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Galaxy Z Fold4 im Test: Für immer kurios

Das große faltbare Display des Fold macht immer noch einiges her

Mit 10 Millionen Stück wurden 2021 zwar so viele faltbare Smartphones verkauft wie noch nie - der Anteil am gesamten Markt mit 1,43 Milliarden Handys (2021, laut Gartner) ist aber immer noch verschwindend gering. Samsung bleibt dennoch dran und setzt die Serie weiter fort. 

Der desaströse Start der ersten Generation (man erinnert sich an reihenweise kaputtgehende Testgeräte von Journalist*innen) scheint vergessen, mittlerweile sind wir bei der vierten Generation angekommen, dem Galaxy Z Fold4

Nachdem ich bereits einige Zeit mit dem Vorgänger verbracht habe, durfte ich nun auch die neueste Variante testen. 

Samsung Galaxy Z Fold4

Aufbau, Verarbeitung und Handhabung

Das Grundprinzip des Smartphones ist gleich geblieben. Das Gerät verfügt über ein 7,6 Zoll großes Display, das mittig gefaltet werden kann. Ist es zusammengeklappt, hat man auf der Außenseite noch ein sekundäres Außendisplay mit einer Diagonale von 6,2 Zoll. Das heißt: Zusammengeklappt lässt sich das Gerät also wie jedes andere Smartphone mit lang gezogenem Display nutzen (siehe oben 2. Foto), aufgeklappt hat man ein Android-Tablet mit einem fast quadratischen Display. 

Die Verarbeitung der Fold-Geräte hat sich im Laufe der Jahre gebessert, auch von 3 auf 4 sind kleine und merkbare Verbesserungen merkbar. Das Scharnier und der Klappmechanismus wirken ausgereift und machen einen langlebigen Eindruck. Im Vergleich zum Fold3 ist der Rahmen weniger glatt und weniger rund. Eine scheinbare Kleinigkeit, die aber einen großen Unterschied macht: Klappt man das Handy auf, rutscht man mit den Daumen weniger leicht ab. 

Was sich nicht verändert hat, ist der kleine Spalt, der bleibt, wenn das Handy zusammengeklappt ist. Das ist technisch wohl nur äußerst schwer vermeidbar, sorgt aber dafür, dass sich Staub und anderer Schmutz gerne auf dem Falt-Display breit macht. Immerhin ist das Fold4 IPX8-zertifiziert und somit wasserdicht.

Obwohl das Fold4 ein paar Millimeter kleiner und ein paar Gramm leichter ist als sein Vorgänger, trägt es immer noch ordentlich auf - vor allem im zusammengeklappten Zustand. Mit 263 Gramm und einer Dicke von knapp 16 Millimeter wundert das auch nicht. Es ist immer noch fast so, als würden 2 gewöhnliche Smartphones übereinander liegen. 

Im Hinblick auf Anschlüsse ist das Fold so minimalistisch, wie es sein kann: Lediglich ein USB-C-Anschluss ist vorhanden. Der Fingerabdrucksensor befindet sich im Power-Button, er funktioniert tadellos. Ich würde einen solchen physischem Sensor jedem Unter-Display-Fingerabdruckleser vorziehen.

Herzstück ist kein Samsung-eigener Exynos-Chip, sondern ein Snapdragon der 8. Generation in 4nm-Bauweise (SM8475). Der High-End-SoC liefert für alle derzeit erdenklichen Anwendungen genügend Leistung. 

Der Fingerabdrucksensor

Die Displays

Der “Star” des Fold ist das 7,6-Zoll-Hauptdisplay. Es hat eine Bildwiederholrate von 120Hz und eine Auflösung von 1812 x 2176 Pixel. Das ist etwas anders als der Vorgänger, was einem minimal veränderten Seitenverhältnis geschuldet ist. Auffallen tut diese Änderung in der Praxis aber nicht. Der AMOLED-Screen kann mit kräftigen Farben und schönen Kontrasten punkten, Fotos und Videos darauf anzusehen, macht wirklich Freude. 

Dass das Display faltbar ist, hat aber auch einige Nachteile im Vergleich zu gewöhnlichen Displays. So ist die Oberfläche nicht ganz so hart, wie man es gewohnt ist. Dieser Umstand ist im Laufe der Fold-Generationen zwar besser geworden, aber immer noch merkbar. Das führt auch dazu, dass man besonders aufmerksam sein muss, um keine Kratzer zu verursachen. Auch spiegelt das Falt-Display im Freien etwas mehr. Durch die hohe Helligkeit ist es aber in der Regel dennoch gut lesbar. 

Ganz eben ist das große Display auch nicht. So ist mittig - in dem Bereich, der gefaltet wird - eine Unebenheit spür- und sichtbar. Als störend empfinde ich das allerdings nicht. 

Das äußere Sekundärdisplay löst mit 904 x 2316 Pixeln auf und hat ein etwas eigenwilliges Seitenverhältnis von 23.1:9. Dadurch ist es schmäler bzw. lang gezogener als normale Handy-Displays. Das hat in der Praxis zur Folge, dass manche Apps auf dem Sekundär-Screen etwas zusammengeschoben wirken. Auch werden dadurch die Tasten der Keyboards schmäler, was das Tippen manchmal zu einer kleinen Herausforderung werden lässt. 

Die Kameras

Insgesamt verfügt das Fold über 5 Kameras: 3 Linsen auf der Rückseite (Normal, Ultra-Weitwinkel und Tele) sowie 2 Front-Kameras über jedem der Displays. Die Frontkamera des äußeren Screens ist in einem Loch untergebracht. Die Selfie-Cam des Falt-Screens liegt hingegen unter dem Display.

Die Kameraausstattung des Fold4 gleicht nahezu der des Galaxy S22. Die Hauptkamera löst mit 50 Megapixel auf, die Tele-Kamera mit 10 Megapixel plus 3-fach optischem Zoom und die Ultra-Weitwinkelkamera hat eine maximale Auflösung von 12 Megapixel. In der Praxis entsprechen die Fotos dem, was man von aktuellen Smartphone-Spitzenmodellen kennt. An Schärfe, Farben und Kontrast gibt es nichts auszusetzen, eine vollautomatische Szenenerkennung registriert, was man gerade fotografieren möchte und passt die Einstellungen entsprechend an - etwa ob man gerade sein Mittagessen oder ein Bergpanorama fotografiert. Mit an Bord ist auch ein Porträtmodus, der Fotos dank künstlicher Unschärfe wie Spiegelreflex-Aufnahmen wirken lässt. 

Die äußere Frontkamera mit 10 Megapixel liefert ebenfalls Gewohntes ab. Etwas interessanter wird es bei der Selfie-Kamera hinter dem faltbaren Display. Aufgrund der Pixel über der Linse dringt hier weniger Licht zur Kamera durch, deswegen gerade Selfies oder Videotelefonie in dunklen Umgebungen oft etwas verwaschen sind. Im Vergleich zum Vorgänger ist die Qualität jedoch merkbar besser geworden und für den ein oder anderen Teams-Anruf, den man gerne über das schöne große Display erledigen möchte, reicht es allemal. 

Software und Akku

Das Galaxy Z Fold4 kommt mit Android 12. Aufgeklappt ist das Smartphone ein kleines Tablet und das Thema Android auf Tablets ist ein schwieriges. Weil Android-Tablets nie wirklich einen Durchbruch erlebt haben, ist die Entwicklung von Funktionen für große Bildschirme ins Stocken geraten. Das führte auch dazu, dass zahlreiche Apps für Android entweder gar keine oder keine allzu gute Tablet-Ansicht haben.

Auf dem Fold wird diesem Problem begegnet, indem Multitasking in den Fokus gerückt wird. Das ist keine schlechte Lösung: Das Bedienen mehrerer Apps gleichzeitig ist auch intuitiv möglich - in erster Linie durch die Taskbar am unteren Ende des Displays. Dort finden sich standardmäßig die Icons der zuletzt genutzten Apps, die man so schnell auf Teilen den Screens öffnen kann.

Wenn ich etwa auf einer Webseite surfe und mir davon Notizen machen möchte, muss ich nicht permanent zwischen Browser und Notiz-App herumspringen. Stattdessen öffne ich zuerst die Notiz-App, dann den Browser. Weil ich auf die Notiz-App kürzlich zugegriffen habe, befindet sich ihr Icon unten in der Leiste am Display. Von dort schnappe ich sie mir etwa und kann sie direkt auf der rechten Hälfte des Displays anzeigen lassen, während auf der linken weiterhin der Browser offen ist. 

Gleichzeitig gibt es aber immer mehr Applikationen, die sich sinnvoll über dem großen Screen ausbreiten. Dazu zählen in erster Linie hauseigene Samsung- sowie Google-Apps.

Das Fold4 verfügt über 2 Li-Po-Akkus mit einer Gesamtkapazität von 4.400 mAh. Das ist genauso viel wie beim Vorgänger, im Alltag hält es aber dennoch länger durch. Ganz so lang wie ein gewöhnliches Smartphone mit nur einem Bildschirm geht es ohne Steckdose aber nicht.

Während ich mit dem Galaxy S22 selbst bei intensiver Nutzung gut eineinhalb Tage durchkomme, ist beim Fold der Akku abends im oder zumindest knapp am einstelligen Prozentbereich dran. 

Generell bin ich mit der Akkulaufzeit nicht unzufrieden - wenn man das große Falt-Display intensiv nutzt, ist es aber definitiv ratsam, tagsüber bei Gelegenheit etwas nachzuladen, damit man über den Tag kommt. 

Fazit

Mit dem Fold4 führt Samsung seinen Weg konsequent fort, ohne bei der neuen Generation irgendetwas konzeptionell anders zu machen. Das Falt-Handy wurde an zahlreichen kleinen und durchaus sinnvollen Stellen nachgebessert und ist somit - um etwas in Apple-Sprache abzurutschen - das beste Fold aller Zeiten. Bei der Software ist ein größerer Sprung gelungen. Das nun deutlich intuitivere Multitasking lässt mich den großen Screen deutlich besser ausnutzen. 

Pro und Contra

Pro

  • Schönes, großes Display
  • Software macht sich den großen Screen besser zunutze
  • Flaggschiffkamera
  • Kuriositätsfaktor

Contra

  • Immer noch groß und schwer
  • Anfälliges Faltdisplay
  • Hoher Preis

Die Form des Fold hat im Alltag auch Nachteile: Es ist zusammengeklappt etwas klobig uns generell schwer. Außerdem ist das große Display anfällig für Kratzer, das äußere Sekundärdisplay lässt sich aufgrund der schmalen Bauweise nicht ganz so komfortabel bedienen, wie bei einem normalen Handy. Und auch der Stromverbrauch ist höher, als man es kennt. 

Dennoch: Der Vorteil, einfach immer ein Tablet eingesteckt zu haben, ist im Alltag viel wert. Egal, ob man die Urlaubsfotos schnell einmal in Groß herzeigen, oder im Zug ein Spiel spielen möchte: Der 7,6 Zoll große Screen ist immer nur ein Aufklappen weit entfernt. Dazu kommt der Kuriositätsfaktor, der ebenfalls nicht zu unterschätzen ist. 

Für dieses Paket muss man allerdings stolze 1.799 Euro hinlegen.

Technische Spezifikationen

Display innen: 7,6 Zoll mit 2.176 x 1.812 Pixel und 120 Hz

Display außen: 6,2 Zoll, 2.316 x 904 Pixel, 120 Hz

Kamera (Rückseite): Weitwinkelobjektiv: 50 MP Dual Pixel (f1.8), Teleobjektiv: 10 MP (f2.4), Ultra-Weitwinkelobjektiv: 12 MP

Frontkameras: 10 MP Dual Pixel (f2.2) vorne, 4 MP Under Display Camera (f1.8) innen

Akku: 4.400 mAh

Farben: Graygreen, Phantom Black, Beige, Burgundy

Preis: 1.799 Euro (256 GB), 1.919 Euro (512 GB), 2.159 Euro (1 TB)

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Thomas Prenner

ThPrenner

Beschäftigt sich mit Dingen, die man täglich nutzt. Möchte Altes mit Neuem verbinden. Mag Streaming genauso gern wie seine Schallplatten. Fotografiert am liebsten auf Film, meistens aber mit dem Smartphone.

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