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01.03.2015

Lumia 535 im Test: Microsofts preiswertes Debüt

Das erste Smartphone mit Microsoft-Branding ist ein günstiges Einsteigermodell mit passabler Hardware. Das Lumia 535 macht im futurezone-Test eine gute Figur.

Günstige Smartphones werden oft als Einsteigermodelle bezeichnet. In diesem Fall kann dieser Begriff sowohl für die Kunden als auch für den Hersteller angewendet werden. Denn das Lumia 535 ist das erste Smartphone mit Microsoft-Branding.

Allerdings war für Microsoft der Einstieg in den Smartphone-Markt nicht wirklich preiswert. 5,44 Milliarden Euro hat der Konzern aus Redmond für Nokias Handysparte bezahlt. Im Gegensatz dazu soll das erste Microsoft-Smartphone für die Kunden einen preiswerten Einstieg in die Smartphone-Welt ermöglichen. Ob Microsofts Lumia 535 die 120 Euro wert ist, hat sich die futurezone angesehen.

Microsoft Lumia 535 in Bildern

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Verpackt in Plastik

Neben der Single-SIM-Variante ist das Lumia 535, das unter Windows Phone 8.1 läuft, auch als Dual-SIM-Smartphone erhältlich. Bis auf den SIM-Karten-Slot sind die beiden Versionen in Sachen Hardware identisch.

Mit 140,2 x 72,4 x 8,8 Millimeter und einem Gewicht von 146 Gramm fällt das Lumia 535 zumindest rein äußerlich nicht sofort als 120-Euro-Smartphone auf. Auch das Design ist unaufgeregt und ansprechend.

Nimmt man es allerdings in die Hand, lässt das farbige Backcover, das bei leichtem Druck bereits nachgibt, schnell darauf schließen, dass es sich beim Lumia 535 um ein nicht allzu teures Smartphone handeln kann. Vor allem die seitlich angebrachten Power- und Volume-Tasten sowie die Verarbeitung der abnehmbaren Abdeckung, die das Gehäuse umschließt, wirken mehr als mäßig. Dabei kommt einem das Backcover eher wie eine mittelmäßige Smartphone-Hülle vor, die darüberhinaus recht rutschig ist. Durch seine abgerundeten Kanten auf der Rückseite liegt das Smartphone allerdings gut in der Hand.

Hardware

Angetrieben wird das Microsoft-Smartphone von einem Snapdragon 200 Chipset mit einer Quadcore 1,2 GHz CPU, der von einem Gigabyte Arbeitsspeicher unterstützt wird. Der interne Speicher beträgt acht Gigabyte. Allerdings bleiben durch den Platz, den das Betriebssystem benötigt, nicht ganz fünf Gigabyte Speicherplatz übrig. Dafür besteht die Möglichkeit, den Speicherplatz mit einer Micro-SD-Karte auf 128 Gigabyte zu erweitern. Außerdem stellt Microsoft 15 Gigabyte kostenlosen One-Drive-Cloud-Speicher zur Verfügung.

Das Lumia 535 unterstützt Bluetooth 4.0, DLNA und WLAN IEEE 802.11 b/g/n. LTE kann das Handy ebenso wenig wie NFC. Auf der Unterseite befindet sich ein Micro-USB-Slot, der zum Akkuladen und für Datenübertragungen verwendet wird, an der oberen Seite ist ein 3,5-mm-Klinkenanschluss. Außerdem verfügt das Microsoft-Handy über einen Umgebungslichtsensor, einen Beschleunigungssensor und einen Näherungssensor.

Im Großen und Ganzen schafft es der Snapdragon ohne Verzögerungen oder Ruckeln durch die Menüs zu navigieren. Wird er allerdings etwas mehr beansprucht, etwa beim Bearbeiten von Fotos oder beim Öffnen mancher Anwendungen, zeigt sich die Schwäche der CPU, was in etwas Wartezeit resultiert.

Praktisch ist, dass das Lumia 535 UKW-Radio empfangen kann, was Rechenleistung und Strom spart und das Datenpaket nicht belastet. Beim Test ist die Wiedergabequalität und der Radio-Empfang positiv aufgefallen.

Passables Display

Das IPS-LC-Display, der von Corning Gorilla Glass 3 geschützt wird, misst fünf Zoll und löst mit 960 mal 540 Bildpunkten auf, sodass man auf eine Pixeldichte von 220 ppi kommt. Der Bildschirm schafft es zwar, die Farben kräftig und kontrastreich wiederzugeben, man muss aber bei der Schärfe wesentliche Einbußen hinnehmen. Bei genauer Betrachtung sind die einzelnen Pixel deutlich zu sehen, was gerade beim Browsen bei manchen Schriftarten sofort negativ auffällt. Die Systemschriftarten sind allerdings so gewählt, dass sie in einwandfreier Schärfe wiedergegeben werden.

Dass sich das Display recht weit hinter dem Schutzglas befindet, mutet etwas eigenartig an. Ebenso bemerkenswert ist, dass zwischen Bildschirm und Gehäuse zusätzlich etwa ein bis zwei Millimeter dunkler Rand zu sehen sind. Für die 100-Euro-Preisklasse ist aber die Qualität des Bildschirms durchaus angemessen und kann sich im Vergleich zu anderen Geräten dieses Preissegments absolut sehen lassen. Bei Sonneneinstrahlung kommt das Display jedoch an seine Grenzen und es ist zum Teil recht schwierig etwas zu erkennen.

Akkulaufzeit

Die Kapazität des Li-Ionen-Akkus beträgt lediglich 1905 mAh. Die abgespeckte Hardware-seitige Ausstattung des Geräts wirkt sich anscheinend positiv auf die Akkulaufzeit aus. Vor allem das relativ schwache Display dürfte die Laufzeit des Akkus verlängern. Im Test hat der Akku bei durchschnittlicher Nutzung - Internet, Musik-Hören sowie Telefonie - zwei Tage durchgehalten und musste am dritten Tag aufgeladen werden.

Brauchbare Kamera

Sowohl die Haupt- als auch die Frontkamera lösen mit fünf Megapixel auf. Der Sensor der Hauptkamera hat eine Größe von 0,25 Zoll. Fotos sind im 4:3 und im 16:9-Format möglich. Außerdem gibt es auf der Rückseite des Gerätes einen kleinen LED-Blitz.

Beispielbilder mit dem Microsoft Lumia 535

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Videos können entweder mit Full Wide VGA, sprich 848x480 Pixel, oder mit herkömmlichen VGA, also 640x480 Pixel, aufgenommen werden. Die Lumia-Camera-App wurde von Microsoft gut gelöst. Sie wirkt minimalistisch, ist aber übersichtlich gestaltet und bietet jede Menge Einstellungsmöglichkeiten.

Für den niedrigen Preis von rund hundert Euro bietet das Lumia 535 eine einigermaßen gute Kamera. Sowohl bei Sonnenlicht als auch bei bewölktem Himmel und auch ohne Tageslicht entstehen mit dem Microsoft-Smartphone vorzeigbare Bilder.

Lumia Selfie

Die Frontkamera steht der Hauptkamera um nichts nach und nimmt Fotos mit durchwegs passabler Qualität auf. Für Selfie-Enthusiasten bietet Microsoft eine App namens "Lumia Selfie" mit der Selbstporträts entsprechend bearbeitet werden können. Neben zahlreichen vordefinierten Fotofiltern kann man etwa auch die Augen vergrößert, das Gesicht verschlanken, ein Lächeln hinzufügen, den Teint anpassen oder die Zähne aufhellen.

Betriebssystem

Bei der Beurteilung des Kachel-Menü-Designs scheiden sich seit Jahren die Geister. Es ist allerdings nicht schwieriger oder weniger intuitiv zu bedienen als der iOS- oder Android-Homescreen. Die alphabetisch geordnete Auflistung der Anwendungen könnte für Smartphone-Neulinge eventuell sogar eine Erleichterung gegenüber den meist verbreiteten Betriebssystemen darstellen. Störend ist allerdings, dass sich die Animationen der Live-Kacheln nicht deaktivieren lassen, was einen extrem unruhigen Homescreen zur Folge hat.

Beim Durchschauen des App Stores wird schnell klar, dass das Windows-Phone-Ökosystem noch immer mit niedrigen Marktanteilen kämpft. Wer den Apple-App-Store oder den Google-Play-Store gewohnt ist, dem wird der Windows-Phone-App-Store ausgedünnt vorkommen. Allerdings ist an dieser Stelle festzuhalten, dass die gängigsten Alltags-Apps wie Facebook, Twitter, WhatsApp, Shazaam, Skype, Foursquare, Dropbox, YouTube sowie verschiedene Navigationsanwendungen und Messenger-Dienste verfügbar sind. Außerdem sind die Microsoft-Office-Apps integriert.

Mit dem niedrigen Preis ist nicht nur die Hardware abgespeckt, man muss auch kleinere Einschränkungen beim Betriebssystem hinnehmen. So gibt es beim Lumia 535 keinen energiesparenden Glance-Screen-Modus und auch der Doppelklick auf den Bildschirm kann das Handy nicht aufwecken.

Denim Update

Das Lumia 535 läuft unter Windows Phone 8.1, das bereits mit der letzten großen Aktualisierung versorgt wurde. Das so genannte Denim Update bringt vor allem Verbesserungen für die Kamerafunktionen sowie eine neue Kamera-App namens Lumia Camera.

Außerdem bringt das Denim Update die Möglichkeit Ordner am Homescreen zu erstellen und auch Microsofts Sprachassistentin Cortana kommt damit in der Alpha-Version auf das Lumia.

Cortana lässt auf sich warten

Microsofts Sprachassistentin spricht zwar deutsch, ist allerdings in Österreich nicht verfügbar. In einem Interview Mitte Dezember erklärte Christian Maier, der bei Microsoft für die Sprachentwicklung von Cortana zuständig ist, dass die Sprachassistentin demnächst auch in Österreich Fragen beantworten soll. Laut Maier hängt die Verzögerung mit der Anpassung an die verschiedenen Dialekte zusammen. Wer schon jetzt mit Cortana plaudern will, muss nur seinen Standort auf Deutschland umstellen, dann ist Microsofts Sprachassistentin verfügbar.

Fazit

Microsofts Debüt am Smartphone-Markt schließt nahtlos an die knallbunte Lumia-Reihe von Nokia an. Das einzige wirklich Neue ist tatsächlich nur der Microsoft-Schriftzug.

Natürlich fällt die Hardware-Ausstattung dem Preis entsprechend niedrig aus. Die Einbußen bei Rechenleistung, Display-Qualität und Verarbeitung des Gehäuses sind aber ein durchaus passabler Kompromiss. Alles in Allem steckt in dem 120-Euro-Gerät alles, was man sich von einem Smartphone erwartet. Vor allem die Kamera liefert durchaus brauchbare Bilder.

Bleibt noch das Betriebssystem: Den Umstieg von Android oder iOS auf Windows Phone werden wohl die wenigsten Nutzer wagen. Dafür wirkt Windows Phone 8.1 trotz zahlreicher Verbesserungen teilweise immer noch ein wenig holprig und kann mit der Konkurrenz nicht wirklich mithalten. Chancen hat man wohl eher bei den Smartphone-Neulingen, die der niedrige Preis des Lumia 535 locken könnte. Und diese Einsteiger werden die investierten 120 Euro wohl auch nicht bereuen.

Technische Daten

Modell: Microsoft Lumia 535Betriebssystem: Windows Phone 8.1, Lumia DenimMaße und Gewicht: 140,2 x 72,4 x 8,8 mm, 146 Gramm ​Chipsatz, CPU: Qualcomm Snapdragon 200 Quad-core 1.2 GHz Cortex-A7GPU: Adreno 302RAM: 1 GBBildschirm: 5 Zoll, 540 x 960 pixels (220 ppi)Speicher: 8 GB (per microSD auf bis zu 128 GB erweiterbar)Kamera: 5 Megapixel Haupt, 5 Megapixel FrontAkku: 1905 mAhSonstiges: 802.11 b/g/n, DLNA, Bluetooth 4.0, UKW-RadioPreis: 119 Euro (UVP)