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12/19/2019

Warum Dell seine Notebooks mit Wasser und minus 51 Grad zerstört

Die futurezone bekam die seltene Gelegenheit, einen Blick in die Forschungs- und Testeinrichtungen des PC-Herstellers zu werfen.

von Martin Stepanek

Es ist eine Szene wie aus einem Science-Fiction-Film. Die geöffnete riesige Stahltür gibt den Blick auf eine fensterlose Kammer frei, die komplett mit dunklem Schaumstoff ausgekleidet ist. In der Mitte des Raumes steht ein sich drehendes weißes Podest, aus dem zwei schwarze Hände emporragen. Sie halten ein zum Tablet umfunktioniertes Notebook, das mittels roten Lasers bestrahlt wird. Ort der Szenerie: Ein Labor des US-Computerherstellers Dell am Firmensitz in Austin, Texas.

Funksignale messen

In dem „Drahtlos“-Labor, das sich hinter einem der zahllosen Türen im Gebäudekomplex am Campus versteckt, prüfen Forscher, wie und wo der WLAN-Chip und Mobilfunkantennen verbaut sein müssen, damit das Gerät einen guten Empfang hat.

Funklabor

Funklabor

Funklabor

Funklabor

Funklabor

Testlabor für robuste Laptops

Testlabor für robuste Laptops

Testlabor für robuste Laptops

Wasserkühlung für Server

Serverlabor

Recycelte Kohlenfasern

Da moderne Laptops so gut wie keinen Gehäuserahmen mehr über dem Bildschirm haben, können Funkmodule dort nicht mehr integriert werden. Sie sind bei Dell nun unter dem Touchpad angebracht.

Menschliche Haut simulieren

Auch Störfaktoren, wie etwa das Halten des Tablets mit zwei Händen, aber auch wie Gebäudewände das Signal beeinflussen, werden gemessen. Dazu fährt ein Roboter mit einem aufmontierten Laptop zwischen Betonwänden unterschiedlicher Stärke umher und sammelt Daten.

Aber auch auf den menschlichen Körper muss Rücksicht genommen werden. An einer anderen Station im Raum wird die Strahlungsbelastung auf menschliches Gewebe untersucht, das von WLAN und Mobilfunk ausgeht. Ziel ist es, den sogenannten SAR-Wert, der die Erwärmung des Gewebes durch Strahlung angibt, möglichst gering zu halten. Als Versuchskaninchen fungiert künstliches Gewebe, das der menschlichen Haut nachempfunden ist.

In der Kältekammer

Ortswechsel: Wer sehen will, wie ein Notebook aus drei Metern Höhe auf eine Stahlplatte knallt, ist im „Rugged“-Labor richtig. Dort werden besonders robuste Geräte getestet, die für den Außeneinsatz vorgesehen sind. „Unser Motto ist: bauen und zerstören. Wenn wir es geschafft haben, dass etwas kaputt geht, analysieren wir, was die Schwachstelle war und wie man das Gerät widerstandsfähiger machen kann“, erklärt Laborleiter Anthony Bundrant auf futurezone-Nachfrage. 

Der Sturzflug des Geräts auf harten Boden ist nur einer von vielen Tests. An einer anderen Station wird ein Laptop von einem Roboterarm 150.000-mal auf- und zugeklappt. Der Test dauert 84 Tage und simuliert im Schnelldurchlauf eine 5 Jahre lange Nutzung. Noch ungemütlicher wird es für die Geräte in diversen Kammern, wo sie Temperaturen von minus 51 bis plus 71 Grad ertragen müssen und mit feinstem Staub beworfen werden.

Wasser und Wüste

In einem anderen Raum, der an einen Schlachthof erinnert, wird ein am Boden liegendes Gerät gar mit einem Schlauch mit Wasser bespritzt. „Die Tests haben einen realen Hintergrund. So kann es in Einsatzfahrzeugen von Feuerwehr oder Polizei schnell mal 70 Grad bekommen, wenn diese im Süden der USA in der Sonne abgestellt werden. Bei Militäreinsätzen wiederum muss der Laptop auch bei Sandstürmen in der Wüste funktionieren“, erklärt Bundrant.

Viele der Erkenntnisse für die besonders robusten „Rugged“-Modelle fließen in die normalen Konsumenten-Geräte ein. Dass diese in den vergangenen Jahren immer kompakter und leichter geworden sind, hat die Aufgabe der Entwickler nicht einfacher gemacht.

Wenig glamourös

Dell ist nicht Apple oder Google. Am Campus steht weder ein futuristischer Glastempel, noch werden Besuchern stolz durch Aufenthaltsräume geführt, wo man mit Rutschen in ein buntes Plastikbällebad abtauchen kann. Im Inneren der Gebäude dominiert brauner Teppichboden, der schon bessere Tage gesehen hat. Auch die Großraumbüros, die man auf dem Weg in die Labors passiert, erinnern eher an die 80er-Jahre. „Es wird in Kürze renoviert, ein Teil ist schon fertig“, erfahren Besucher knapp auf Nachfrage.

Wer Gründer Michael Dell kennt, wird sich über die zweckmäßige Gestaltung des Hauptquartiers nicht wundern. Der Unternehmer gilt als hemdsärmelig und bodenständig, das Inszenieren und Sich-zur-Schau-Stellen ist ihm fremd. Dazu passt auch, dass Dell an der wenig glamourösen und wiederholt totgesagten PC-Kategorie festgehalten hat und damit weiterhin gut verdient.

Über Dell Technologies

Michael Dell machte die 1984 von ihm gegründete Firma zu einem der größten Computerhersteller der Welt. 2015 übernahm Dell um 67 Milliarden Dollar den Speicher- und Serverspezialisten EMC, um sein Portfolio in den Bereichen Cloud und Datenverarbeitung zu stärken.

Mit über 11 Millionen verkaufter Geräte landete Dell im vergangenen Quartal zwar hinter Lenovo und HP. Der Umsatz von 11,5 Milliarden Euro bedeutete aber Platz eins auf dem PC-Markt. Der Gesamtumsatz des Konzerns belief sich im selben Zeitraum auf 22,8 Milliarden Dollar.