© Gregor Gruber

Produkte
01/06/2012

Sensation XL im Test: Der weiße Musikriese

Bei HTC sind alle guten Dinge Zwei: Das Sensation XL ist nicht nur das zweite Handy des taiwanesischen Herstellers mit Beats Audio, sondern auch das zweite mit einem 4,7-Zoll-Display. Technisch kann es aber nicht mit anderen Android-Smartphones mithalten, die ebenfalls auf große Bildschirme setzen.

Nach dem Sensation XE ist das HTC Sensation XL das zweite Smartphone, das von der Kooperation zwischen HTC und Dr. Dres Kopfhörer-Label Beats Audio profitieren soll. Gleichzeitig ist es auch HTCs zweites Smartphone, das ein 4,7-Zoll-Display hat. Gerät Nummer Eins war das HTC Titan, das als Betriebssystem Windows Phone 7.5 nutzt. Das Sensation XL setzt zwar auf Android, ist aber technisch fast mit dem Titan ident – und dadurch technisch den Android-Display-Riesen von Samsung unterlegen. Die futurezone hat das Sensation XL getestet.

htc sensation xl

htc sensation xl

htc sensation xl

htc sensation xl

htc sensation xl

htc sensation xl

htc sensation xl

Eingefärbt
Das Sensation XL ist die Android-Variante des HTC Titan. Die beiden teilen das selbe Display, die selbe Kamera, den selben Prozessor und den selben Speicher. Was die beiden nicht teilen, ist das Gehäuse. Das Sensation XL ist Weiß. Das Front-Weiß passt farblich nicht ganz zum Weiß des Rahmens und auch die Silber-farbene Rückseite trägt nicht zu einem harmonischen und eleganten Look bei, den man sonst von HTC-Modellen gewohnt ist.

Zum Einlegen des Akkus wird, wie schon beim Titan, das Display mit allen Innereien aus der Gehäuse-Schale gehoben. Im Gegensatz zum Titan ist aber die Gehäuseschale beim Sensation XL nicht ganz durchgehend. Beim Titan ragte die Gehäuseschale an der Vorderseite über den Lautsprecher, beim Sensation XL wird die Gehäuse an der Rückseite oben nur eingehängt. Dadurch gibt sie an der Unterseite nach, begleitet von einem Knirsch- und Quietschgeräuschen. Das eigentliche Gerät ist zwar robust, doch durch die nachgebende und quietschende Gehäuseschale wirkt es fragiler als es ist.

Obwohl die Dimensionen des Sensation XL kaum größer als die des Samsung Galaxy Nexus (4,65 Zoll Display) sind, wirkt es um einiges größer und wuchtiger. Das liegt auch am Gewicht von 162,5 Gramm (Nexus Galaxy: 135 Gramm). Für eine bequeme Handhabung sollte man große Hände haben. Doch auch für diese ist der Standby-Knopf an der Gehäuse-Oberseite nur schwer bequem zu erreichen.

Leistung
Das 4,7 Zoll großer Super-LCD-Display ist dasselbe wie beim HTC Titan. Es ist sehr hell und bietet kräftige Farben, kommt aber nicht ganz an den Kontrastreichtum der Super-AMOLED-Displays heran. In den hohen Helligkeitsstufen neigen die Farben zudem zum Auswaschen.

Trotz der imposanten Größe das Display die Standard-Auflösung von 800x480 Pixel. Beim Titan funktionierte das recht gut, da die Kachel-Ansicht von Windows Phone ohnehin auf große Flächen setzt. Beim kleinteiligen Android Sieht das anders aus. Widgets und Icons am Homescreen sehen pixelig aus und im App-Menü wirken die Icons in die Größe gezogen. Man hat das Gefühl, dass die Display-Größe nicht ausgenutzt wird.

Der Akku entspricht mit 1600mAh ebenfalls dem des HTC Titan. Einen Arbeitstag mit durchschnittlicher Nutzung übersteht das Sensation XL problemlos, für zwei Tage sollte man auf das Websurfen über 3G, Fotografieren und Spielen verzichten. Der Single-Core-Prozessor hat 1,5GHz, der RAM wurde im Vergleich zum HTC Titan auf 768MB erhöht. Bei den üblichen Android-Anwendungen kam es zu keinen Verzögerungen. Im direkten Vergleich mit dem Dual-Core Galaxy Nexus fiel der Unterschied in einer etwas längeren Auslöse-Verzögerung bei der Kamera auf (die aber immer noch angenehm kurz ist) und das Videos nur mit 720p statt 1080p aufgenommen werden können.

Der interne Speicher ist, wie beim HTC Titan, 16GB groß. Davon sind 12,64GB nutzbar. Einen MicroSD-Kartenslot zur Erweiterung des Speichers gibt es nicht.

Software
Wie für HTC üblich wird über Android die eigene Oberfläche HTC Sense gelegt. Im Fall des Sensation XL ist das HTC Sense 3.5. Zu den üblichen, vorinstallierten Apps kommt noch Dropbox und Tango hinzu. Mit „Notizen“ ist auch eine Notiz-App dabei, mit der Stimmaufnahmen, Zeichnungen, Text oder Fotos abgespeichert und auch mit Kalendereinträgen verknüpft werden können. Die Notizen können auch über das ebenfalls vorinstallierte Evernote synchronisiert werden.

Ein Nachteil der HTC Sense-Oberfläche: Die Leiste am unteren Bildschirmrand mit „Alle Apps“, „Telefon“ und „Personalisieren“ ist nach wie vor fix und kann nicht geändert werden. Über Personalisieren können Widgets und Shortcuts auf den Homescreen platziert werden, sowie der Hintergrund, der Lockscreen-Shortcuts und Klingeltöne eingestellt werden. Das ist allerdings nichts was man normalerweise öfters macht, zudem erscheint der Menüpunkt Personaliseren auch, wenn man am Homescreen ist und die Menütaste drückt. Hier wäre ein frei belegbarer Shortcut besser gewesen.

Einige der HTC-Widgets wurden ebenfalls überarbeitet. Spektakuläre Änderungen sind nicht dabei, außer, dass es vom klassischen HTC Weltuhr/Wetter-Widget jetzt auch eine kompaktere Variante gibt.

Sound & Kamera
Wie schon das Sensation XE wird das XL mit Beats Audio In-Ear-Kopfhörern ausgeliefert. Diese sind jetzt Silber/Weiß statt Schwarz, damit sie zum Sensation XL passen. Das Kabel ist nach wie vor rot. Der Klang ist derselbe wie beim Sensation XE: sehr bassdominant. Für Popsongs und ähnliche schnelle Musik ist das gut, für sanftere Songs, Balladen, Hörbücher und Filme eher weniger. Als „kostenlose Dreingabe“ ist man dankbar für die Beats-Audio-Kopfhörer und den angepassten Equalizer, ein echter Kaufgrund sind sie aber nicht.

Die 8-Megapixel-Kamera entspricht der des HTC Titan. Die Fotos sehen meistens gut aus, neben den üblichen Effekten gibt es auch noch einen Panoramamodus, der drei Bilder zu einer Aufnahme zusammensetzt und einen HDR-Modus. Der HDR-Modus ist nicht ganz so effektiv wie beim iPhone 4S, hilft aber bei Motiven mit verschiedenen Lichtsituationen, wie etwa ein dunkles Haus vor hellem Himmel. Besonders gut gelingen Makro-Aufnahmen. Dennoch ist die Kompression der Fotos etwas zu stark. Die Fotos sind meist nur 1 bis 1,2MB groß, bei einfärbigen Flächen ist oft ein Grieseln bemerkbar.

Im Videomodus schwächelt das Sensation XL. Obwohl es nur in 720p aufnimmt, ist die Bitrate gering. Es sind Artefakte sichtbar, bei sich bewegenden Motiven zieht das Bild nach und die automatische Helligkeit lässt Aufnahmen oft zu dunkel oder zu hell erscheinen.

Fazit
Mit dem Sensation XL hat sich HTC keinen großen Fall getan. Ein Windows Phone mit Android auszustatten und bessere In-Ear-Kopfhörer beiliegen, ist keine Innovation. Das Display ist zu niedrig auflösend, ein Dual-Core wäre nett gewesen, um für das Upgrade auf Android 4.0 besser gerüstet zu sein und die Option den internen Speicher mit einer MicroSD-Karte zu erweitern, wäre gerade für Besitzer einen großen Musiksammlung interessant gewesen. Das Sensation XL findet man mit Preisvergleichsportalen ab 500 Euro – um diesen Betrag bekommt man auch die besseren Samsung Galaxy Nexus und Galaxy Note.

Mehr zum Thema

  • HTC Sensation XE: Guter Sound als Gimmick
  • Galaxy Nexus: Flottes Flaggschiff im Test
  • Windows-Phone-Doppelpack: HTC Titan und Radar
  • HTC Sensation: Schickes Dual-Core-Handy im Test
  • Größenwahn: Samsung Galaxy Note im Test

 

 

 

 

 

 

Modell:
HTC Sensation XL
Betriebssystem:
Android 2.3.5
Display:
4,7 Zoll Super-LCD, 800x480 Pixel
Prozessor:
1,5GHz Single Core
RAM:
768MB
Speicher:
16GB intern
Kamera:
8MP Rückkamera, 720p Videoaufnahme, 1,3MP-Frontkamera
Dimensionen:
132,5mm x 70,7mm x 9,9mm, 162,5 Gramm
Preis:
619 Euro UVP
ab 500 Euro (Preisvergleichsportal)