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mobiles internet
11/30/2010

Test: LTE - Schnell, wenn verfügbar

LTE steht für Long Term Evolution und stellt die neue Generation mobiler Datenübertragung dar. 100 Mbit/s sollen mit dieser Technik unterwegs empfangbar sein. A1 ist der erste heimische Anbieter, der die neue Technik in der Praxis einsetzt - Die FUTUREZONE testete, wie gut LTE wirklich ist.

von Thomas Prenner

Am 19. Oktober 2010 hat der heimischer Mobilfunkbetreiber A1 Mobilkom Austria die nächste Generation mobiler Datenverbindung in Österreich gestartet. Der neue Standard nennt sich LTE und steht für Long Term Evolution. Als Nachfolger des Funkprotokolls 3G wird das mobile Netz oft auch als 4G bezeichnet, technisch korrekt ist diese Bezeichnung jedoch nicht: 4G ist der noch nicht standardisierte Nachfolger, auch LTE-Advanced genannt, die aktuelle Technik heißt korrekterweise 3,9G. LTE ist zur Zeit ein reiner Datenübertragungsdienst, konventionelle Telefonie ist noch nicht möglich.

Laut dem Mobilfunkbetreiber sind mit der neuen Technik Datenübertragungsraten von bis zu 100 Mbit/s Download und bis zu 50 Mbit/Sekunde Upload möglich. Somit sollen datenhungrige Online-Aktivitäten wie etwa HD-Videostreaming oder umfangreiche Downloads auch unterwegs möglich gemacht werden. Diese angegebenen Werte geben jedoch nur das an, was technisch theoretisch machbar ist.Wie sich der neue Datenübertragungsdienst in der Praxis verhält, hat FUTUREZONE getestet.

Die Testbedingungen
Aktuell sind laut A1 49 Sendestationen im Raum Wien und drei weitere im Raum St. Pölten in Betrieb. In Wien wurde hier vorerst auf die Innenstadt gesetzt, wie auch im Test bemerkbar war. Getestet wurde mit dem, aktuell im Angebot von A1 befindlichen, Samsung GT-B3730 USB Modem. Jenes erfüllt auch gut seinen Zweck, nur der USB-Stecker am Modem wirkt locker und sitzt nicht besonders stabil im USB-Steckplatz. Als Computer wurde ein Acer Aspire Timeline 1810TZ mit Windows 7 benutzt und die Datenraten wurden jeweils mit dem Online-Dienst speedtest.net gemessen. Der Testserver, zu dem jeweils die Verbindung aufgenommen und gemessen wurde, war ein, vom Online-Service als ideal empfohlener, Server in Salzburg. Damit ein Verbindungsabriss des LTE Netzes sofort auffiel, wurden softwareseitig alle darunterliegenden Standards (GSM und UMTS) deaktiviert.

Mal schnell, mal langsam
Der erste Versuch innerhalb eines Gebäudes im siebenten Wiener-Gemeindebezirk schlug fehl, die mitgelieferte Software vermeldete kein LTE-Signal. Auch im Freien änderte sich nichts an diesem Status. Mit dem Wissen um eine bessere Netzabdeckung in der Innenstadt, fand der nächste Test im Wiener Museumsquartier statt und war auch erfolgreich, im Haupthof der alten Hofstallungen wurde zum ersten Mal das benötigte LTE-Netz registriert. Auch wenn der Empfang nicht ideal war, die Verbindung blieb stabil. Der erste Geschwindigkeitstest im LTE-Netz war jedoch eher enttäuschend, speedtest.net verzeichnetet eine Download-Rate von rund 8,4 Mbit/s in der Sekunde, Upload war mit knapp 0,5 Mbit/s möglich. Ein paar Schritte weiter, in der Mitte des Haupthofs, wurde der Empfang merklich besser und die Übertragungsrate passte sich dementsprechend an. So stieg die Geschwindigkeit auf knapp 15 Mbit/s, der Upload lag bei etwa 0,5 Mbit/s.

Die Geschwindigkeit stieg einmal mehr direkt vor den Gebäuden der Hofstallungen: Bei drei aufeinanderfolgenden Speedtests lag der Geschwindigkeitsdurchschnitt bei knapp 37,8 Mbit/s Download und acht Mbit/s Upload. Die Verbindung blieb stabil, beim Download des dritten Windows XP Service Packs (313 MB) von Microsofts Servern wurde unterbrechungsfrei eine Datenrate von drei bis vier MB pro Sekunde erreicht. Das gesamte Paket war somit in knapp 90 Sekunden auf der Festplatte meines Rechners, eine durchschnittliche MP3-Datei mit einer Größe von etwa 4MB dauert so nur einige wenige Sekunden

In der nächsten Phase des Tests wurde die Verfügbarkeit innerhalb der Wiener Innenstadt überprüft. Auch hier lagen die Top-Geschwindigkeiten bei mehreren Tests jeweils um die 30 Mbit/s Down- und etwa fünf Mbit/s Upload. Die unvollständige Netzabdeckung wurde jedoch deutlich ersichtlich, als das Signal entlang der Kärntner Straße, über den Stephansplatz und Graben, bis über die Freyung zur Universität geprüft wurde. Entlang dieser Strecke war LTE immer wieder nur fallweise empfangbar, die Verbindung riss regelmäßig ab. Nahe der Universität Wien stieg der Empfang wieder an und fallweise wurden wieder hohe Datenraten erreicht. Etwas weiter von der Innenstadt weg war es wieder deutlich schwieriger, ein gültiges Signal zu finden. Insgesamt bestätigte sich die anfängliche Vermutung einer sehr lückenhaften Netzabdeckung, bleibt abzuwarten, wann sich dieser Umstand verbessert.

Fazit, Verfügbarkeit und Preis
LTE funktioniert in den Versorgungsgebieten durchaus ordentlich, auch, wenn die versprochene Übertragungsrate von 150 Mbit/s nicht erreicht werden kann, sind Werte von bis zu 40 Mbit/s beachtenswert. Als wirklich repräsentativ für den Alltagsbetrieb kann dieser Test ob der geringen Verbreitung natürlich nicht angesehen werden. Sobald mehrere User über die selbe Funkzelle verbunden sind, wird der verfügbare Datenstrom entsprechend aufgeteilt, was sich natürlich deutlich in der Geschwindigkeit widerspiegeln dürfte.

Wie schnell LTE Verbreitung findet, hängt auch zu einem beträchtlichen Teil vom preislichen Aspekt ab.
Die Mobilkom Austria ist der erste Anbieter, der LTE in Österreich in die Produktpalette aufgenommen hat. Das GT-B3730 USB Modem, das auch im Test verwendet wurde, ist derzeit um 490 Euro im A1 Shop erhältlich. Der passende Tarif "A1 Breitband LTE" ist für eine Grundgebühr von 90 Euro monatlich verfügbar. Hierbei sind 30 GB Datenvolumen inklusive, jedes weitere angefangene GB schlägt mit 6,90 Euro zu buche. Anfang 2011 will T-Mobile noch entsprechende Angebote auf den Markt bringen, "3" hielt sich mit konkreten Ankündigungen bislang zurück.

Orange-Chef Michael Krammer ließ vergangene Woche wissen, dass der Mobilfunker in Sachen LTE nichts überstürzen will und erinnert daran, dass es sich aktuell noch um einen reinen Datendienst handelt und wegen der Frequenzknappheit aktuell nur für Ballungsräume geeignet sei. Im Zusammenhang mit der geringen Verfügbarkeit verglich er es mit konventionellen Wlan-Netzwerken, die eine sehr geringe Reichweite aufweisen.

(Thomas Prenner)


Mbit/s und MB/s
Internet-Provider arbeiten gerne mit der Angabe Mbit pro Sekunde (Mbit/s) die oft fälschlicherweise als Megabyte (MB) pro Sekunde missverstanden wird. Der korrekte Wert für MB/s ist jedoch nur ein Achtel des Mbit/s-Wertes. Wenn man also über eine Leitung mit maximal acht Mbit/s verfügt, lädt man mit maximal einem MB/s.