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Smart Home Nuki Smartlock im Test: Vernetzt, versperrt, verspielt.

Nuki 
Nuki  - Foto: Nuki
Mit dem intelligenten Türschloss aus Graz öffnet sich die Wohnungstür automatisch und kann per Smartphone verriegelt werden. Die futurezone hat das Smartlock getestet.

Schon bevor es das Produkt überhaupt gab, hat das Grazer Start-up Nuki für Aufsehen gesorgt und 2015 den futurezone Award den ersten Preis für die Smart Invention des Jahres abgeräumt. Seit ungefähr Mitte 2016 wird das smarte Türschloss nun ausgeliefert. Es zielt darauf ab, bereits bestehende Haus- und Wohnungstüren mit einem vernetzten, motorbetriebenen, automatischen Türöffner zu nachzurüsten. Angesteuert wird das Smartlock mit dem Smartphone per Bluetooth oder per optionaler Nuki Bridge über das Internet.

Als wir in der Redaktion ein Nuki-Schloss zum Testen zugesandt bekommen haben, war recht schnell klar, dass ich der einzige bin, der für den Test in Frage kommt. Denn Nuki passt nicht auf jeden Zylinder. Die genauen Voraussetzungen sind auf der Nuki-Website zum Nachlesen und sollten unbedingt beachtet werden, bevor man sich das smarte Schloss anschafft. Besonders wichtig ist, dass es sich beim Schloss um ein Doppelzylinderschloss handelt, bei dem es möglich ist mit einem zweiten Schlüssel den Zylinder auch dann zu betätigen, wenn auf der anderen Seite noch ein Schlüssel steckt.

Montage und Installation

Das Versprechen, dass Nuki sehr einfach und schnell zu installieren ist, kann ich nur bestätigen. Innerhalb weniger Minuten ist das smarte Schloss einsatzfähig. Hervorragend gelöst ist die Montage. Es muss dabei nicht gebohrt werden und das Schloss ist somit auch etwa für Mietwohnungen geeignet, da beim Entfernen des Schlosses keine Gebrauchsspuren sichtbar bleiben.

Nuki wird mit zwei Adaptern geliefert. Je nach Art des Zylinders wird der Adapter entweder auf das vorhandene Schloss geklebt oder mit drei Schrauben befestigt. Dann kommt der Schlüssel ins Schloss. Zu guter Letzt wird das Motorgehäuse auf dem Adapter befestigt. Und fertig ist die Montage. Das Smartlock verfügt über einen Knopf, der von einem leuchtenden LED-Ring eingefasst ist. Betätigt man den Knopf, wird die Tür ent- bzw. versperrt. Bei einem Doppelklick auf den Button wird die Lock'n'Go-Funktion ausgeführt: Doppelklick, man verlässt die Wohnung und nach zwanzig Sekunden verschließt das Smartlock die Tür automatisch.

Um welche Art von Schloss es sich handelt und ob die Tür außen einen Knauf hat, wird beim Setup festgelegt. Nach einer kurzen Kalibrierung ist Nuki auch schon einsatzbereit. Bei Türen, die über das herkömmliche Schloss hinaus gesichert sind - etwa mit Türkette, Kastenriegelschloss oder zusätzlich angebrachte Schlösser - kann Nuki nicht eingesetzt werden.

Angebracht wird Nuki ausschließlich auf der Innenseite der Tür, von außen ist also nicht erkennbar, dass die Tür auch ferngesteuert geöffnet werden kann. Nimmt das Schloss die Arbeit auf, ist allerdings laut und deutlich zu hören, dass hier ein Motor den Schlüssel dreht - auch im Hausgang außerhalb der Wohnung. Betrieben wird der Motor von vier AA-Batterien.

Inbetriebnahme

Gesteuert wird das Schloss per Smartphone-App, die minimalistisch aufgebaut ist. Mit einem Swipe kann das Schloss entriegelt bzw. die Tür geöffnet werden. Dieser Unterschied ist entscheidend. Denn gerade bei Wohnungstüren, die außen einen Knauf haben, kann Nuki die Tür nicht nur entriegeln, sondern betätigt für eine kurze Zeit auch den Schließer, sodass die Tür im Idealfall aufspringt.

In der Smartphone-Anwendung werden alle Nuki Smartlocks aufgelistet, es können weitere Nutzer hinzugefügt werden und sämtliche Einstellungen vorgenommen werden. Außerdem gibt es ein Protokoll, in dem Nachgesehen werden kann, wann, von wem und auf welche Weise - manuell oder automatisch - die Tür geöffnet wurde.

Nachdem die Installation kinderleicht war und in Windeseile erledigt wurde, wollte ich nun wissen, ob das Smartlock auch hält was es verspricht. Bluetooth-Verbindung zwischen Handy und Nuki hergestellt, Swipe hin - Tür wird entsperrt, Swipe her - Tür wird versperrt. Auch das "Tür-Öffnen" funktionierte einwandfrei.

"Nuki öffne dich"

Anschließend wollte wissen, ob sich denn die Tür tatsächlich automatisch öffnet, wenn ich mich ihr nähere. Dafür muss in der App die Auto-Unlock-Funktion aktiviert werden, die sich aktuelle noch in einer Beta-Phase befindet. Nun ist es allerdings so, dass sich jedes Mal die Tür öffnen würde, wenn ich mich durch die Wohnung bewege und das Smartphone eine Bluetooth-Verbindung mit dem Smartlock herstellt. Daher ist Nuki so gestaltet, dass es eine Auto-Unlock-Task erst triggert, wenn der User mit seinem Smartphone einen Geofence überschreitet, der einen Radius von ungefähr hundert Meter rund um das Smartlock einnimmt. Zusätzlich ist zu beachten, dass die Tür beim Verlassen der Wohnung auch tatsächlich verschlossen wird; und zwar per App oder per Lock'n'Go. Erfüllt man diese Voraussetzungen nicht, wird die Tür nicht automatisch geöffnet.  

Also: Tür per App versperrt, um den Häuserblock gelaufen und wieder zurück zur Tür. Sobald die Bluetooth-Verbindung zwischen Smartphone und Nuki hergestellt war, hat sich die Tür automatisch geöffnet und ich konnte "handsfree" die Wohnung betreten. Eine kurze Wartezeit vor der Tür, bis die Bluetooth-Verbindung zwischen Smartphone und Smartlock hergestellt ist, ist jedoch einzuplanen.

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Foto: Nuki

Anwendungsfall gesucht

Ein Use-Case, der einen großartigen Mehrwert in einer herkömmlichen Wohnung einer kleinen Familie bringen soll, ist mir auch einem Monat mit einem smarten Türschloss nicht wirklich ersichtlich geworden.

Nuki funktioniert einwandfrei, allerdings etwas verzögert. Wenn ich auf die Wohnungstür zugehe bin ich immer noch schneller als der Bluetooth-Verbindungsprozess. Das bedeutet, dass ich jedes Mal einige Sekunden, manchmal auch ein paar mehr Sekunden, vor der Türe stand und gehofft habe, dass sie sich nun endlich öffnet. Meistens hat das auch nach ungefähr fünf bis zehn Sekunden funktioniert. Manchmal habe ich jedoch beim Verlassen der Wohnung einen Fehler gemacht - per Schlüssel zugesperrt oder die Tür einfach nur ins Schloss fallen lassen - und die Auto-Unlock-Funktion wurde nicht getriggert, wobei ich erst wieder den Schlüssel bzw. das Smartphone zum Öffnen der Tür aus der Hosentasche holen musste.

Oft war der Grund für das Nicht-Öffnen der Tür, dass ich den Geofence von rund hundert Metern nicht überschritten habe. Gerade wenn man den Müll runter bringt oder zum Supermarkt, der sich im selben Haus befindet geht, kann es sein, dass der Geofence nicht überschritten wird.

Alles in allem macht das Erfüllen all dieser Voraussetzungen durchaus Sinn, irgendwann gewöhnt man sich wahrscheinlich auch daran. Doch im Alltag vor allem zu Beginn ist das Einhalten dieser Bedingungen kaum möglich und erscheinen auch vielleicht etwas kompliziert.  

Schlüssel ohnehin dabei

Da ich in der Stadt wohne, kann ich das Haus ohnehin nicht ohne Schlüssel verlassen, weil ich ja auch für die Eingangstür und auch für den Lift einen Schlüssel benötige. In meinem Fall ist das schlüssellose Öffnen der Wohnungstür also keine wirklich Erleichterung im Alltag, da ich aus dem Lift aussteige und mit dem Schlüssel in der Hand vor der Wohnungstür zu stehen komme. Dann muss erst die Bluetooth-Verbindung hergestellt werden usw. Auch als ich versucht habe, das letzte Stockwerk zur Wohnung über die Stiege zurückzulegen, war der Verbindungsaufbau zu langsam. Nach ungefähr einer Woche habe ich wieder damit begonnen, die Wohnungstür mit der Hand aufzusperren, weil mir das ständige, kurze Warten vor der Tür zu blöd wurde.

Wer beispielsweise nicht ständig Bluetooth aktiviert hat oder es aus energiespargründen deaktiviert hat, muss jedes Mal beim Erreichen der Wohnung das Bluetooth-Modul wieder einschalten um den Genuss des automatischen Türöffnens kommen zu können.

Wie der ganze Anwendungsfall bei einem Einfamilienhaus aussieht, kann ich schwer beurteilen und kommt natürlich auf die individuellen Gegebenheiten an, etwa Gartentür, Garagentor, und Modell der Haustür.

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Foto: Nuki

Wo Nuki Sinn macht

Ein weiterer Use-Case, der sich ergibt, sind etwa temporäre Betreter der Wohnung, beispielsweise Reinigungskräfte, Handwerker, Boten oder Besucher, die zu früh kommen. In all diesen Fällen kann das Nutzermanagement durchaus Sinn machen - vor allem etwa bei Reinigungskräften, die regelmäßig in die Wohnung kommen, während man außer Haus ist. In diesem Fall könnte man für einen bestimmten Nutzer ein Zeitfenster festlegen, in dem er mit seiner App die Tür öffnen kann. Auch in einem Büro, Co-Working-Space oder ähnlichen Räumlichkeiten könnte Nuki mit seinem User-Management einen wirklichen Mehrwert bieten.

Bei Handwerkern oder Boten könnte man beispielsweise die Tür aus der Ferne, über das Internet öffnen und nachdem sie die Wohnung wieder verlassen haben, versperren. Ob man dabei ein gutes Gefühl hat, sei jedem selber überlassen. Voraussetzung in diesem Fall ist jedoch eine Nuki-Bridge, die das Smartlock mit dem Internet verbindet.

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Die Nuki Bridge - Foto: Nuki

User-Management

In solchen Fällen mit Gastnutzern und temporären Zutrittsrechten, sollte man unbedingt den Administration-Bereich der App mit einem Pin-Code schützen. Denn Nuki macht keinen ersichtlichen Unterschied zwischen Besitzer und Gastnutzer, sodass defaultmäßig jeder Nutzer Zugriff auf sämtliche die Einstellungen hat. Überlegenswert ist jedoch einen zweiten Admin zu haben, sollte mal das Smartphone verloren gehen. Ein Hard-Reset, also das Smartlock samt Nutzerverwaltung per Hand zurückzusetzen ist jedenfalls auch möglich.

Sicherheit

Was mir zu Beginn grundlegend etwas Bauchweh bereitet hat, ist die Tatsache, dass ich nun ein smartes Teil am Türschloss hängen habe, das in der Lage ist, ohne mein Zutun die Tür zu öffnen. Ich bin den ganzen Tag unterwegs und kann praktisch nur hoffen, dass das Smartlock keine Fehlfunktion hat und die Tür unabsichtlich öffnet. Diese Bedenken waren aber nach einigen Tagen ausgeräumt, eine Fehlfunktion habe ich in dem gesamten Testzeitraum von etwas mehr als einem Monat nie mitbekommen.

Ein bisschen Bauchweh ist allerdings geblieben, vor allem solange ich die Nuki Bridge in Verwendung hatte. Denn - wie erwähnt - verbindet sie das Smartlock mit dem Internet, sodass es auch online verwaltet werden kann. Das Start-up Nuki ist jedoch sehr darum bemüht, derartige Sicherheitsbedenken auszuräumen: Die Bluetooth-Kommunikation zwischen App und Smartlock ist end-to-end-verschlüsselt, ebenso jegliche Online-Kommunikation zwischen Bridge, App und Smartlock.

Kindersicherung

Ein herkömmliches Schloss braucht man nur versperren und den Schlüssel abziehen, um es kindersicher zu machen. Das Smartlock hingegen kann jederzeit per Knopfdruck entriegelt werden, sodass Kleinkinder ungehindert Wohnung oder Haus verlassen können. Zumal das Drücken des Knopfes, blinkender LED-Ring samt Motorengeräusch eine magische Anziehungskraft auf Kleinkinder zu haben scheinen. Dieser Fall wurde berücksichtigt, sodass es in der App möglich ist, den Knopf am Smartlock zu deaktivieren.

Fazit

Mit gemischten Gefühlen gebe ich das Nuki Smartlock wieder zurück. Vor allem die einfache Installation ohne sichtbarer Gebrauchsrückstände, die simple Handhabung sowie die App sind wirklich hervorragend gelöst. Alles funktioniert auf Anhieb genauso wie es soll und auch das Design sowie die Verarbeitung des Smartlocks sind durchaus gelungen.

Nuki ist bestimmte eine smarte Invention, die in bestimmten Anwendungsfällen durchaus Sinn macht und die 299 Euro (inklusive Bridge) gut investiert sind. In vielen Fällen wird das Smartlock jedoch eine lustige Spielerei bleiben, die keinen besonderen Mehrwert zum herkömmlichen Schlüsselumdrehen darstellt.

(futurezone) Erstellt am 09.01.2017, 06:00

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