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21.08.2017

Sennheiser MB 660 im Test: Komfort hat seinen Preis

Die Qualitätsansprüche an den deutschen Audiospezialisten sind gewohntermaßen hoch. Ob er sie mit seinem Over-Ear-Kopfhörer MB 660 erfüllen kann, haben wir uns angesehen.

Der Sennheiser MB 660 ist das "Business-Pendant" zum Reisekopfhörer PXC 550. Zusätzlich zur Wiedergabequalität legt der MB 660 den Fokus auf hohe Sprachqualität beim Telefonieren. Es gibt ihn in zwei Varianten: Die Version MB 660 UC ist für UC-Plattformen optimiert und mit den meisten Business-Kommunikations-Plattformen kompatibel. Der MB 660 UC MS ist darüber hinaus für "Skype for Business" zertifiziert.

Sennheiser MB 660

Sennheiser MB 660

Sennheiser MB 660

Sennheiser MB 660

Sennheiser MB 660

Sennheiser MB 660

Sennheiser MB 660

Sennheiser MB 660

Kopfhörer zum Telefonieren

Beim Telefonieren wird die Stimme von drei integrierten Mikrofonen aufgenommen. Laut Sennheiser erkennt der MB 660 die Stimme des Nutzers und reduziert alle anderen Geräusche auf ein Minimum, etwa Rascheln von Papier oder Tastatureingaben. Der MB 660 ist auch in der Lage Windgeräusche herauszufiltern, sodass die Telefonie-Funktion auch im Freien genutzt werden kann. Im Praxiseinsatz ist die Gesprächsqualität tatsächlich einwandfrei und tendenziell besser als mit einem durchschnittlichen Smartphone.

Touch-Pad auf Hörmuschel

An der rechten Hörmuschel des Kopfhörers befinden sich die Bedienelemente. Neben einer LED-basierten Akku-Anzeige, dem Knopf für die verschiedenen Wiedergabe-Effekte sowie dem Ein- und Ausschalter für die Geräuschunterdrückung, ist dort auch das Touch-Pad zu finden. Wischt man mit dem Finger über das Touch-Pad, wird je nach Geste eine bestimmte Aktion ausgeführt. Rauf und runter ist für die Lautstärken-Kontrolle, vor und zurück für die Track-Auswahl.

Es gibt unter anderem auch Gesten zum Annehmen bzw. Beenden eines Telefongesprächs, Wahlwiederholung, Mute sowie der Talk-Through-Funktion. Dabei wird die Wiedergabelautstärke der Musik leicht gesenkt und das Umgebungsgeräusch per Mikrofon zur Hörmuschel durchgereicht. Diese Funktion soll sich vor allem bei Durchsagen am Flughafen oder wenn man im Büro von Kollegen angesprochen wird, eignen. In letzterem Fall funktioniert das Talk-Through zwar einwandfrei, richtig sympathisch ist es allerdings nicht, wenn man einem Kollegen zuhört, es aber nicht der Mühe wert findet, dafür den Kopfhörer abzunehmen.

Die einzelnen Gesten für das Touch-Pad funktionieren ohne weiteres. Allerdings dauert es ein wenig, bis man sich all die verschiedenen Gesten merkt.

Soundqualität

Von Kopfhörern dieser Preisklasse und aus dem Hause Sennheiser ist die Erwartung an die Wiedergabequalität hoch. Es wird recht schnell klar, dass sich Sennheiser in Sachen Wiedergabequalität mit dem MB 660 keine schlechte Nachrede einhandeln wird. Die Kopfhörer sind in der Lage, sowohl beim Telefonieren als auch beim Musikhören diese hohen Ansprüche zu erfüllen. Sei es Jazz, Klassik, Rock, Hip-Hop, Elektronik oder Ambient: An der Wiedergabequalität gibt es nichts auszusetzen. Der Bass ist satt, aber nicht übertrieben. Die Mitten haben genügend Platz um gut zur Geltung zu kommen, während die hohen Töne ebenso klar wiedergegeben werden.

Wer will kann mithilfe der dazugehörenden CapTune-App die Wiedergabe per Equalizer feintunen oder sich an vorgegebenen Sound-Profilen orientieren.

CapTune App von Sennheiser

CapTune App von Sennheiser

CapTune App von Sennheiser

CapTune App von Sennheiser

Tragekomfort

Die MB 660 sind angenehm zu tragen. Da sie das Ohr komplett umschließen, entsteht am Ohr selbst kein hoher Druck. Die Hörmuschel der Kopfhörer besteht aus Kunstleder und ist angenehm weich. Auch das Gewicht mit 227 Gramm fällt nicht zu hoch aus. Selbst nach einem langen Tag im Büro, an dem ich die Kopfhörer die meiste Zeit verwendet habe, gab es keine Unannehmlichkeiten oder schmerzende Druckstellen.

Kein Power-Button

Gerade bei Bluetooth-Kopfhörer ist das Ein- und Ausschalten meist unbefriedigend gelöst. Ohne einer LED-Anzeige weiß man oft nicht, ob die Kopfhörer aus oder an sind und eine permanent leuchtende - vielleicht sogar blinkende - LED-Anzeige ist beim Tragen im öffentlichen Raum nicht gerade wünschenswert.

Beim MB 660 und beim PXC 550 hat Sennheiser das Ein- und Ausschalten der Kopfhörer ohne dedizierten Power-Button perfekt umgesetzt. Dreht man die Hörmuscheln parallel zu Tragebügel schaltet sich das Headset aus; dreht man es wieder zurück in die herkömmliche Trageposition werden die Kopfhörer eingeschaltet.

Geräuschunterdrückung

Dass die Geräuschunterdrückung manuell aus- oder eingeschaltet werden kann, ist ein Pluspunkt. Darüber hinaus kann die Stärke der Geräuschunterdrückung per CapTune-App mit Schiebereglern stufenlos eingestellt werden.

Monotone Hintergrundgeräusche, etwa beim Zugfahren, im Flieger oder das Tastatur-Geklimper im Großraumbüro, filtern die MB 660 nahezu zur Gänze raus. Bei unregelmäßigen Geräuschen tun sie sich naturgemäß schwerer.

Ist die Geräuschunterdrückung aktiviert, wird die Wiedergabequalität ein wenig gemindert. Der Klang wird etwas dumpfer und kommt nicht mehr ganz so klar rüber als bei deaktiviertem Noise-Cancelling.

Akku

Sennheiser gibt die Laufzeit des 700mAh-Akkus mit 30 Stunden an. Diese bezieht sich auf die Verwendung per Bluetooth und deaktiviertem Noise-Cancelling. Diese Akku-Laufzeit bestätigte sich im Test. Während einer normalen Arbeitswoche habe ich die MB 660 lediglich ein oder zweimal aufgeladen, ohne, dass der Akku vollständig leergesaugt war.

Schaltet man die Geräuschunterdrückung ein, reduziert sich die Akku-Laufzeit drastisch. Man kommt damit aber immer noch über einen herkömmlichen Arbeitstag, an dem man die Kopfhörer mehrere Stunden verwendet und auch ein wenig damit telefoniert.

Ist der Akku nicht aufgeladen, kann der MB 660 per herkömmlichen 3,5mm Klinkenkabel verwendet werden.

Technische Daten

Die Impedanz wird von Sennheiser mit 490 Ohm aktiv bzw. 46 Ohm passiv angegeben. Der Übertragungsbereich liegt zwischen 17 und 23.000 Hz. Der MB 660 kann Bluetooth 4.2 und ist NFC-fähig. Beim Telefonieren liegt der Übertragungsbereich der drei integrierten MEMS-Mikrofone zwischen 150 und 6800 Hz.

Die MB 660 und die PXC 550 sind beide NFC-fähig. Damit lässt sich das Bluetooth-Pairing mit Wiedergabegeräten schneller und einfacher organisieren.

Für die Verwendung am PC liefert Sennheiser einen Bluetooth-Dongle mit. Außerdem im Lieferumfang enthalten: Ein Hardcase zum Verstauen der Kopfhörer, ein Flugzeug-Adapter, ein USB-Kabel und ein Audiokabel mit Klinkenstecker.

Fazit

Der MB 660 richtet sich vor allem an jene, die im Großraumbüro viel Telefonieren müssen und dafür eine ausgewiesene UC-Plattform oder ein Smartphone verwenden. Wenn die Telefonfunktion nicht im Mittelpunkt stehen muss, sollte eher zum PXC 550 gegriffen werden.

Die Sennheiser MB 660 bzw. die PXC 550 sind hervorragende, kabellose, Ohr-umschließende Kopfhörer, bei denen man auf keine Funktion verzichten muss: umfangreiche Touch-Steuerung direkt am Kopfhörer, ausdauernder Akku, erstklassige Wiedergabe- und Sprachqualität, hoher Tragekomfort und effiziente Geräuschunterdrückung. Wer unbedingt einen negativen Punkt finden will wird sich schwer tun, kann ihn aber am ehesten bei den leicht verwirrenden Gesten zur Touch-Bedienung ausmachen.

Auf Amazon werden die MB 660 UC MS von Sennheiser selbst um 398,45 Euro verkauft. Die PXC 550 werden ebendort um 359 Euro angeboten.