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01/19/2019

Xiaomi Mi 8 Pro vs. OnePlus 6T im Vergleichstest

Die Ausstattung des Mi 8 Pro und des OnePlus 6T sind nahezu ident. Wir haben sie verglichen und einen überraschenden Sieger gekürt.

von Florian Christof

Xiaomi und OnePlus verbindet so einiges: Beide kommen aus China, beide sind quasi als Start-ups angetreten, um den etablierten Herstellern mit günstigen High-End-Geräten das Wasser abzugraben. Ende vergangenen Jahres haben die beiden Hersteller ihre neuen Spitzenmodelle - das Xiaomi Mi 8 Pro und das OnePlus 6T - auf den Markt gebracht. Wir haben die beiden Top-Smartphones miteinander verglichen.

Mi 8 Pro vs 6T

Vergleicht man das Mi 8 Pro und das 6T nach den technischen Spezifikationen, so sind sich die beiden Geräte nahezu ebenbürtig: Beide verfügen über einen OLED-Bildschirm der größer ist als 6 Zoll und einen Fingerprintsensor integriert hat. Display-Auflösung, Maße, Gewicht, Prozessor, Arbeitsspeicher, interner Speicher, Grafikprozessor und Anschlussmöglichkeiten sind nahezu deckungsgleich. Und auch beim Preis sind sich die beiden Geräte ähnlich.

Xiaomi Mi 8 Pro und OnePlus 6T

Xiaomi Mi 8 Pro und OnePlus 6T

Xiaomi Mi 8 Pro

Xiaomi Mi 8 Pro

Xiaomi Mi 8 Pro

OnePlus 6T

OnePlus 6T

Xiaomi Mi 8 Pro

OnePlus 6T

Xiaomi Mi 8 Pro und OnePlus 6T

Xiaomi Mi 8 Pro (oben) und OnePlus 6T

OnePlus 6T

Xiaomi Mi 8 Pro

OnePlus 6T und Xiaomi Mi 8 Pro

Xiaomi Mi 8 Pro und OnePlus 6T

OnePlus 6T und Xiaomi Mi 8 Pro

Xiaomi Mi 8 Pro und OnePlus 6T

OnePlus 6T und Xiaomi Mi 8 Pro

In der Praxis

Beide Geräte fühlen sich richtig hochwertig an, sind bestens verarbeitet und vermitteln nicht zu Unrecht den Eindruck eines Premium-Smartphones. Sowohl das 6T als auch das Mi 8 Pro haben eine sehr glatte Rückseite, wodurch sie bei einer Unachtsamkeit recht leicht aus der Hand zu rutschen drohen.

Während die Rückseite des OnePlus-Handys matt ist, setzt Xiaomi beim Mi 8 Pro auf eine transparente Glasrückseite, wodurch der Prozessor und andere Komponenten sichtbar sind. Das sieht zwar nett aus, zu sehen ist allerdings nur eine Nachbildung der Platine und somit nicht die echten Komponenten.

Das Display und der Notch

Bei der Qualität des Displays gibt es bei beiden Geräten keinen Grund sich zu Beschweren. Die OLED-Bildschirme sind leuchtstark und geben die Farben satt und kräftig wieder. Der Screen des Mi 8 Pro misst 6,21 Zoll und löst mit 1080x2248 auf. Das OnePlus-Gerät kommt mit einem 6,41 Zoll großen Bildschirm mit einer Auflösung von 1080x2340 Pixeln.

Der größte Unterschied besteht im Notch - die Einkerbung am oberen Bildschirmrand, wo die Selfie-Kamera untergebracht ist. Hier ist das 6T klar im Vorteil. Denn während OnePlus auf einen kleinen Notch in Tropfenform setzt, lässt beim Mi 8 Pro ein recht breiter Balken kaum Platz für Notification-Symbole.

Die Kamera

Bei beiden Smartphones kommt ein Dual-Kamera-Setup auf der Rückseite zum Einsatz, die über einen Zweifach-Zoom verfügt. Die OnePlus-Kamera löst mit 16 MP (f/1,7) beziehungsweise 20 MP (f/1,7) aus und kann Zeitlupenvideos mit einer Auflösung von 720p und einer Framerate von 480fps aufnehmen. Die Kamera des Mi 8 Pro löst pro Linse mit 12 MP (f/1,8 und f/2,4) aus und kann maximal 240 Bilder pro Sekunden bei einer Auflösung von 1080p aufnehmen.

Bereits nach den ersten Aufnahmen bei mäßigen Lichtverhältnissen wurde mir schnell klar, dass die beiden Smartphones nicht ganz mit den Spitzenmodellen von Samsung, Apple oder Huawei mithalten können. Dennoch sind sie in der Lage - etwa bei Tageslicht – sehr gute Bilder zu produzieren.

Bei der Software, die hinter der Kamera liegt, hat Xiaomi die Nase etwas vor OnePlus. Der Bokeh-Effekt sowie andere Funktionen lassen beim Mi 8 Pro mehr Spielraum und Auswahlmöglichkeiten zu. Auch die so genannte AI-Kamera scheint besser darin zu sein, sich an Lichtverhältnisse und Motivauswahl anzupassen als die Kamera-Software von OnePlus.

Betriebssystem

Das OnePlus 6T kommt bereits mit der neuesten Android-Version 9.0 Pie. Das Mi 8 Pro hinkt hier noch nach und wird mit Android 8.1 Oreo ausgeliefert.

OnePlus hat über die Android sein OxygenOS 9 darübergelegt. Diese Adaption ist schlicht, wenig verspielt und gegenüber Stock-Android mit wenigen Änderungen versehen. Es gibt einen App-Drawer und kaum Bloatware oder hauseigene Mail- oder Kalender-Apps.

Das MIUI 10 von Xiaomi verfolgt hier einen anderen Ansatz. Es versucht den Nutzer mit zahlreichen Hersteller-eigenen Diensten und Apps in sein Ökosystem zu ziehen. Zusätzlich ist auf dem Mi 8 Pro noch jede Menge Bloatware vorinstalliert, einen App-Drawer gibt es nicht. Vom Design her ist das MIUI 10 wesentlich bunter und verspielter als das OxygenOS von OnePlus.

OnePlus 6T

OnePlus 6T

OnePlus 6T

OnePlus 6T

Xiaomi Mi 8 Pro

Xiaomi Mi 8 Pro

Xiaomi Mi 8 Pro

Xiaomi Mi 8 Pro

Beide Betriebssysteme bieten einen Dashboard-Screen an, zudem man gelangt, wenn man am Home-Screen nach rechts wischt. Beide nehmen sich dabei Anleihen an Google Now, zeigen Widgets, so genannte Cards und informieren über aktuelle Kalendereinträge. Nutzt man jedoch nicht das Ökosystem der Hersteller, so sind die beiden Dashboard-Screens nicht wirklich brauchbar. Bei beiden Geräten können sie deaktiviert werden, was ich auch nach kurzer Zeit getan habe, weil sie eben sinnlos sind.

Fingerprint im Display

Sowohl das OnePlus 6T als auch das Mi 8 Pro haben den Fingerabdrucksensor im OLED-Bildschirm integriert. Was zunächst nach einer interessanten technischen Innovation klingt, ließ bei mir schnell Ernüchterung einkehren: Gegenüber herkömmlichen dedizierten Flächen - sei es im Home-Button oder auf der Rückseite - können die beiden Display-Fingerprintsensoren absolut nicht mithalten.

Zum einen muss man relativ stark andrücken, damit der Sensor den Fingerabdruck überhaupt erkennt, auch die Fehlerrate ist wesentlich höher als bei gewöhnlichen Sensoren. Zum anderen dauert der Entsperrvorgang etwas länger als bei herkömmlichen Sensoren - es ist zwar nur ein Bruchteil einer Sekunde, allerdings funktioniert das Entsperren bei gewöhnlichen Fingerabdruckscannern quasi unmittelbar ohne Verzögerung. Klarerweise handelt es sich hierbei um ein klassisches First-World-Problem, aber diese kurze Verzögerung nervt dann doch ein wenig.

Der größte Nachteil des In-Display-Fingerprintsensor ist aber die kleine Fläche, die als Sensor dient. Dedizierten Sensoren sind auch ohne Hinsehen ertastbar, das funktioniert weder beim 6T noch beim Mi 8 Pro.

Technische Spezifikationen

Beide Smartphones werden von einem Snapdragon 845 angetrieben. Die getesteten Versionen kommen beide mit 8 GB RAM und 128 GB Speicherplatz. Grafik-Chip und Chipset sind komplett ident.

Auch Dual-SIM und kein Kopfhöreranschluss eint beide Handys. Das OnePlus 6T ist mit 185g ein bisschen schwerer als das Xiaomi-Smartphone mit 177g.

Akku

Xiaomi hat im Mi 8 Pro einen 3000 mAh starken Akku verbaut, OnePlus setzt auf einen Akku mit einer Kapazität von 3700 mAh. Obwohl es bei der Kapazität der Akkus recht deutliche Unterschiede gibt, konnte ich in der Praxis keinen wesentlichen Vorteil für eines der beiden Geräte feststellen.

Sowohl beim Um-die-Wette-Schnellladen als auch beim Akku-Leersaugen, waren beide Smartphones auf die Minute exakt gleich auf: Von 15 auf 42 Prozent konnten beide innerhalb von 17 Minuten geladen werden, von 15 auf 95 Prozent schafften es beide in exakt 57 Minuten.

Fazit

Eines zeigen sowohl OnePlus mit dem 6T als auch Xiaomi mit dem Mi 8 Pro ausdrücklich: Wer ein Top-Android-Phone will, muss dafür keine tausend Euro hinblättern, das geht auch mit der Hälfte des Preises.

Die beiden Geräte sind sich so ähnlich, dass es wirklich schwer fällt einen Sieger im direkten Vergleich auszumachen. Die Notch-Runde geht an OnePlus, in der Kamera-Runde sehe ich Xiaomi voran, beim Betriebssystem, Akku und dem Handling im Alltag sind beide gleich gut; beim Fingerprintsensor sind beide gleich schlecht.

Und der Preis? Hier hat Xiaomi die Nase vorne. Ein Blick auf Geizhals zeigt, dass das Mi 8 Pro durchschnittlich um ein paar Dutzend Euro günstiger ist, als das OnePlus 6T. Das Xiaomi-Smartphone kostet beim billigsten Anbieter 515 Euro, das OnePlus-Handy kommt auf 561 Euro. Auf Amazon kostet das Mi 8 Pro 515 Euro, das OnePlus 6T 583 Euro.

Ex-aequo auf dem zweiten Platz

Unterm Strich ist es eine wirklich ausgeglichene Angelegenheit. Müsste ich mich zwischen einem der zwei Handys entscheiden, würde ich zu keinem der beiden greifen. Ganz einfach, weil der Fingerprintsensor im Display einfach noch nicht ausgereift ist und mich wirklich gestört hat.

Stattdessen würde ich mich bei den kleinen Geschwistern umsehen: dem Xiaomi Mi 8 und dem OnePlus 6. Beide kommen mit nahezu identen Ausstattung wie die beiden getesteten Smartphones, haben aber einen dedizierten, herkömmlichen Fingerabdruckscanner. Und bei der Entscheidung hierbei würde ich den Preis entscheiden lassen: Das Xiaomi Mi 8 kostet bei den günstigsten Anbietern auf Geizhals um die 420 Euro, während hier der Preis des OnePlus 6 um die 520 Euro liegt.