Produkte 08.06.2018

Apple und Google halten die österreichischen Banken weiter hin

© Bild: Invision for MasterCard / Charles Sykes

Während man in Österreichs Nachbarländern mit Google Pay und Apple Pay bezahlen kann, muss man hier wohl noch eine Weile warten.

Österreich ist eine Bargeld-Nation: In kaum einem anderen Land Europas gibt es dermaßen viele Bankomaten (9,7 pro 10.000 Einwohner). 89 Prozent aller Zahlungen wurden 2015 noch mit Bargeld abgewickelt. Auch das bereits 2013 eingeführte kontaktlose Bezahlen mit Bankomatkarten setzt sich erst jetzt langsam durch. Da verwundert es kaum, dass mobile Bezahldienste für Smartphones und Wearables weiter auf sich warten lassen. Während bereits in vielen Nachbarländern mit Apple Pay und Google Pay bezahlt werden kann, ziert man sich hierzulande noch vor den US-Diensten.

Zumindest in Deutschland könnte sich diese Situation bald ändern. Laut einem Bericht des „Handelsblatt“ soll dort bereits Ende Juni Google Pay an den Start gehen. Die Commerzbank soll zum Start mit an Bord sein, andere Partner sind bislang nicht bekannt. Und auch der US-Hersteller Garmin will seinen Bezahldienst Garmin Pay, der ähnlich wie Apple Pay und Google Pay funktioniert, in den kommenden Wochen in Deutschland und Österreich an den Start bringen. Welche Banken den Dienst unterstützen werden, ist noch nicht bekannt.

Verweis auf eigene Lösungen

Sieht man von Garmin Pay einmal ab, wird sich in Österreich nicht so schnell etwas ändern. Auf Anfrage der futurezone verweigern sowohl Apple als auch Google den Kommentar. Man arbeite aber „tatkräftig daran, die Payment-Lösungen über Smartphones in mehr Ländern weltweit verfügbar zu machen“, so Google. Auch Anfragen bei den größten Banken Österreichs (Raiffeisenbank, Erste Bank, Bank Austria, Bawag) sowie den Dienstleistern Card Complete und Payment Services Austria förderte nur Durchhalteparolen zutage.

Alle Banken wollen nicht ausschließen, dass die Dienste künftig in Österreich an den Start gehen könnten, konkrete Pläne gäbe es dafür aber derzeit nicht. Stattdessen verweist man auf eigene Lösungen, beispielsweise das Banken-übergreifende Projekt „ZOIN“. Dieses soll das Verschicken und Empfangen von Geld über eine Smartphone-App ermöglichen. Derzeit ist dieser Vorgang nur unter registrierten Nutzern sowie mit verknüpften Bankkonten möglich. Laut der Bawag werde auch an einer Lösung gearbeitet, Zahlungen über Kreditkarten abzuwickeln. NFC-Zahlungen sind mit dieser Lösung aber nicht möglich.

Hier verweisen alle Banken auf die Bankomatkarte Mobil. Diese wird von allen großen Mobilfunkern und Banken angeboten. Der Nutzer kann mit einer speziellen SIM-Karte ein NFC-fähiges Android-Smartphone als Bankomatkarte nutzen. Diese Lösung wird von der Payment Services Austria betrieben, die nach eigenen Angaben „laufend den Markt bezüglich neuer Bezahllösungen [beobachtet]“. Angaben zum Status von Google Pay und Apple Pay könne man jedoch nicht machen. Auch beim Karten-Anbieter Card Complete bittet man um Geduld: „Wir arbeiten natürlich auch stetig an der Weiterentwicklung mobiler Bezahldienste und werden informieren, wenn es neue Produkte und Services gibt.“ Die Erste Bank brachte im Vorjahr mit Mastercard zudem eine mobile Kreditkartenlösung auf den Markt, die im Gegensatz zur Bankomatkarte Mobil keinen Tausch der SIM-Karte erfordert. 

Vor den US-Diensten könnte die Konkurrenz aus China in Österreich aufschlagen. „Auf diesem Markt gibt es derzeit eine unheimliche Fragmentierung. Aus Asien drängen unter anderem AliPay und WeChat nach Europa“, erklärt Walter Mösenbacher, Geschäftsführer der Raiffeisen e-force. Diese Dienste könnten in Österreich auch künftig zum Einsatz kommen, allerdings nur für Kunden aus dem Ausland. „Das Geschäftsmodell kann für Händler ganz interessant sein. Wenn ein Tourist aus China eine Louis-Vuitton-Tasche günstiger bekommt, wenn er mit AliPay bezahlt, kann das den Umsatz durchaus antreiben.“ AliPay zählt mehr als 520 Millionen Kunden, WeChats Pay mehr als 800 Millionen. 

"Bei Apple Pay diktiert Apple"

Auch Raiffeisen zeigt sich gegenüber den US-Konzernen noch eher zögerlich. „Wir führen derzeit keine konkreten Gespräche mit Apple und Google, sondern beobachten noch“, sagt Mösenbacher. „Bevor man so einen Dienst einführt, muss man erst einmal schauen, ob es auch für die Händlerseite interessant wäre.“ Während Google Pay für viele Banken aufgrund des hohen Marktanteils von Android interessanter ist, dürfte Apples restriktive Vorgehensweise ebenfalls für wenig Vorfreude sorgen. „Bei Apple Pay diktiert immer noch Apple die Konditionen, wir können da nichts machen. Entweder Apple lädt dich ein oder es lädt dich nicht ein.“

Dennoch wolle man verstärkt mobile Bezahllösungen anbieten: „Wir müssen uns vom Gedanken verabschieden, dass man künftig nur mehr eine Zahlungsmethode zur Verfügung hat.“ Obwohl die US-Bezahldienste ein Teil dieses Portfolios sein könnten, wolle man vor allem mit eigenen Lösungen punkten, die mehr Sicherheit bieten sollen. „Die Frage ist auch nach dem Cambridge-Analytica-Skandal: Wie sehr vertraue ich meinem Zahlungsdienstleister?“, sagt Mösenbacher: „Als Banken sind wir im Vertrauens- und Stabilitäts-Business tätig, da geben wir die Daten garantiert nicht an Dritte weiter.“

( futurezone ) Erstellt am 08.06.2018