© Square Enix

E3

Lara Croft: Normale Brüste, große Emotionen

Die bekannteste Heldin der Spieleszene ist zurück: Lara Croft, der einzige wirkliche Star den die Branche je hatte, feiert ihr Comeback. Fans, die jetzt ein weiteres Abenteuer der großbusigen Heroine erwarten, werden allerdings enttäuscht. Im neuen Spiel, das Anfang 2013 auf den Markt kommt, geht es realistischer und düsterer zu. So wie James Bond in Casino Royale oder Bruce Wayne in Batman Begins seine zerbrechliche, menschliche Seite zeigte, gibt sich auch Lara Croft verwundbar. Die Geschichte erzählt von einer jungen Lara, die auf einer Insel gestrandet ist und sich durchschlagen muss. „Ich hasse Höhlen", sagt sie zu Beginn – ein Umstand, der sich in ihrer Zukunft ändern wird.

Mischung aus Lost und Hunger Games
Von der Atmosphäre und Geschichte lässt sich das neue Tomb Raider am einfachsten als eine Mischung aus der TV-Serie Lost, dem Film/Buch Hunger Games und dem Videospiel Uncharted beschreiben. Gestrandet auf einer mysteriösen Insel erkundet Lara die Umgebung, springt und klettert, um Freunde wiederzufinden.

Die Designer setzen hier auf eine Mischung aus freier Welterkundung und vorgegebenen Eventabläufen. Was weiters auffällt: Kämpfen und Schießen ist nicht mehr so einfach wie in früheren Teilen und erfordert Geschick. Im Zuge dessen tötet sie erstmals in ihrem Leben ein Tier, in späterer Folge auch den ersten Menschen – was sie beides emotional extrem belastet. In Zwischenszenen wird dieser Gefühlstress dramatisch erzählt. Ob dies auch den Spieler berührt, darf aber bezweifelt werden. Dieser Aspekt wirkt künstlich, da Lara nach dem ersten Kill mit Pfeil und Bogen keinerlei Probleme mehr hat, Gewalt auszuüben. In weiterer Folge wird ungehemmt geschossen und gesprengt.

Heulsuse
Laut Game-Designer Kyle Peschel wird der Kampf mit Naturkräften und die Wandlung einer naiven Zwanzigjährigen in eine starke, selbstbewusste Abenteuerin gespielt. Ziel sei es, den Spieler mit unangenehmen Situationen zu konfrontieren, um die Taten nicht unreflektiert geschehen zu lassen. In Zuge einer Präsentation wirkte der Kontext jedoch sehr oberflächlich und von Klischees geprägt. So ist Lara einen Großteil der Zeit schlamm- und blutverschmiert, um fix und fertig zu wirken. Sie hat Seitenstechen, kämpft mit Hunger und Kälte.

Bei körperlichen Anstrengungen stöhnt Lara oftmals und atmet tief. In emotionalen Situationen beginnt sie zu weinen oder schluchzen. Was beim ersten Mal noch interessant wirkt, erreicht nach einigen Wiederholungen eine gewisse Penetranz. Die Inszenierung eines schmerzhaft gutgläubigen, verletzlichen Mädchens wird zum Klischee.

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Benjamin Sterbenz

mehr lesen
Benjamin Sterbenz

Kommentare