfschmerzen zu verursachen. Da der Akku auf der Rückseite angebracht ist, pendelt sich das Gewicht gut aus. Dadurch wirkt das Headset leichter als es tatsächlich ist.

Als Testumgebung diente ein kleiner Raum, der einem Wohnzimmer nachempfunden wurde. Die wurden mir über das Headset in entsprechend umgewandelter 3D-Objekte angezeigt. Beim Spiel, das extra für Project Alloy entwickelt wurde, ging es darum, herannahende Drohnen abzuschießen. Den Abzug des virtuellen Gewehrs wird am kabellosen Controller, den man in der Hand hält, betätigt.

In Deckung hinterm Bücherregal

Als die Drohnen auf mich feuerten, konnte ich hinter den rostigen Rohren, die in Wahrheit ein Bücherregal waren, in Deckung gehen. Ging die Munition zu Ende, blieb mir nichts anderes übrig, als durch den Raum zu laufen und Munitionspacks einzusammeln. Dabei musste ich ständig um den ratternden Stromgenerator - in Wirklichkeit der Wohnzimmertisch - herum navigieren.

Trotz anfänglicher Skepsis funktionierte das überraschend gut, die RealSense-Kameras leisteten gute Arbeit. Als ich dabei jedoch einmal etwas nach oben schaute, konnten die Kameras den Tisch nicht mehr richtig erfassen und ich bin am virtuellen Stromgenerator angestoßen. Damit so etwas nicht mehr vorkommt, denke man darüber nach, mehrere RealSense-Kameras im Headset zu integrieren, wie ein Entwickler von Intel im Nachhinein anmerkte.

An der Bildauflösung und der Bildwiederholfrequenz gibt es nichts auszusetzen. Zu heiß wurde das Headset dank der aktiven Kühlung nicht. Die Kühlung war übrigens nicht zu hören, wahrscheinlich auch wegen der Kopfhörer, die meine Ohren bedeckten. Kooperatives Spielen im Multiplayer-Modus sei möglich, konnte aber leider nicht ausprobiert werden.

Fazit

Was vom kurzen Ausprobieren der Intel-VR-Brille bleibt, ist der Wunsch, dass das Project Alloy nicht als bloßen Referenzmodell in die Geschichte eingeht, sondern irgendwann in ein fertiges Produkt umgesetzt wird. Dass echte Objekte im Raum in virtuelle Objekte umgewandelt und so Teil des Games werden, ist nicht nur eine gute Idee und für die Zuseher lustig, es eröffnet auch reichlich Spielraum für weitere spannende Anwendungen. Bleibt noch zu hoffen, dass die Leistungsfähigkeit des Headsets ausreicht, um komplexe und aufwendige Games spielen zu können.