TCL Nxtpaper 60 Ultra
TCL Nxtpaper 60 Ultra im Test: Ein Handy mit mattem Display? Yes please!
Um heute noch am Smartphone-Markt aufzufallen, muss man schon tief in die Trickkiste greifen. Das gilt umso mehr, wenn man quasi ein unbeschriebenes Blatt ist. Denn TCL kennt man hierzulande am ehesten von Fernsehgeräten, nicht aber als Smartphone-Hersteller.
Mit dem Nxtpaper 60 Ultra zaubert das chinesische Unternehmen nun ein Handy aus dem Hut, dessen Gimmick ist vorzugeben, dass es eigentlich ein anderes Gerät ist.
TCL Nxtpaper 60 Ultra
© TCL
eReader-Simulation
Dazu hat das Smartphone einen Schiebeschalter an der rechten Seite. Wird der nach oben geschoben, sieht man mit einem beeindruckenden Effekt, wie die Farbe verschwindet und aus dem normalen LC-Bildschirm ein E-Ink-Display wird. Hat TCL hier eine neue Technologie erfunden, die scheinbar mühelos aus dem Smartphone einen eReader im Stil eines Amazon Kindles oder Thalia Tolinos macht?
Nein, natürlich nicht. Vom klassischen LCD auf das augen- und akkuschonende E-Ink „umschalten“, ist technisch nicht möglich – dazu sind die Technologien zu verschieden. Dass diese eReader-Simulation so täuschend echt wirkt, liegt an einem cleveren Trick: Das Smartphone hat ein mattes Display. Dieses hat außerdem eine feine Struktur, wodurch auch die Haptik eines E-Ink-Displays sehr authentisch nachgeahmt wird.
TCL Nxtpaper 60 Ultra
© TCL
Auch ohne den ePaper-Modus profitiert das Smartphone vom matten Display. Es gibt weniger Spiegelungen, wodurch das Gerät selbst bei knallender Sonne gut nutzbar ist. Ein Nachteil ist, dass durch die Struktur ein wenig Unschärfe entsteht. Das merkt man speziell bei kleinen Texten, wie etwa auf Webseiten im Browser. Bei Bildern oder Videos fällt das hingegen nicht auf.
Das Lesen von langen Texten ist im ePaper-Modus tatsächlich angenehm. Den großen Vorteil eines echten E-Ink-Displays hat man aber nicht: geringerer Akkuverbrauch. Zumindest nicht gänzlich. Durch den matten Bildschirm ist nämlich weniger Helligkeit nötig, um Spiegelungen zu bekämpfen, was wiederum die Batterielaufzeit verlängern kann.
ePaper-Modus im Freien: Das matte Display reduziert die Betrachtungswinkel, weshalb die Helligkeit, seitlich betrachtet, geringer ist, als bei Handys mit normalem Display.
© Gregor Gruber
Als Zusatztrick beherrscht das Smartphone einen Max Ink-Modus, um die Akkulaufzeit zu erhöhen. Das gelingt, weil für die meisten Apps die Hintergrundaktualisierungen stark eingeschränkt werden. Das macht das Smartphone zwar weniger smart (zumindest solange, bis der Modus wieder deaktiviert wird), reduziert dadurch aber auch die Ablenkungen durch andere Apps und man kann sich ganz dem Lesen widmen.
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Wuchtig
Abgesehen vom matten Display, fällt das Smartphone vor allem wegen seiner Maße auf. Der 7,2 Zoll große Bildschirm sorgt für ein wuchtiges Gerät. Dicke schwarze Ränder, vor allem im unteren Bereich, machen dabei deutlich, dass es sich hier um ein Mittelklasse-Handy und kein Premium-Smartphone handelt.
Dicker schwarzer Rand zwischen Display und Rahmen.
© Gregor Gruber
Dafür gibt es aber im Lieferumfang ein nettes Extra, auf das teure Geräte oft verzichten: eine Schutzhülle. Die ist beim Nxtpaper 60 Ultra zweiteilig: Die normale Hülle kann in ein Cover gegeben werden. Das sieht aus wie ein Notizbuch und hat sogar das passende Gummibändchen, um den Deckel zu fixieren.
TCL Nxtpaper 60 Ultra im Cover
© Gregor Gruber
Außerdem ist im Cover ein Steckplatz für den mitgelieferten Stift vorhanden. Der Stift hat eine akzeptable Größe und druckempfindliche Spitze. So lassen sich Skizzen und Zeichnungen fabrizieren. Handschriftliche Notizen haben einen Kalligrafie-Touch und sehen am Bildschirm besser aus als die zu Papier gebrachte Sauklaue.
Die Umwandlung zu Text ist aber weniger präzise als etwa bei Samsungs Smartphone-Spitzenmodellen der Galaxy-Ultra-Serie, weshalb das Schreiben mit dem Stift nicht allzu viel Sinn macht.
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Der inkludierte Stift hat eine akzeptable Größe. Die "Hinweise"-App lässt die Handschrift fast schon wie Kalligrafie aussehen.
© Gregor Gruber
Leistung, Kamera, Akku
Ein Mittelklasse-Chip im Handy liefert genau das: Mittelklasse-Leistung. Aufwändige Spiele laufen nicht so gut, für den Alltag reicht es aber. Meistens. Wechselt man etwa zwischen Modi in der Kamera-App, bemerkt man hier eine leichte Verzögerung. Dafür bekommt man aber nicht nur die in dieser Preisklasse übliche Weitwinkel- und reguläre Kamera, sondern auch eine Linse mit 3-fach-Zoom.
Die 3 Hauptkameras des Nxtpaper 60 Ultra, samt Glitzereffekt.
© Gregor Gruber
Die Weitwinkelkamera liefert nur mäßige Qualität, die Haupt- und Zoomkamera sind in Ordnung. Die Schwächen bei Details und Schärfe werden durch eine Übersättigung der Farben kaschiert. Die Fotos sind dadurch zwar nicht sehr natürlich, aber dennoch ansehnlich.
Beispielfotos
12 Bilder
Beim Akku gibt es ebenso Mittelmaß: Einen normalen Tag kommt man durch, wenn man nicht gerade den Max Ink-Modus verwendet. Mit diesem sind sogar mehr als 2 Tage möglich.
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Fazit
Mit dem Nxtpaper 60 Ultra (ab 430 Euro bei Amazon) beweist TCL, dass man sich auch im heutigen Smartphone-Einerleibrei mit einem sinnvollen Gimmick abheben kann. Das matte Display gefällt, optisch und haptisch, und ist besonders praktisch für Menschen, die sich oft im Freien aufhalten – oder auch in Innenbereichen die Nase voll von spiegelnden Bildschirmen haben. Der ePaper-Modus per Schiebeschalter ist eine nette Ergänzung, die hauptsächlich für Lesebegeisterte Sinn macht, die zumindest ab und zu auf ihren echten eReader verzichten wollen.
Schade ist, dass das Smartphone trotz „Ultra“ im Namen leistungs- und designtechnisch nur ein Mittelklasse-Gerät ist. Vielleicht lassen sich ja andere Hersteller vom Nxtpaper 60 Ultra inspirieren - der Traum vom Highend-Smartphone mit mattem Display lebt weiter.
Technische Spezifikationen
TCL Nxtpaper 60 Ultra:
- Abmessung: 174,45 x 81,23 x 7,57 Millimeter
Gewicht: ca. 227 Gramm - Display: 7,2" FHD+ (1080 x 2340), 359 PPI
- Prozessor: MediaTek Dimensity 7400
- Speicher: 12 GB RAM, 256 GB / 512 GB
- Kameras:
- Hauptkamera: 50 MP, f/1.8, 1/1.55" Sensor
- Ultraweitwinkel: 8 MP, f/2.2, 1/4" Sensor
- Tele: 50 MP, f/2.4, 1/2.8" Sensor, 3× optischer Zoom
- Frontkamera: 32 MP, f/2.0, 1/31" Sensor
- Video: 4K 30 FPS/4K 30 FPS/1080P 60 FPS
- Software: Android 15, 7 Jahre OS- und Sicherheitsupdates
- Akku: 5.200 mAh, 33 W Schnellladen
- Konnektivität: 802.11 a/b/g/n/ac/ax, IR, WiFi Direct, Wi-Fi Display, Bluetooth 5.4, NFC, Dual eSIM/Nano SIM, 5G, USB-C 2.0
- Farben: Lunar White, Nebula Black
- Preis: Ab 430 Euro (256GB)
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