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Kamera Review
10/20/2011

Nikon AW100: Camo-Cam mit Nehmerqualitäten

Lange hat es gedauert, bis der Traditionshersteller Nikon eine eigene Outdoor-Digitalkamera veröffentlicht hat. Das Warten hat sich aber gelohnt, wie sich im futurezone-Test der robusten und mit GPS-bestückten AW100 herausgestellt hat.

von Gregor Gruber

Die AW100 (349 Euro) ist in Schwarz, Orange und Camouflage verfügbar. Aufgrund der recht geringen Anzahl an „getarnten“ Digicams hat sich die futurezone für den Test für die Camo-Look-Variante entschieden. Zur ungewöhnlichen Farbgebung hat ein Nikon-Mitarbeiter scherzhaft angemerkt: „Wir sind nicht kriegs verherrlichend, aber wenn die Camo-Cam im Wald auf den Boden fällt, findet sie der Besitzer nicht mehr und er muss eine neue kaufen - mehr Umsatz!“

Das Gehäuse ist aus robustem Kunststoff. Die getarnte Vorderseite ist leicht angeraut, was den Halt in Händen, spezielle wenn diese nass sind, verbessert. Damit die AW100 beim Rafting, Angeln oder sonstigen Aktivitäten nicht komplett den Bach runter geht, ist eine Handgelenksschlaufe im Lieferumfang enthalten.

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Wasserdicht
Was die Nehmerqualitäten der AW100 angeht, muss sie sich nicht hinter der Konkurrenz von Sony, Olympus, Canon oder Panasonic verstecken. Sie ist bis zu 10 Meter wasserdicht, trotzt Kälte bis zu minus zehn Grad und sollte Stürze auf hartem Untergrund aus einer Höhe von 1,5 Metern problemlos überstehen. Die Kamera hat nur eine Abdeckung, in der Akku, SD-Karte, HDMI und USB-Anschluss untergebracht sind. Der Verschluss ist eine Kombination aus Knopf und Drehrad - ein unbeabsichtigtes Öffnen ist nahezu unmöglich.

Das Glas des Objektivs ist zusätzlich im Gehäuse versenkt, um es vor Bruchschäden zu schützen. Das hat aber auch Nachteile. In der Versenkung sammelt sich verstärkt Schmutz und es bilden sich leichter Wasserflecken. Zum Putzen kann man zwar die AW100 einfach unter den Wasserhahn halten, aber danach sollte man das Glas vor dem Objektiv gut trocken wischen, um Flecken zu vermeiden. Auch nach einem Tauchgang sollte man darauf achten die Linse von Wassertropfen zu befreien, um freie Bahn für die nächsten Fotos und Videos zu haben.

GPS
Die AW100 hat einen eingebauten GPS-Empfänger. Damit können nicht nur die Fotos mit Geotags versehen werden, sondern es lässt sich auch der Aufnahmeort auf einer Karte direkt auf der Kamera anzeigen. Es kann auch einfach so der aktuelle Standort auf der Weltkarte angezeigt werden – praktisch für Wanderer, Waldläufer und Hobby-Entdecker.

Die AW100 kann auch einen elektronischen Kompass anzeigen. Hält man die Kamera horizontal wird die Richtung angezeigt, in die man die Kamera hält. Richtet man sie auf den Boden, wird eine Kompassnadel eingeblendet. GPS und Kompass verbrauchen zusätzlich Akku. Ist man also länger ohne Steckdosenzugang unterwegs und nicht auf Navigation und Geotagging angewiesen, sollte man diese Funktionen abschalten.

Action-Taste
Die große Taste an der linken Gehäuseseite kann alternativ belegt werden. Sie schaltet dann nicht die Karte ein, sondern wird zur Action-Taste. Drückt man sie, kann man durch das Schütteln der Kamera in einem Schnellmenü navigieren, um den Szenen-Modus zu wechseln, eine Videoaufnahme zu starten und die Karte oder aufgenommene Fotos und Videos anzeigen zu lassen. Die Idee dahinter ist, dass, wenn man dicke Handschuhe anhat, die relativ klein ausgefallenen Tasten der AW100 nur schwer bedienen kann. Den großen Action-Button trifft man aber auch noch mit Ski-Handschuhen und das Schütteln der Kamera sollte durch die Handbekleidung ohnehin nicht beeinträchtig sein.

Bildqualität
Die AW100 ist nicht nur wegen des Camo-Looks eigen. Üblicherweise spielen Digicams bei Sonnenlicht ihre Stärken aus und schwächeln, sobald es dunkler wird. Bei der AW100 ist es umgekehrt. In der Sonne sind die Farben etwas zu blass. Der Rand um das eingelassene Objektiv kann außerdem unschöne Lichtringe und –streifen auf Fotos und Videos erzeugen. Auch die Schärfe ist bei Bildern im direkten Sonnenlicht nicht immer optimal. Dafür fokussiert und löst die AW100 aber stets flott aus.

Strahlt die Sonne mal weniger oder verschwindet hinter dem Horizont, wird es schlagartig besser. Inklusive einem ISO-Wert von 800 ist kaum ein Bildrauschen bemerkbar, was für eine Digitalkamera dieser Größe eine beachtliche Leistung ist. ISO 1600 ist noch akzeptabel, 3200 ist nur in Notfällen eine Option.

Filme nimmt die AW100 mit 1080p mit 30 Bildern pro Sekunde auf. Die Schwenks sind flüssig, die Bildqualität gut. Nur eben im Sonnenlicht sind wieder die Farben eine Spur zu blass und die Chance auf Lichtringe hoch. Im Highspeed-Modus kann die AW100 mit 320x240 Pixel 240 Bilder pro Sekunde aufnehmen, mit 640x480 120 Bilder pro Sekunde und mit 1280x720 60 Bilder pro Sekunde. Als Spielerei kann in FullHD auch mit 15 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden. Bei der Wiedergabe sehen dann Bewegungen schneller aus, was an Stummfilm-Slapstick erinnert.

Fazit
Als reine Outdoor-Digicam macht die AW100 fast alles richtig, nur die Schwäche bei starkem Sonnenlicht ist lästig. Für den alltäglichen Gebrauch ist sie natürlich auch geeignet, jedoch fühlen sich die Bedientasten an der Rückseite nicht so hochwertig an, wie man es von einer normalen, nicht stoß- und wasserfesten Digicam in dieser Preisklasse erwarten würde.

Technische Daten:
* Rückwertig beleuchteter Sensor mit 16MP
* ISO bis 3200
* 5-fach Weitwinkel-Objektiv (28-140mm)
* Bis zu zehn Meter wasserdicht
* Videoaufnahme in FullHD
* SD-Karte bis zu 64GB unterstützt
* GPS-Modul mit Weltkarte
* Bildstabilisator