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Facebook
06/15/2012

Kicked Out!: Social Game gegen Schuldenfalle

Ein junges Team will mit einem Facebook-Spiel Jugendliche zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld erziehen. Dazu hat man sich viel vorgenommen: 300.000 US-Dollar sollen für die Entwicklung über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter eingenommen werden.

von Michael Leitner

Minus 6000 Euro - das ist der durchschnittliche Kontostand eines unter 25-Jährigen in Österreich. Der richtige Umgang mit Geld - auch bekannt als Financial Literacy - ist offenbar für viele Menschen immer noch schwierig. Dem möchte nun ein junges österreichisches Unternehmen Abhilfe schaffen - mit einem Facebook-Spiel. Das Team rund um "Kicked Out!" umfasst neben klassischen Spieleentwicklern auch Schuldnerberater, Psychologen und Verhaltensökonomen, die mit ihrem Facebook-Spiel die Sinne der Jugendlichen für die gängigsten Schuldenfallen schärfen wollen. Die Wahl der Plattform hat Lena Robinson, offizielle Sprecherin des Projekts, gegenüber der futurezone schnell erklärt: "Wir wollen die Jugendlichen dort abholen, wo sie in ihrer Freizeit sind: auf Facebook."

Allein zu Haus
In Kicked Out! findet sich der Spieler in einer leeren Wohnung wieder, nachdem er aus unbekannten Gründen von seinen Eltern aus dem trauten Heim geworfen wurde. Dort muss er sich nun mit einem Startkapital eine ansprechende Einrichtung anschaffen und darf schlussendlich seine Facebook-Freunde für eine "House-Warming"-Party einladen. Diese Party wird dann auch in Form eines Comics für den Nutzer zusammengefasst. Davor muss der Spieler natürlich Geld verdienen und verschiedenste Entscheidungen treffen, die dem Nutzer den korrekten Umgang mit Geld beibringen wollen.

300.000 US-Dollar Budget
Das Konzept wurde bereits im Herbst 2011 mit dem höchstdotiertesten österreichischen Sozial-Innovationspreis, „Ideen gegen Armut" ausgezeichnet. Das Preisgeld von 41.700 Euro genügte als Startkapital sowie zur Entwicklung eines Prototypen. Doch für die Entwicklung des kompletten Spiels wird nun laut Robinson ein deutlich höheres Budget benötigt: "Wir brauchen zumindest 150.000 US-Dollar bis zum Launch, danach werden für die Nachbearbeitung voraussichtlich noch einmal 150.000 Euro fällig. Wir wollen einfach ein fantastisches Spiel abliefern." Dieser Meinung ist auch Katharina Norden, Geschäftsführerin und Projektinitiatorin: "Ein Low-Budget-Spiel mit schlechter Grafik und schlechtem Spieldesign spielt keiner. Und dann hätte das, was wir machen, keinen Sinn."

Dazu will man nun auf Kickstarter zurückgreifen, über das in letzter Zeit 

 große Summen zur Finanzierung ihrer Projekte einnehmen konnten. So konnte die Entwicklerlegende Tim Schafer für sein neues Adventure knapp 
 auf Kickstarter einnehmen. Auch eine Neuauflage des Kultrennspiels Carmageddon konnte insgesamt mehr als 600.000 US-Dollar einsammeln. Das Ziel für die beiden genannten Projekte lag im Übrigen bei 400.000 US-Dollar - Kicked Out! möchte zumindest 300.000 US-Dollar einnehmen.

Gemischte Kickstarter-Erfahrungen für Österreich
"Kicked Out!" ist nicht das erste österreichische Unternehmen, das sein Projekt über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanzieren möchte. Bereits die 

 sowie der vom österreichischen Studio C-Arena entwickelte CA Football Manager versuchten ihr Glück auf Kickstarter. Während Newsgrape mit knapp 16.000 US-Dollar erfolgreich war und sich damit einen ordentlichen Start finanzieren konnte, verfehlte C-Arena das angepeilte Ziel von 20.000 US-Dollar deutlich und erhielt somit nichts. Denn das Konzept von Kickstarter sieht vor, dass zunächst das selbst gesteckte Ziel erreicht werden muss, damit die "Finanzierungsrunde" erfolgreich ist.

Angst vor dem Scheitern hat Robinson nicht: "Wir sind ein junges Team und glauben an unser Konzept." Auch ohne Kickstarter-Finanzierung werde es das Spiel geben, doch man wolle weiterhin unabhängig bleiben und dazu sei Crowdfunding optimal. Sollte alles so ablaufen wie geplant, dürfte das Spiel bereits Anfang 2013 veröffentlicht werden. Sollte das Spiel im Übrigen ein Erfolg werden, wolle man das verdiente Geld in weitere Projekte zum Financial Literacy stecken. "Leider sind private Finanzen in Europa immer noch ein Tabu, vielleicht können wir ein wenig dazu beitragen, dass sich das ändert", gibt sich Robinson enthusiastisch.

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