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Xbox Live Arcade
04/19/2012

Spieletest: Dieselpunk-Sidescroller Sine Mora

Sine Mora gehört zu den schönsten Sidescroller-Shootern, die Xbox Live Arcade hervorgebracht hat. Das klassische Flugschieß-Genre bietet neue Gameplay-Ansätze, ungarisch-sprechende, zeitreisende Tiermenschen und einen Schwierigkeitsgrad, der auch Arcade-Profis fordert.

von Gregor Gruber

Sidescroll-Shooter mit Flugzeugen gehören bei erfahrenen Gamern entweder zu den schönen Kindheitserinnerungen oder zu den frustrierenden, weil man etwa schon am Gameboy mit R-Type verzweifelt ist, den Controller des Mega Drive bei Gradius II am liebsten zertrümmert hätte oder Münze für Münze in den Darius-Spielautomaten gesteckt hat. Mit aktuellen Vertriebsmöglichkeiten wie Xbox Live Arcade oder Steam erlebt das Genre ein Revival, da auch kleinere Studios ihre Games anbieten können. Sine Mora (Xbox Live Arcade, 1200 MS-Punkte) revolutioniert das Genre zwar nicht, bringt aber durch seine gelungene Optik und die kreative Auslegung der Health-Bar neuen Wind hinein.

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Tiermenschen und Dieselpunk
Im Gegensatz zu den meisten Genre-Vertretern hat Sine Mora nicht nur eine Handlung, sondern auch verschiedene Akteure und Charaktere. Durch die nicht chronologische Erzählweise bzw. Ereignisse, die gleichzeitig stattfinden, ist es aber nicht besonders einfach den Handlungssträngen zu folgen. Kurz zusammengefasst: Eine Spezies von fluchenden Tiermenschen (quasi Starfox mit Kraftausdrücken) steht vor der Auslöschung und kämpft gegen die Bösen, um das zu verhindern. Das Ganze ist auch noch ein „ewiger Krieg", der durch die Zeitreise-Fähigkeiten der Tiermenschen möglich ist – hier haben sich die Entwickler wohl vom Comic Red Wing inspirieren lassen. Zwischen den Missionen wird die komplexe Handlung durch Texteinblendungen, die von rituellem Selbstmord, Rache, Erpressung und Genozid berichten, weitererzählt. Die Sprachausgabe ist ungarisch (ein Entwicklerstudio stammt aus Ungarn, das andere aus Japan) - auch während den Missionen, was zur exotischen Atmosphäre des Spiels beiträgt. Die Menüs, Texte und Untertitel wurden in Deutsch belassen.

Die komplexe Story kann man getrost ignorieren, denn auch ohne dieses Hintergrundwissen zieht die Welt von Sine Mora in ihren Bann. Das Spiel ist im Dieselpunk-Stil gehalten, also Steampunk mit Einflüssen aus der Zwischenkriegszeit. Vertreter dieser Stilrichtung sind das Spiel Crimson Skies oder der Film Sky Captain and the World of Tomorrow. Auch wenn es ein klassischer Sidescroller ist, sind die Umgebung und Objekte in detaillierter 3D-Grafik gehalten. In den Missionen gibt es immer wieder kleine Zwischensequenzen, in der in der Spielegrafik von der 2D-Kameraperspektive in einen 3D-Flug gewechselt wird.

Dazu kommen imposante Boss-Gegner, die ebenfalls liebevoll, und trotz ihren riesigen Dimensionen, detailliert modelliert wurden. Kombiniert mit den kräftigen Farben und abwechslungsreichen Levels, von Fabrik-Anlagen über Höhlen und Städten bis zu Unterwasser-Kämpfen, ist Sine Mora einer der schönsten Sidescroller-Shooter, die es derzeit gibt.

Keine Zeit
Um die Landschaft zu genießen, fehlt im wahrsten Sinne des Wortes die Zeit. Anstatt einer Health-Bar oder eines Schildes wird um Zeit gekämpft. Jeder Abschuss eines Gegners bringt Zeit, jeder eingesteckte Treffer reduziert die Zeit. Kommt der Countdown am oberen Bildschirmrand bei Null an, explodiert das Flugzeug und ein Credit ist verbraucht. Durch die häufigen Checkpoints hält sich der Frust in Grenzen und der niedrigste Schwierigkeitsgrad sollte auch für Genre-Neulinge, mit etwas Übung, schaffbar sein.

Das Element Zeit spielt noch eine zusätzliche Rolle. Im Story-Modus kann die Zeit verlangsamt werden, wodurch das Ausweichen der feindlichen Projektile erleichtert wird. Das „Bullet Time"-ähnliche Feature kann aber nur sehr begrenzt eingesetzt und nur durch Pick-Ups wieder aufgeladen werden. Pick-Ups gibt es natürlich auch um die Hauptwaffe aufzurüsten. Eine Wahl der Hauptwaffe gibt es nicht – die und die entsprechenden Upgrades sowie die begrenzt einsetzbare Zweitwaffe (zB: Streuschuss, Zielsuchraketen) sind Charakter-spezifisch. Die Charaktere sind im Story-Modus für die jeweilige Mission vorgeschrieben.

Im Arcade-Modus können freigeschaltene Schiffe gewählt werden, ebenso ob man die Zeit verlangsamen oder bei Bedarf die letzten Sekunden zurückspulen will. Die Story wird hier weggelassen und es stehen nur die Schwierigkeitsgrade Schwer und Verrückt zur Auswahl, die selbst Genre-Profis vor Herausforderungen stellen dürften. Als Belohnung für die Mühen winkt ein Eintrag im weltweiten Leaderbord. Um eine hohe Position zu erreichen, kann man im Modus „Boss Training" die Kämpfe gegen die Endbosse üben.

Fazit
Die Grafik und das Design der Schiffe und Bosse machen Sine Mora einfach nur schön. Die Story ist zwar ein nettes Beiwerk aber aufgrund der Komplexität verzichtbar – weshalb Genre-Fans sich über den Arcade-Modus freuen werden. Leider gibt es keinen Mehrspieler-Modus. Zu zweit hätte das Bezwingen der Boss-Gegner mehr Spaß gemacht. Wer sich bisher noch nicht mit Sidescroller-Shooters befasst hat, sollte aufgrund des doch gehobenen Schwierigkeitsgrades zuerst die kostenlose Testversion ausprobieren.

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