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05.03.2015

Jolla Tablet im Hands-On: Sailfish OS stiehlt die Show

Jolla wagt sich nach seinem ersten Smartphone auf den Tablet-Markt. Das Ergebnis ist gelungen, vor allem aufgrund des hervorragenden Betriebssystems.

Finnland kann trotz des Verkaufs der Smartphone-Sparte von Nokia ein Unternehmen am Smartphone-Markt vorweisen. Jolla, ein von ehemaligen Nokia-Mitarbeitern gegründetes Start-up, bietet seit Ende 2013 ein Smartphone mitsamt eigenen Betriebssystem, Sailfish OS, an.

Jolla Tablet in Bildern

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Jolla Tablet

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Der Erfolg ist verhalten, doch das junge Unternehmen wagt sich bewusst nur langsam vor - man will noch lernen. Nun soll ein neues Tablet folgen, mitsamt einer neuen Version des clever designten Betriebssystems. Mehr als 18.600 Menschen haben die Produktion des Tablets bereits auf Indiegogo untersützt, ab Mai wird ausgeliefert. Die futurezone hat das Tablet bereits vorab ausprobiert.

Ohne Tasten

Auffällig am Jolla Tablet ist, dass es keinerlei Tasten an der Front gibt. Sailfish OS 2.0 setzt vollständig auf Gesten, ähnlich wie Ubuntu Touch. Doch im Gegensatz zu Ubuntu ist das Bedienkonzept wohl überlegt und geht auch ohne Übung schnell von der Hand. Der Benutzer startet stets mit seinem Homescreen, auf dem die derzeit laufenden Apps aufgelistet werden. Wischt er von unten nach oben, wird die App-Liste eingeblendet. Von links nach rechts gewischt, offenbart sich das Benachrichtigungszentrum. Das ist deutlich umfangreicher als bei der Konkurrenz und erlaubt beispielsweise das direkte Beantworten von Nachrichten.

Ähnliche Schnellfunktionen wurden auch beim Überblick der aktiven Apps auf dem Homescreen integriert. So lässt sich beispielsweise bei der Notiz-App auf Knopfdruck eine neue Notiz erstellen oder die Wiedergabe der Musik-App steuern. Der Wisch von rechts nach links offenbart eine Partner-App, die vom Nutzer ausgewählt werden kann. Jolla bietet diesen Platz Partnern wie Deezer oder Netflix an, die dort ihre App platzieren können. Laut Jolla könne diese Funktion aber auch deaktiviert werden.
Von oben nach unten gewischt werden die sogenannten „Ambiences“ angezeigt. Diese kann der Benutzer selbst konfigurieren und ähneln den Lautstärke-Profilen alter Handys, beispielsweise für Besprechungen (lautlos), zu Hause (normal) oder Unterwegs (laut). Zur besseren Unterscheidung kann der Benutzer auch verschiedene Hintergrund-Bilder auswählen, an deren Farbprofil die Oberfläche automatisch angepasst wird. Die Bedienung ließ sich im Hands-on rasch ohne Erklärung erlernen. Die Oberfläche reagierte flott, auch wenn das erste Öffnen neuer Apps hin und wieder etwas länger dauerte.
Der eigene App Store zählt derzeit nur einige hundert Apps, man unterstützt aber auch Android-Apps. Diese lassen sich über alternative App Stores, wie dem Yandex Store oder Amazon App Store installieren. Auch der Google Play Store und die Google-Play-Dienste lassen sich über Umwege installieren. Android-Apps laufen unter Jolla in einer eigenen Sandbox und sollen ohne Einschränkungen funktionieren. Lediglich Bluetooth-Funktionen werden derzeit nicht unterstützt, das Problem soll aber bald behoben sein.

Gute Ausstattung

Wie beim iPad mini Retina setzt Jolla auf einen 7,9 Zoll großen Bildschirm mit 2048 mal 1536 Pixel. Die Qualität sowie der Betrachtungswinkel fielen im Test positiv auf, die Glas-Front spiegelte jedoch recht stark. Die Verarbeitung ist sehr gut, das Unibody-Gehäuse aus Aluminium fühlt sich hochwertig an und schließt an den Kanten nahezu nahtlos ab.

An der Oberseite befinden sich Kopfhöreranschluss, Lautstärkewippe und Power-Taste. An der Unterseite wurden der Anschluss für das microUSB-Kabel sowie ein microSD-Karteneinschub platziert, mit dem der Speicher erweitert werden kann. Die beiden Kameras - 5 Megapixel auf der Rückseite, 2-Megapixel-Frontkamera - konnten im Hands-on nicht ausprobiert werden, da die Kamera-App noch nicht final ist.

Fazit

Beim Jolla Tablet spielt die Hardware nur eine Nebenrolle. Der wahre Star ist Sailfish OS 2.0, das mit einem ungewöhnlichen, aber gut durchdachten Bedienkonzept zu überzeugen weiß. Hoffentlich kann Jolla mehr Entwickler für diese Plattform begeistern, denn das Angebot an nativen Apps ist derzeit noch mager. Wer dennoch bereits jetzt einen Blick in die Zukunft wagen will, kann sich ein Jolla Tablet auf Indiegogo zulegen. Das Tablet ist ab 219 US-Dollar verfügbar.

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Disclaimer: Redakteure der futurezone berichteten live vom Mobile World Congress in Barcelona. Die Reisekosten wurden von der futurezone GmbH selbst sowie von Samsung, ZTE und T-Mobile übernommen.